Ungeklärte Vertragssituation sorgt bei Regionalligisten für Unsicherheit

Echte Planungssicherheit bringt die Aussetzung der aktuellen Spielzeit bis mindestens Anfang September auch für die heimischen Fußball-Regionalligisten SV Wacker Burghausen, TSV Buchbach und TSV 1860 Rosenheim nicht. Größter Knackpunkt ist neben den finanziellen Sorgen das Vertragsrecht für Spieler, deren Verträge zum regulären Saisonende am 30. Juni auslaufen.

Buchbach/Rosenheim– Ebenfalls sehr problematisch ist die Situation der A-Junioren, die normalerweise ab Juli in den Herrenbereich wechseln würden.

Inwieweit alle 18 bayerischen Regionalligisten die lange Phase von neun Monaten seit Beginn der Winterpause bis September finanziell überstehen, steht dabei noch auf einem ganz anderen Blatt: Bereits jetzt wird über mögliche Insolvenzen, Rückzüge oder Abmeldungen spekuliert, zumal ja die Einnahmen aus den Heimspielen fehlen und auch die Fortzahlung von Sponsorengeldern angesichts der wirtschaftlichen Situation von Sponsor-Firmen teilweise ungewiss sind. „Wir können nur hoffen, dass die Fußball-Landschaft nach der Corona-Krise noch einigermaßen so ausschaut wie zuvor, aber ich bin mir fast sicher, dass wir einige Vereine verlieren werden“, sagt Burghausens Geschäftsführer Andreas Huber. Auch Buchbachs Sportlicher Leiter Georg Hanslmaier schaut über den rot-weißen Tellerrand hinaus: „Meine Sorge ist, dass es auch im September nicht weiter geht. Und wenn dann ein ganzes Jahr nicht Fußball gespielt wird, verlieren Vereine in den unteren Klassen garantiert jede Menge Spieler und müssen dann bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs schauen, ob sie überhaupt noch eine Mannschaft zusammenbekommen. Und auch im Jugendbereich werden sich viele Spieler umorientieren.“

Bezüglich auslaufender Spielerverträge Ende Juni hat der BFV die Spielordnung geändert, sodass Spieler innerhalb Bayerns zu diesem Zeitpunkt nicht den Verein wechseln können. Sollte die Saison im September fortgeführt werden, wären die Spieler zwar weiter an den Verein gebunden, arbeitsrechtlich steht das freilich auf einem ganzen anderen Blatt. Und Arbeitsrecht geht vor Verbandsrecht. „Die FIFA hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, die besagt, dass die Verlängerung der Saison ‚automatisch‘ zu einer Verlängerung der Spielerverträge führt. Diesen Automatismus gibt es rechtlich gesehen aber nicht“, sagt BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher und ergänzt: „Die Vereine müssen sich also auch arbeitsrechtlich mit Trainern oder Spielern einigen. Unsere Erfahrung zeigt: In den allermeisten Fällen ist diese Einigungsbereitschaft der Spieler und Trainer auch vorhanden.“

„Man kann schwer alle Vereine über einen Kamm scheren“

Wie schwierig die Situation an sich ist, macht Rosenheims Sportlicher Leiter Hans-Jörg Kroneck deutlich: „Man kann schwer alle Vereine über einen Kamm scheren. In den Bundesligen bis zur 3. Liga spielen Profis, in den Regionalligen bis zu den Landesligen haben wir viele Vertragsamateure, teilweise auch schon in der Bezirksliga, aber ab Kreisliga abwärts gibt es fast keine Vertragsamateure mehr.“ Für die Vereine mit Vertragsamateuren ergibt sich ein weiteres Problem, nämlich die Abgaben zur Berufsgenossenschaft. Der BG-Bescheid für 2019 ist den meisten Clubs in den letzten Wochen ins Haus geflattert. „Ohne Einnahmen aus dem Spielbetrieb können wir diese Abgaben nicht leisten und selbst die angebotene Stundung bis Dezember bringt herzlich wenig, weil viele Spiele fehlen – egal, wann es weitergeht“, weiß Hanslmaier, der zumindest auf einen Teilerlass hofft. Ein entsprechender Antrag an den zuständigen Bundesminister Hubertus Heil von BFV, Eishockey- und Handballliga, den auch DFB-Präsident Fritz Keller unterzeichnet hat, ist auf dem Weg.

Weiteres großes Problem der Regionalliga ist die Verzahnung über den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) hinaus mit dem DFB und der 3. Liga, in der sich zwar die bayerischen Vereine für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen haben, Clubs aus anderen Landesverbänden aber für einen Abbruch plädieren. Hauptproblem in der 3. Liga und in den Regionalligen ist ja die hohe Abhängigkeit von Sponsoren und Zuschauereinnahmen, sodass Geisterspiele keine gute Alternative darstellen. „Diese Ligen bilden die Basis, dort spielen die meisten Talente, die dann später in der Bundesliga zu sehen sind. Deswegen müssten die Fernsehgelder besser von oben nach unten verteilt werden“, fordert Hanslmaier, dem auch die gerade wieder ins Spiel gebrachte Zweiteilung der 3. Liga durchaus gefallen würde: „Dann würde die Pyramide wieder besser funktionieren und wir hätten den Flaschenhals weg, der den Aufstieg aus fünf Regionalligen in nur eine 3. Liga so eng macht.“ Vereine wie 1860 München und Unterhaching plädieren dagegen strikt gegen eine Zweiteilung, weil dann der Abstand in Sachen Leistungsniveau zu den Bundesligen noch größer würde.

„Für uns wäre ein Abbruch der Saison mit dem Aufstieg der jetzigen Tabellenführer und keinen Absteigern die fairste Lösung“, erklärt Kroneck und erläutert: „Arbeitsrechtlich hätten wir dann keine Probleme. Das würde Planungssicherheit schaffen.“ Kroneck, dessen Verein ja in Abstiegsnöten steckt, betont, dass die Rosenheimer Meinung unabhängig von der eigenen Tabellensituation zu sehen ist: „Wir haben uns im Winter sehr gut verstärkt und wären zuversichtlich, dass wir uns bei einer Fortführung aus eigener Kraft retten könnten. Aber es ist für uns auch klar, dass es keine Absteiger am grünen Tisch geben darf.“ Dass es auch bei dieser Variante Verlierer gäbe, ist allen Beteiligten klar, zumal Bayernliga abwärts die Mannschaften, die um den Aufstieg via Relegation kämpfen würden, in die Röhre schauen müssten.

Lob für das Krisenmanagement der Verbände

Einig sind heimischen Regionalligisten, dass der BFV in der Krise sehr gut arbeitet. Huber: „Der Verband macht es sehr transparent, es gibt wöchentliche Videokonferenzen, bei denen drängende Fragen beantwortet werden und auch der Rechtsbeistand ist gut. Da muss man dem Verband, wie mittlerweile auch dem BLSV, ein gutes Krisenmanagement bescheinigen.“

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