2. Volleyball-Bundesliga: Die „kleinen Burschen“ aus Mühldorf kämpfen Bliesen nieder

Mühldorfs Abwehr war am Samstag überragend, auch weil Libero Kilian Nennhuber (Nummer 6) die Ruhe selbst ausstrahlte. Am Ende waren es die Angriffe von Tom Brandstetter (in der Annahme) und Fabian Bartsch (rechts), die Mühldorf den Weg zum 3:1-Sieg ebneten. E
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Mühldorfs Abwehr war am Samstag überragend, auch weil Libero Kilian Nennhuber (Nummer 6) die Ruhe selbst ausstrahlte. Am Ende waren es die Angriffe von Tom Brandstetter (in der Annahme) und Fabian Bartsch (rechts), die Mühldorf den Weg zum 3:1-Sieg ebneten. E

Es ist wieder einer dieser großartigen Momente in der noch sehr jungen Saison der 2. Volleyball-Bundesliga: In einem atemberaubenden Spiel ringt der TSV Mühldorf eine blockstarke Mannschaft des TV Bliesen nieder und sichert sich drei weitere wertvolle Punkte für den Verbleib in der Liga.

Mühldorf – Nach dem 3:1 (25:17/18:25/32:30/25:22) bei der Heimpremiere der Mühldorfer Zweitliga-Volleyballer jubelten nicht nur die Dutzend Spieler des TSV. Knapp 200 Zuschauer rissen in der Mittelschule die Arme hoch, feierten - soweit es die Corona-Hygienerichtlinien zuließen - ihre Mannschaft, die im Hexenkessel von Mühldorf einen spannenden Krimi abgeliefert hatte.

Trainer Michi Mayer: „Eine großartige Leistung!“

Trainer Michi Mayer konnte sein Glück kaum fassen: „Im Leben nicht hätte ich vor dem Spiel mit einem Sieg gerechnet. Bliesen ist eine brutal starke Mannschaft mit einer unglaublichen Qualität im Kader, mit jeder Menge professioneller Spieler. Das hat man schon beim Einschlagen gesehen. Und dann kommen da meine kleinen Burschen und zerlegen die Schritt für Schritt. Eine großartige Leistung!“

Der absolute Wille zum Sieg

Der absolute Wille zum Sieg war den Mühldorfern von Beginn an anzumerken. Beim Stand von 4:3 servierte Kapitän Tom Brandstetter und die Jungs am Netz sorgten mit Angriffen und Blocks dafür, dass sich Mühldorf auf 9:3 absetzen konnte. Bliesens Trainer Burkhard Disch musste reagieren, brachte beim Stand von 4:11 seinen wertvollsten Spieler der Vorwoche, den als MVP ausgezeichneten Aaron Neumann. Doch weder Neumann, noch Tim Konrad (kam beim 9:17) oder Mání Matthíasson (bei 17:24) konnten den Satz drehen. Mühldorf bejubelte stattdessen ein souveränes 25:17.

Aaron Neumann packte seine Hammeraufschläge aus

Ein Schock für den TV Bliesen, den dieses klare Ergebnis offenbar wachgerüttelt hat. In Durchgang Nummer zwei waren es nämlich die Gäste aus dem Saarland, die das Heft des Handelns in der Hand hielten. Aaron Neumann packte seine Hammeraufschläge aus und sorgte für eine 3:0-Führung. Mühldorf konterte zunächst noch mit Tom Brandstetter an der Grundlinie (3:3), doch Bliesen kam immer besser ins Spiel - auch weil Mühldorf eine zu hohe Fehlerquote bei den Aufschlägen hatte. Die beiden Mittelblocker aus Bliesener Seite, Steven Tarquinio und Dave Hancock stellten die Mühldorfer Angreifer nun zunehmend vor Probleme, hämmerten auf der anderen Seite aber auch zusammen mit ihrem Diagonalspieler Steve Weber die Bälle ins Mühldorfer Feld, teilweise über den Mühldorfer Block. Mühldorfs Mittelblocker Florian Gschwendtner musste nach dem Spiel zugeben: „Ich habe gedacht, jetzt geht es dahin!“ Tat es auch.

