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Vom Top-Skifahrer zum Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg: Der Oberaudorfer Tobias Schweinsteiger

Beim Spiel gegen seinen Ex-Verein Hamburger SV Verantwortlicher an der Linie: Tobias Schweinsteiger, Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg.
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Beim Spiel gegen seinen Ex-Verein Hamburger SV Verantwortlicher an der Linie: Tobias Schweinsteiger, Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg.

Der Oberaudorfer Tobias Schweinsteiger, der ältere Bruder von 2014-Weltmeister Bastian Schweinsteiger, hat seinen Weg im Fußball gefunden. Der gebürtige Rosenheimer hat mit Fußball und Skifahren begonnen, hat es bei den Brettelsportlern bis in den B-Nationalkader geschafft.

Rosenheim/Nürnberg – Im Fußball gelang es dem heute 38-jährigen Tobias Schweinsteiger als Spieler sogar hinauf bis in die 2. Liga. Seit seinem Karriereende im Sommer 2015 ist Tobi Schweinsteiger als Trainer tätig. Aktuell ist er einer der Assistenten von Cheftrainer Robert Klauß in der 2. Liga beim 1. FC Nürnberg und stand beim Heimspiel am letzten Wochenende gegen seinen Ex-Club Hamburger SV (Endstand 1:1), als Verantwortlicher an der Linie, weil Coach Robert Klauß gesperrt war.

Von klein auf Skifahren und Fußball

Von klein auf interessierte Tobias Schweinsteiger der Sport und hier speziell das Skifahren und der Fußball. Sport war in der Familie Schweinsteiger immer Thema. Vater Fred spielte bei 1860 Rosenheim in der Bayernliga, damals die dritthöchste Klasse in Deutschland und war ein guter Skifahrer. Fußball, von Oktober bis März dann Wintersport auf Brettern, so verliefen die Jugendjahre.

Starke Mannschaft bei 1860 Rosenheim

Mit dem Fußball begann Tobias mit sechs Jahren beim FV Oberaudorf, blieb dort vier Jahre bis 1992. Von 1992 bis 1996 spielte Schweinsteiger beim TSV 1860 Rosenheim. „Da hatten wir eine sehr gute Mannschaft“, blickt Tobias zurück. Die damaligen Teamkollegen Florian Heller, Maximilian Nicu und Leonhard Haas schafften es in den Profibereich. „Manchmal hat auch mein Bruder Bastian mitgespielt. Wir hatten viel Spaß bei 1860 Rosenheim.“

Zusammen mit seinem Bruder Bastian: Die Schweinsteigers im Jahr 2010 bei einem Werbetermin in München.

1996 gehörte er schon dem deutschen Ski-C-Kader an. Nach der Mittleren Reife folgte eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Polizeimeister bei der Bundespolizei in Bad Endorf. Da hatte er es schon bis in den B-Kader der Skifahrer geschafft. 2002 entschied sich Tobias, sein jüngerer Bruder Bastian war da schon bei Bayern München, das Skifahren aufzugeben und konzentrierte sich voll und ganz auf Fußball.

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Bei Lübeck den Sprung in den Profibereich geschafft

Über den Bezirksligisten Nußdorf ging es im Sommer 2002 in die Bayernliga zum FC Falke Markt Schwaben, wo damals der frühere Bayernliga-Torjäger Franz Schick vom TSV Ampfing als Chefanweiser tätig war. Dem 1,83 Meter großen Stürmer, der mit ungeheurer Geschwindigkeit zu überzeugen wusste, gelang 2004 der Sprung in den Profibereich beim Drittligisten VfB Lübeck. Sein Profidebüt gab Tobias am 12. September im Heimspiel und Derby gegen Holstein Kiel. Drei Minuten nach seiner Einwechselung erzielte er in der 76. Minute den 1:0-Siegtreffern. In knapp zwei Jahren bei den Schleswig-Holsteinern absolvierte der Angreifer 46 Spiele mit 18 Toren. Mehr Partien wurden es aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht. 2006/07 wechselte der Oberbayern in die 2. Liga zu Eintracht Braunschweig: Seine Bilanz 20 Spiele, drei Tore.

