EISHOCKEY DEL2

Verzweifelte Suche nach einem Ausländer

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Wenn die Ravensburg Towerstars heute, Freitag, 19.30 Uhr, in Rosenheim antreten, präsentieren die Oberschwaben ihren mittlerweile achten (!) Ausländer in dieser Saison. Starbulls-Coach Franz Steer ist dagegen verzweifelt auf der Suche nach einem vierten Kontingentspieler.

Unter der Woche reagierten die Ravensburger auf den verletzungsbedingten Ausfall von Brian Roloff und verpflichteten den Kanadier Jesse Mychan. Der 24 Jahre alte und 1,88 Meter große Stürmer kommt von den Colorado Eagles. In der laufenden Saison der ECHL verbuchte Mychan in 34 Spielen bemerkenswerte 37 Scorerpunkte. „Das ist sicher der stärkste ausländische Spieler, der in dieser Saison für Ravensburg spielt“, ist sich Franz Steer sicher.

„Personelles Erdbeben“

So ganz nebenbei verpflichten die Towerstars auch noch Philipp Schlager aus Kassel. Der 30-jährige Außenstürmer war vor der laufenden Saison sechs Spielzeiten für die Schwenninger Wild Wings in der DEL2 und DEL aktiv, spielte davor für Bietigheim und Heilbronn. Im Trikot der Kassel Huskies gelangen Schlager in 33 Spielen aber nur zwei Tore und neun Vorlagen. „Er ist ein Spielertyp, der zwar nicht so viele Tore schießt, aber unheimlich viel Energie auf das Eis bringt“, sagt Starbulls-Coach Franz Steer über den gebürtigen Münchener. Dass auch Steer an Schlager Interesse hatte, ist ein offenes Geheimnis, aber Ravensburg hatte da wohl die besseren „Argumente“.

Fast schon verzweifelt ist Rosenheims Coach vor den beiden Wochenendspielen heute zu Hause gegen Ravensburg und am Sonntag, 17 Uhr, beim SC Riessersee auf der Suche nach einem vierten Kontingentspieler. „Meine Frau sagt, dass ich zu Hause nur noch körperlich anwesend sei, weil ich ständig am Computer sitze und auf Spielersuche bin.“ Die Aufgabe einen geeigneten Spieler zu finden bezeichnet Franz Steer als „noch nie so schwer wie diesmal“. Die Zeit drängt, denn am 31. Januar ist Schluss mit Neuverpflichtungen. Mit zwei aussichtsreichen Kandidaten steht Steer in Kontakt, „aber das Spielchen kenne ich aus den letzten Wochen, denn plötzlich gab es doch eine Absage.“

Heute allerdings gilt Steers ganze Konzentration dem Heimspiel gegen Ravensburg, ein Gegner, bei dem es nach dem letzten Wochenende ein regelrechtes personelles „Erdbeben“ gab. Die Starbulls wollen mit einem Heimsieg ihre jüngsten erfolgreichen Auftritte bestätigen, um mit Rückenwind ins letzte Viertel der Hauptrunde zu gehen.

„Toni Krinner wird trotz der letzten Niederlagen sein System spielen“, so Franz Steer auf die überraschenden personellen Veränderungen bei den Towerstars. Hinter den Oberschwaben lag ein Wochenende mit zwei Niederlagen – 1:2 in Dresden, 3:6 gegen Kassel –, als am vergangenen Dienstag gleich mehrere gravierende Personalentscheidungen bestätigt wurden. Und dass gleich für zwei der prominentesten und schillerndsten deutschen Stürmer der DEL 2 Schluss im Ravensburger Trikot sein sollte, war ein echter Paukenschlag. Fabio Carciola, 29-jähriger Stürmer mit italienischen Wurzeln und mit 26 erzielten Scorerpunkten in dieser Saison, wurde mit sofortiger Wirkung vom Spiel- und Trainingsbetrieb freigestellt. Als offizielle Begründung nannten die Towerstars ihre Unzufriedenheit mit seinen sportlichen Leistungen. Und auch die Karriere von Bruder Adriano Carciola im Ravensburger Trikot endet abrupt. Der 27-jährige Stürmer, der 28 Scorerpunkte auf dem Konto hatte, wechselt zu den Kassel Huskies, für die er bereits in den letzten beiden Spielzeiten auf das Eis ging.

Starbulls spielen weiter „ohne drei“

Quasi „im Gegenzug“ holten sich die Towerstars Jesse Mychan und Philipp Schlager. Solche personellen Rochaden gibt es bei den Starbulls nicht, außer wenn sich Spieler verletzen oder verletzte Akteure wieder zurückkehren. In dieser Hinsicht tut sich am Wochenende wenig bei den Rosenheimern: Noch keine positiven Nachrichten gibt es von Michael Rohner, Simon Fischhaber und Michael Baindl zu vermelden. Bei allen drei Spielern stockt der Heilungsverlauf, und Prognosen auf die Länge der Ausfallzeiten möchte Steer momentan auch nicht abgeben. Wieder einsatzfähig ist dagegen Jungverteidiger Andreas Nowak. Damit hätten die Starbulls, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, die Möglichkeit auf vier Sturmreihen. „Und so möchte ich, wenn es irgendwie geht, auch unbedingt agieren“, sagt Steer, für den ansonsten natürlich auch die variable Taktik des letzten Wochenendes mit drei Centern und vier Außenpaaren in der Offensive wieder eine Option wäre.

Gegen Sonntag-Gegner SC Riessersee haben die Starbulls alle drei bisherigen Saisonvergleiche verloren und den Starbulls gelang dabei nur ein einziges Tor (0:1, 0:2, 1:6). Es gilt also, noch etwas gut zu machen, wobei die Mannschaft von Trainer Tim Regan als Tabellensiebter natürlich als Favorit in den sonntäglichen Derbyvergleich geht – zumal sich das Riesserseer „Lazarett“ wieder deutlich gelichtet hat.

Interessant ist freilich ein Blick auf die Statistik der „Specialteams“ vor den Duellen dieses Wochenendes. Da stehen die Rosenheimer nämlich jeweils vor ihren Kontrahenten. Eine Überzahlquote von 15,8 Prozent bedeutet zwar ligaweit nur Platz elf, doch Riessersee (12,3 Prozent) und Ravensburg (12,1 Prozent) nehmen hierbei die beiden letzten Plätze ein.

In der Unterzahl-Wertung stehen die Starbulls mit 83,8 Prozent als Fünfter ebenfalls vor Ravensburg (81,5 Prozent) und Riessersee (79,3 Prozent). Und auch der „Powerplay-Trend“ der letzten Spiele spricht durchaus für die Grün-Weißen. mh/bz

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