Denn so sehr die Mühldorfer, allem voran Libero Kilian Nennhuber und Zied Chalghmi, in der Abwehr auch kämpften: Bliesen war nun die tonangebende Mannschaft, ließ sich den komfortabelen Vorsprung, der zeitweise auf sieben Punkte angewachsen war (16:9) nicht mehr nehmen. Auch die Einwechslung von Hauke Ferch für Zied Chalghmi änderte nichts am Satzverlust (18:25).

Mühldorf kämpfte sich zurück ins Spie

Trainer Mayer ließ das Team in dieser Besetzung auch in den dritten Satz starten, in welchem es erneut die Bliesener waren, die in Führung lagen. Alarmiert vom 11:15 nahm Coach Mayer Ferch wieder aus dem Spiel, brachte Zied Chalghmi, der an diesem Abend glänzend in der Abwehr aufgelegt war und nun auch seine Routine am Netz voll ausspielte. Mühldorf kämpfte sich zurück ins Spiel, Fabian Bartsch brachte mit drei Sprungaufschlägen das Team wieder auf Augenhöhe (18:18). Bliesen ließ zwei Satzbälle ungenutzt (24:22), danach war Spannung pur angesagt, es ging hin und her. Den fünften Satzball nutzten die Mühldorfer dann zum 32:30.

Mittelblocker David Fecko schlug im vierten Satz wie entfesselt auf

Nun gab es kein Halten mehr: Mittelblocker David Fecko schlug im vierten Satz wie entfesselt auf, brachte den TSV mit 7:1 in Führung. Die Fürhung wackelte zwischendurch zwar (10:8), doch konnte sich Zuspieler Alex Brandstetter auf seine aufopfernd kämpfende Abwehr um Youngster Kilian Nennhuber verlassen. Wieder war es Fabian Bartsch, der mit seinen Aufschlägen die Biesener unter Druck setzte (16:10), doch konterte auf der Seite der Gäste Markus Jungmann mit ebenso harten Aufschlägen, um den Rückstand zu Mühldorf zu verkürzen (16:19). Immer wieder forderten Bartsch und Kapitän Brandstetter nun im Angriff die Bälle, rackerten sich Punkt für Punkt ab, bis schließlich Mühldorf den dritten Matchball verwandelte (25:22).

Bliesens Trainer Disch: „im dritten Satz haben wir es verkackt“

Bliesens Trainer Burkhard Disch wirkte entsprechend geknickt: „Wir sind schlecht reingekommen, was nach so einer fast neunstündigen Busfahrt auch normal ist. Dann aber haben wir taktisch sehr gut aufgeschlagen, schade nur, dass wir uns nicht belohnt haben!“ Disch spricht von einem guten Zweitligaspiel, „aber im dritten Satz haben wir es verkackt“. Der große Rückstand im vierten Abschnitt sei kraftraubend gewesen. Und schließlich sei dann auch Fabian Bartsch nicht mehr zu halten gewesen, würdigt Disch die Leistung des Mühldorfers.

Fabian Bartsch wertvollster Spieler auf Mühldorfer Seite

Zurecht bekam Mühldorfs Diagonalspieler dann auch die Goldmedaille als wertvollster Spieler auf Mühldorfer Seite ausgehändigt, Bliesens Bester war wie bereits beim Spieltag der Vorwoche Aaron Neumann. Fabian Bartsch war entsprechend euphorisch: „Das Spiel war der Wahnsinn, es hat gekocht in der Halle. Die Fans haben uns richtig nach vorne gepeitscht.

Wir sind zweifelohne an unser Maximum gegangen. Wie bislang in jedem Spiel. Und immer noch können wir eine Schippe drauflegen. Das schafft Zuversicht für die nächsten Spiele!“

Zunächst geht es nach Kriftel, am 10. Oktober ist das der Fall, wenn die Tabellensechsten aus der Innstadt beim bislang sieglosen Tabellenelften in den Taunus geht. Eine Woche später erwartet der aktuelle Tabellenzweite aus Schwaig die Mühldorfer, bevor am 24. Oktober die Mittelschule in Mühldorf wieder zum Hexenkessel wird. Dann kommt es zum bayerischen Derby gegen den TSV Grafing. enk

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