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Top-Team Bora-hansgrohe aus der Region

„Vom Urlaubs-Team zum Giro-Sieger“ - Was Bora jetzt bei der Tour de France plant

Ralph Denk, Teammanager.
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Ralph Denk, Teammanager.
  • Manuel Bonke
    VonManuel Bonke
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„Unser Stil ist bodenständig, aber cool.“ Bora-Chef Ralph Denk spricht über die Party nach dem Sieg beim Giro d‘Italia, die neue Team-Struktur und die Tour-Ziele

München/Rosenheim Auf dem ersten Gipfel, aber noch lange nicht am Ziel – bora-hansgrohe hat durch den Triumph von Jai Hindley beim Giro d’Italia die erste große Rundfahrt gewonnen. Teamchef Ralph Denk erzählt im Interview, wie die Party beim Rosenheimer Rad-Rennstall ausfiel und wie die nächsten Ziele lauten.

Herr Denk, wie waren die Feierlichkeiten nach dem Giro-Sieg von Jai Hindley?

Natürlich ist ordentlich gefeiert worden. Aber im Bora-hansgrohe-Stil: Unser Sponsor Bora hatte ein Restaurant für unsere Teammitglieder, die Familien, Freunde und Sponsoren gemietet. Aber wir haben es jetzt nicht übertrieben. Für uns reicht der Hauswein, das ist unser Stil: Bodenständig, aber cool (lacht).

Welchen Stellenwert hat dieser Triumph?

Für mich persönlich einen enorm großen. Es liegt nämlich genau zehn Jahre zurück, dass wir – damals noch unter dem Namen NetApp – den ersten Giro d’Italia gefahren sind. Das war 2012 und wir hatten eigentlich zu wenig Budget, aber wir sind trotzdem gefahren. Ich habe mir damals einen Camper ausgeliehen und bei unserem Sponsor Auto Eder Kolbermoor noch weitere Fahrzeuge ausgeliehen. Die musste ich damals übrigens zum Glück nicht bezahlen, weil ich eh kein Geld gehabt hätte. So sind wir vor zehn Jahren zum Giro aufgebrochen und haben versucht, ein paar Achtungserfolge einzufahren. Das gelang uns schlussendlich auch. Vom Abenteuer-Urlaubs-Team zum Giro-Sieger, das war eine coole Zeitreise am Sonntag.

Kam die Zusage damals für die Wildcard denn so kurzfristig?

Sie kam im Januar und dann haben wir mal durch unseren Fuhrpark geschaut und gemerkt: Der ist nicht groß genug, um ein solches Radrennen zu bestücken. Dann haben wir noch Personal angeheuert, Tagelöhner quasi – weil wir nicht so viel Personal auf der Paying-Roll hatten. Es war schon ein ziemlicher Abenteuer-Trip vor zehn Jahren.

Wie haben Sie die Zieleinfahrt erlebt?

Ich bin ja eher der ruhige Typ (lacht). Von daher habe ich mich innerlich gefreut. Mir war schon Samstagabend klar: Wenn wir nicht einen totalen Bock schießen und unsere Mechaniker einen Riesen-Bock schießen oder Jai einen Fahrfehler begeht, dann geht rein von der Performance nichts mehr schief.

Vor der Saison haben Sie umfassend umstrukturiert und prominente Namen wie Peter Sagan oder Pascal Ackermann verloren. Ist das nun die Belohnung für diesen Mut?

Ja, das sehe ich schon so. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, die Grand Tours in Angriff zu nehmen, weil das einfach die bekanntesten sind. Nix gegen die Klassiker, aber den Giro oder die Tour kennt jeder. Auf diese Rennen wollten wir uns konzentrieren. Ich bin auch sehr froh, dass unsere Sponsoren diesen Weg mitgegangen sind. Natürlich ist diese Idee hitzig diskutiert worden – bei uns intern, aber auch in der Öffentlichkeit: Ist es klug, Sagan gehen zu lassen oder ist es unklug? Schlussendlich war der Erfolg beim Giro die Bestätigung, dass wir viele Entscheidungen richtig getroffen haben.

Mussten Sie bei den Sponsoren viel Überzeugungsarbeit leisten?

Ich bin enorm dankbar, dass alle diese Transformation vom Klassiker- zum Rundfahrt-Team mitgegangen sind. Die Sponsoren haben ebenfalls Mut bewiesen. Das ist einzigartig in dieser Form. Und natürlich ist es auch für sie schön, wenn auf dem Titelblatt der Gazetta dello Sport Bora und hansgrohe steht.

Muss man bei Bora-hansgrohe solche mutigen Entscheidungen auch deswegen treffen, weil man nicht so viel Budget hat wie beispielsweise Ineos?

Das ist ein guter Vergleich. Ineos hat es dieses Jahr geschafft, sowohl bei großen Rundfahren eine Rolle zu spielen, haben aber auch Klassiker wie Paris-Roubaix gewonnen. Wir haben bewusst gesagt: Paris-Roubaix oder die Flandern-Rundfahrt sind jetzt nicht ganz oben auf unserer Prio-Liste. Weil unsere Investitionen in Fahrer geflossen sind, die in der Lage sind, eine Grand-Tour zu gewinnen. Darum haben wir auch Kritik einstecken müssen: Wo ist Bora-hansgrohe im Finale einer Flandern-Rundfahrt oder von Paris-Roubaix? Aber wir haben eben ein begrenztes Budget und nicht so viel Geld wie Ineos, die in allen Bereichen top sind. Wir haben gesagt, wir konzentrieren uns auf die größten Radrennen der Welt.

Aber für den Giro-Sieg hat Ihr Team ebenfalls keine Kosten und Mühen geschaut – und Jai Hindley per Hubschrauber nach Verona fliegen lassen.

Das sind vom Veranstalter gecharterte Hubschrauber für überschaubares Geld (grinst). Wir wollten unseren Rennfahrern schon noch den Zeitvorsprung bei der Rückreise von der vorherigen Etappe in Marmolata nach Verona gönnen. Das hat auch geklappt

Wie geht’s jetzt weiter?

Es ist schon schwierig! Am Wochenende startet das Criterium du Dauphine, ein wichtiges Vorbereitungsrennen für die Tour de France. Und wir haben großes vor bei der Tour! Darum können wir nicht in komplette Feier-Euphorie ausbrechen und die zweite Saisonhälfte außer Acht lassen. Wir fahren bei der Tour eine Zwei-Wege-Strategie. Sam Bennett ist unser Sprinter und soll für Tagessiege sorgen. Und Alexander Vlasov ist unser Mann für das Gesamt-Klassement. Wir versuchen den Spagat bei der Tour de France.