Vier gebürtige Rosenheimer im Fokus der besten Liga der Welt

Mitch Pohl, der 2004 noch für die Starbulls spielte, war der erste Rosenheimer, der gedraftet wurde.
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Mitch Pohl, der 2004 noch für die Starbulls spielte, war der erste Rosenheimer, der gedraftet wurde.

Es ist vollbracht: Mit Lukas Reichel ist wieder ein Spieler von der nordamerikanischen Profiliga NHL gedraftet, der schon für ein Rosenheimer Eishockey-Team gespielt hat. Der 18-Jährige, der aktuell bei den Eisbären Berlin unter Vertrag steht, ist die Nummer 64 in der Reihenfolge der Rosenheimer.

Rosenheim– Von Thomas Neumeier: Es ist vollbracht: Mit Lukas Reichel ist wieder ein Spieler von der nordamerikanischen Profiliga NHL gedraftet, der schon für ein Rosenheimer Eishockey-Team gespielt hat. Der 18-Jährige, der aktuell bei den Eisbären Berlin unter Vertrag steht, ist die Nummer 64 in der Reihenfolge der Rosenheimer im NHL-Draft – und der zweithöchste Einstieg in der Historie.

Mit dem Draft ist noch nichts garantiert

Der Draft ist die Eintrittskarte für die beste Eishockey-Liga der Welt. Dass man aber deshalb noch nicht automatisch in der NHL ist, beweist die Liste der Spieler, die vor oder nach dem Draft das Rosenheimer Dress trugen. Am Ende waren es nämlich nur 22 von den bislang 63, die auch in der National Hockey League aufliefen – und lediglich neun von ihnen schafften mehr als eine zweistellige Anzahl an Spielen.

Die meisten waren Amerikaner

Der Großteil dieser nun 64 Spieler stammt aus Nordamerika, insgesamt 39, dazu kommen mit den Vereidigern Mike Heidt und Venci Sebek noch zwei Spieler, die zu ihrer Rosenheimer Zeit bereits deutsche Pässe hatten, aber in Kanada beziehungsweise den USA geboren wurden. Sechs Spieler kamen aus Finnland, fünf aus Tschechien inklusive Miroslav Maly, der dann auch mit deutschem Spielerpass in Rosenheim im Einsatz war. Hinzu kommen zwei Dänen und ein Russe.

Lukas Reichel ist der zehnte Deutsche

Lukas Reichel ist der zehnte Spieler, der für Rosenheim aktiv war, für die NHL gedraftet wurde und auch für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt ist. Sieben davon haben schon im Rosenheimer Nachwuchs gespielt, vier sind gebürtige Rosenheimer. Der erste von ihnen war Michael Pohl, der 1988 von den New Jersey Devils ausgewählt wurde. Während heutzutage bereits vorab mit Bewertungen und Listen gearbeitet wird und die potenziellen Kandidaten bei Leistungstests und in Videokonferenzen auf Herz und Nieren geprüft werden, war das damals überhaupt nicht der Fall. „Ich habe rein zufällig bei einem Sommerfest bei unserem Mannschaftsarzt Dr. Fichtl erfahren, dass ich gedraftet wurde. Unser Torwart Karl Friesen hat mir das erzählt. Ich hatte zuerst gedacht, dass er mich verarscht“, erzählt Pohl. Für ihn sei das allerdings „nie ein Thema“ gewesen: „Ich hatte gerade eine Lehre begonnen und hätte alles hinschmeißen müssen. Außerdem hätte ich finanziell gewaltig in Vorleistung gehen müssen.“ Dass er ausgewählt wurde, „erfüllt mich schon mit Stolz, weil es damals noch nicht so viele deutsche Spieler gab, die gedraftet wurden. Ich war aber schon so realistisch, um das auch einzuschätzen.“

Gleich drei Goalies in der Draft-Liste

Dass die herausragende Rosenheimer Torwartschule auch in der NHL bekannt ist, kann man an den weiteren gebürtigen Rosenheimern im Draft sehen – mit Patrick Ehelechner (2003), Robert Müller (2001) und Philipp Grubauer (2010) sind gleich drei Goalies in dieser Liste vertreten. Im Rosenheimer Nachwuchs spielte mit Marc Seliger (1993) ein weiterer Torhüter, der einzige Feldspieler außer Lukas Reichel war Robert Francz (1997), der übrigens kein einziges Spiel für eine Herrenmannschaft aus Rosenheim bestritt.