Heimatnahe statt Top-Angeboten

2008 kam ein Angebot des Drittligisten SpVgg Unterhaching. In den zweieinhalb Jahren absolvierte er 82 Partien und erzielte 22 Tore. Ab der Saison 2010/11 ging Tobias Schweinsteiger für den SSV Jahn Regensburg auf Torejagd, wurde Mannschaftskapitän und kam trotz einer Sprunggelenksverletzung in 31 Spielen auf 14 Treffer und hatte damit großen Anteil am 3. Platz in der Abschlusstabelle. Mit Ex-Löwe Michael Hofmann im Tor setzte sich der Jahn in der Relegation gegen den Karlsruher SC durch und stieg in die 2. Liga auf.

Drei Jahre Spieler bei Bayern II: Tobi Schweinsteiger.

„Ich hätte in Regensburg bleiben können, habe mich aber für einen Wechsel in die zweite Mannschaft des FC Bayern München in die 3. Liga entschieden. Ich hatte in meiner Karriere oft besser dotierte Angebote, aber meistens habe ich die angenommen, die heimatnäher waren.“ Drei Jahre bis 2015 gehörte Tobias dem FC Bayern München an. Für die „kleinen Bayern“ brachte er es auf 70 Spiele mit 27 Toren. 2015 beendete Tobias Schweinsteiger im Sommer 2015 seine aktive Laufbahn.

Bei Bayern der Start als Trainer

Der FC Bayern ermöglichte ihm den Start als Trainer. 2015/16 arbeitete er als Co-Trainer der U17. Im zweiten Jahr gewann die U17 dank eines 2:0-Endspielsieges gegen Werder Bremen die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft. Ab 2017/18 durfte Tobias Schweinsteiger als Co-Trainer der U23 in der Regionalliga Bayern als Assistent von Tim Walter ran, der vorher ebenfalls die U17 trainiert hatte. Trotz eines laufenden Vertrags bis 2019 wurde Tobias ein Jahr früher freigestellt. Im Dezember 2018 bat er um Vertragsauflösung, wurde unter Coach Andreas Weiland Co-Trainer und später sogar Teamchef beim österreichischen Zweitligisten FC Juniors OÖ. Zur Spielzeit 2019/20 gelang dem ehemaligen Mittelstürmer als Trainer der Sprung in den deutschen Profifußball. Er wurde Co-Trainer von Dieter Hecking beim Hamburger SV.

Tobias Schweinsteiger (rechts) Co-Trainer von Dieter Hecking (links) beim Hamburger SV. In der Mitte Co-Trainer Dirk Bremser.

Das Ziel Bundesliga-Aufstieg verfehlte der HSV knapp. „Wir haben in fünf Spielen jeweils in der Nachspielzeit wichtige Punkte verschenkt.“ Hecking verließ den HSV, wurde Sportchef beim 1. FC Nürnberg. Tobias folgte ihm, wenngleich er feststellt: „Entscheidend war, dass ich gute Gespräche mit Cheftrainer Robert Klauß hatte.“

Individualanalyse und Weiterntwicklung

Der in Rosenheim lebende Schweinsteiger: „Ich habe mich hier sehr gut eingelebt, bin gut aufgenommen worden. Wir haben eine gute Mannschaft und ich arbeite in einem guten Trainerteam.“ Er darf sehr viel selbstständig arbeiten, ist für die Bereiche Individualanalyse und die Weiterentwicklung der Spieler verantwortlich. „Am Ende der vorigen Saison konnte sich der Club erst in letzter Sekunde in der Relegation vor dem Abstieg retten. Wir wollten uns stabilisieren und das ist uns auch gelungen. Wir haben in fast allen Spielen auf Augenhöhe mitgespielt.“

Tobi Schweinsteiger im Team der Bananenflanker.

Aktuell absolviert Tobias Schweinsteiger die Ausbildung zum Fußballlehrer an der Sportschule in Hennef Sein längerfristiges Ziel ist es als Cheftrainer zu arbeiten, „aber im Moment sehe ich mich in Nürnberg und bin in meiner Rolle dort sehr gut aufgehoben.“ Den Bezug nach Rosenheim und seinen Heimatort Oberaudorf ist in alle den Jahren des Tingelns durch die Lande nie verloren gegangen: „Ich verfolge natürlich auch den Fußball in der Heimat und da speziell in Rosenheim. Ich hoffe, dass die Sechziger wieder den Klassenerhalt in der Regionalliga packen werden, dafür drücke ich die Daumen.“

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