Philipp Grubauer ist der einzige, der noch in der NHL aktiv ist

Stanley-Cup-Sieger Grubauer ist der einzige der bislang 63 Ex-Rosenheimer im NHL-Draft, der auch noch aktiv in der besten Liga der Welt spielt. Er kann bei den NHL-Einsätzen dieser Spieler in der kommenden Saison auf Platz zwei der Rangliste springen. Ganz oben steht hier Doug Weight, der es auf sagenhafte 1335 Spiele bringt – in Rosenheim war er acht Mal im Einsatz, während des NHL-Lockouts 1994/95. Dahinter folgen Ed Kastelic (228), Tom Roulston (216), Jaroslav Pouzar (215), Dominic Roussel (206), Grubauer (197), Krys Kolanos (151), Rob Murphy (129) und Gordon Sherven (100). Die weitere Reihenfolge: Rick Bourbonnais (75), Norm Maracle (66), Jim Hiller (65), Jamie Masters (35), Brian McReynolds (30), Jean-Francois Quintin (22), Kari Haakana (13), Paul Beraldo (10), Mike Heidt und Andrew Rymsha (je 6), Tom Bissett (5), Jari Torkki (4) und Joel Savage (3).

Weight führt natürlich auch die Skorerbilanz an

Klar, dass Weight auch die Skorerbilanz dieser 63 Sportler anführt. Er brachte es auf 301 Tore und 804 Vorlagen, was 1105 Punkte macht. Dahinter folgen Roulston (49 + 51 = 100), Pouzar (40 + 52 = 92), Kolanos (20 + 22 = 42), Sherven (13 + 22 = 35), Bourbonnais (9 + 16 = 25), Kastelic (12 + 10 = 22), Murphy (9 + 12 = 21), Hiller (8 + 12 = 20) und Masters (1 + 13 = 14) sowie McReynolds (1 + 5 = 6), Torkki (ein Tor), Savage und Heidt (je eine Vorlage).

Edmonton Oilers haben die meisten Ex-Rosenheimer gedraftet

Die meisten Ex-Rosenheimer haben übrigens die Edmonton Oilers mit acht gedraftet, gefolgt von den Washington Capitals und den St. Louis Blues (je 6), den Los Angeles Kings und den Vancouver Canucks (je 5) sowie den Detroit Red Wings (4). Mit drei Drafts warten die Boston Bruins und die Minnesota North Stars auf, jeweils zwei Ex-Rosenheimer hatten sich die Phoenix Coyotes, Montreal Canadiens, Calgary Flames, Pittsburgh Penguins, New York Rangers, Buffalo Sabres, Philadelphia Flyers und nun die Chicago Black Hawks gesichert, einmal dabei waren die Carolina Hurricanes, Ottawa Senators, San Jose Sharks, Dallas Stars, New Jersey Devils, Toronto Maple Leafs, Quebec Nordiques und Hartford Whalers.

Die ersten im Draft waren 1969 Tommy Salmelainen und Cal Russell, 1975 folgten Jamie Masters und Rick Bourbonnais. Der bislang letzte auf der Liste der ehemaligen Rosenheimer war Philipp Grubauer, Stanley-Cup-Gewinner mit den Washington Capitals, genau zehn Jahre vor Reichel.

Reichel als „drittschnellster“ gedraftet

Die meisten Drafts der Ex-Rosenheimer erfolgten in der vierten Runde (9), acht Spieler wurden in der dritten Runde gezogen. Lukas Reichel hat die Rolle des besten Rosenheimer Nachwuchsspielers in dieser Rangliste eingenommen. Das war bislang Philipp Grubauer, der in der vierten Runde an Nummer 112 gezogen wurde. In Runde eins wurden vor Lukas Reichel lediglich zwei frühere Grün-Weiße aufgerufen: Joel Savage und Krys Kolanos, wobei Savage an Position 13 weiterhin bislang beste Platzierung eines ehemaligen Rosenheimers aufweist. Gerade dies beweist aber auch, wie der Draft letztlich auf tönernen Füßen steht, denn Savage kam nur drei Mal in der NHL zum Einsatz. Doug Weight wurde in der zweiten Runde gezogen, die in Rosenheimer Fan-Herzen noch immer verbundenen Gord Sherven und Jim Hiller erst in Runde zehn! Und noch ein Beispiel, wie nah Freud und Leid beisammen sind und Entwicklungen nur schwer eingeschätzt werden können: Stephen Werner wurde in Runde drei als Nummer 83 gezogen, Geordie Wudrick ebenfalls in der dritten Runde als Nummer 88. Während Werner in Rosenheim glänzte und dann auch in der DEL eine starke Rolle spielte, tingelte Wudrick durch die vierte deutsche Liga mit Stationen bei den Harzer Falken in Braunlage, den Berlin Blues und beim Adendorfer EC. Und: Die Mannschaft mit den meisten NHL-Draft-Platzierungen war die „größte und schwerste“ in der Rosenheimer Eishockey-Geschichte – und 1996/97h wohl auch die schwächste!

Insgesamt 64 Spieler, die auch schon den Rosenheimer Eishockey-Dress trugen, sind für die National Hockey League (NHL) gedraftet worden. Die Liste der Ex-Rosenheimer im NHL-Draft mit ihrer Platzierung, dem Team, das sie ausgewählt hat und dem Jahr des Drafts:

1. Runde:Joel Savage (Nummer 13, Buffalo Sabres/1988), Lukas Reichel (Nummer 17, Chicago Black Hawks/2020), Krys Kolanos (Nummer 19, Phoenix Coyotes/2000).

2. Runde:Rob Murphy (Nummer 24, Vancouver Canucks/1987), Mike Heidt (Nummer 27, Los Angeles Kings/1982), Doug Weight (Nummer 34, New York Rangers/1990), Pekka Tirkkonen (Nummer 34, Boston Bruins/1986), Jamie Masters (Nummer 36, St. Louis Blues/1975), Martin Reichel (Nummer 37, Edmonton Oilers/1992), Kevin Grant (Nummer 40, Calgary Flames/1987).

3. Runde:Tom Roulston (Nummer 45, St. Louis Blues/1977), Dieter Hegen (Nummer 46, Montreal Canadiens/1981), Petr Hrbek (Nummer 59, Detroit Red Wings/1988), Dominic Roussel (Nummer 63, Philadelphia Flyers/1988), Travis Thiessen (Nummer 67, Pittsburgh Penguins/1992), Shawn Weller (Nummer 77, Ottawa Senators/2004), Stephen Werner (Nummer 83, Washington Capitals/2003), Geordie Wudrick (Nummer 88, Los Angeles Kings/2008).

4. Runde:Rick Bourbonnais (Nummer 63, St. Louis Blues/1975), Mark Teevens (Nummer 64, Pittsburgh Penguins/1984), Ron Chyzowski (Nummer 72, Hartford Whalers/1983), Jean-Francois Quintin (Nummer 75, Minnesota North Stars/1989), Miroslav Maly (Nummer 76, Minnesota North Stars/1984), Andrew Rymsha (Nummer 82, St. Louis Blues/1987), Jaroslav Pouzar (Nummer 83, Edmonton Oilers/1982), Kim Staal (Nummer 92, Montreal Canadiens/1996), Philipp Grubauer (Nummer 112, Washington Capitals/2010).

5. Runde:Mike Vukonich (Nummer 90, Los Angeles Kings/1987), Eric Murano (Nummer 91, Vancouver Canucks/1986), Vladislav Bulin (Nummer 103, Philadelphia Flyers/1992), Norm Maracle (Nummer 126, Detroit Red Wings/1993), Patrick Ehelechner (Nummer 139, San Jose Sharks/2003), Tim Kunes (Nummer 145, Carolina Hurricanes/2005).

6. Runde:Tommy Salmelainen (Nummer 66, St. Louis Blues/1969), Dan Djakalovic (Nummer 102, Toronto Maple Leafs/1976), Ed Kastelic (Nummer 110, Washington Capitals/1982), Brian McReynolds (Nummer 112, New York Rangers/1985), Jari Torkki (Nummer 115, Chicago Black Hawks/1983), Radek Toupal (Nummer 126, Edmonton Oilers/1987), Robert Francz (Nummer 151, Phoenix Coyotes/1997).

7. Runde:Paris Proft (Nummer 137, Vancouver Canucks/1982), Paul Beraldo (Nummer 139, Boston Bruins/1986), Dale Derkatch (Nummer 140, Edmonton Oilers/1983), Scott Hollis (Nummer 165, Vancouver Canucks/1992), Jeremy Stasiuk (Nummer 165, Dallas Stars/1993), Tommi Hannus (Nummer 190, Los Angeles Kings/1998).

8. Runde:Cal Russell (Nummer 78, Minnesota North Stars/1969), Denis Houle (Nummer 123, St. Louis Blues/1978), Mark Krys (Nummer 165, Boston Bruins/1988), Kari Haakana (Nummer 248, Edmonton Oilers/2001).

9. Runde:Venci Sebek (Nummer 185, Buffalo Sabres/1981), David Struch (Nummer 195, Calgary Flames/1991), Robert Müller (Nummer 275, Washington Capitals/2001).

10. Runde:Carl Valimont (Nummer 193, Vancouver Canucks/1985), Gordon Sherven (Nummer 197, Edmonton Oilers/1981), Vincent Lukac (Nummer 202, Quebec Nordiques/1982), Chris Clarke (Nummer 204, Washington Capitals/1987), Glenn Goodall (Nummer 206, Detroit Red Wings/1988), Jim Hiller (Nummer 207, Los Angeles Kings/1989), Marc Seliger (Nummer 251, Washington Capitals/1993).

11. Runde:Tom Bissett (Nummer 211, Detroit Red Wings/1986).

12. Runde: Jesper Duus (Nummer 241, Edmonton Oilers/1987), Michael Pohl (Nummer 243, New Jersey Devils/1988), Sami Nuutinen (Nummer 248, Edmonton Oilers/1990).

Der Däne Kim Staal, der 2013 für Rosenheim spielte, wurde 1996 von den Montreal Canadiens gedraftet. Ziegler (2)
Herausragender Spieler: Jaro Pouzar, dreimal Stanley-Cup-Sieger, 1989 mit dem Meisterpokal. Vorne Mondi Hilger.

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