Über den Wolken – Rosenheimer Uli Straßer holt Titel im Gleitschirm-Streckenfliegen

Auf der Flucht vor dem schlechten Wetter: Uli Strßer an der Atlantikküste in Portugal allerdings nicht bei einem für die Meisterschaft relevanten Flug..
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Auf der Flucht vor dem schlechten Wetter: Uli Strßer an der Atlantikküste in Portugal allerdings nicht bei einem für die Meisterschaft relevanten Flug..

Drei Flüge über 230 Kilometer – der Rosenheimer Uli Straßer holte sich den Titel bei der deutschen Meisterschaft im Gleitschirm-Streckenfliegen. Der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur fliegt seit vielen Jahren vorne mit. Jetzt reichte es endlich für den Gesamtsieg

Aufgrund der ab dem Frühjahr nahezu alles in den Hintergrund stellenden Corona-Pandemie war es zunächst sehr fraglich, ob dieses Jahr überhaupt sportliche Wettbewerbe stattfinden können. Auch der Flugsport war von den Vorsichtsmaßnahmen betroffen und während des Lockdowns blieben in Deutschland neben den Verkehrsflugzeugen auch die Sportflieger am Boden.

Doch jetzt, als es wieder losging, wurde der Rosenheimer Uli Straßer Deutscher Meister im Gleitschirmstreckenfliegen.

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Flugbedingungen so gut wie seit Jahren nicht mehr

Ausgerechnet in dieser Zwangspause waren die Flugbedingungen für die auf Thermik angewiesenen antriebslosen Luftsportler so gut wie seit Jahren nicht mehr. Ein fast täglich mit feinsten Thermikwolken garnierter Himmel ließ im Frühling die an den Boden der Tatsachen „gefesselten“ Piloten nahezu verzweifeln. Als Mitte Juni die Lockerung der Ausgangs- und Reisebeschränkungen auch das Gleitschirmfliegen wieder möglich machte, war es herausfordernder denn je, in der verbleibenden verkürzten Thermiksaison die jahreszeitlich am besten geeigneten Startplätze für möglichst große Streckenflüge zu finden.

Für die deutsche Meisterschaft muss laut Reglement mindestens ein Wertungsflug in Deutschland gestartet werden. Da für weite Flüge aus dem deutschen Alpenraum wichtige Frühjahrsthermik jedoch dem Lockdown zum Opfer gefallen war, bot sich das Flachland als Alternative an.

Ein Flug ging quer durch Deutschland

Neben zwei weiten Dreiecksflügen über 267 und 237 Kilometern in Südtirol konnte konnte der Rosenheimer Uli Straßer, Sportvorstand bei den Bergdohlen Brannenburg, dann auch durch einen 233-Kilometer-Flug vom Altmühltal bei Eichstätt, der ihn quer durch Deutschland über den Rhein bis fast an die französische Grenze bei Karlsruhe führte, den Titel des deutschen Meisters im Streckenfliegen in der Gesamtwertung erringen.

Uli Straßer: „Diese Saison war sehr speziell“

Der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur fliegt seit vielen Jahren vorne mit und meint nach einigen Vizemeisterschaften in den letzten Jahren zu seinem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft: „Diese Saison war sehr speziell und letztlich entscheidet neben einer guten Taktik auch ein wenig das Glück, am richtigen Tag am richtigen Startplatz sein zu können. Fliegen muss man dann aber schon selbst und allzu viele Fehler sollte man in den bis zu 11 Stunden Thermikflugzeit auch nicht machen.“

Die deutsche Meisterschaft im Streckenfliegen mit dem Gleitschirm erstreckt sich über ein Jahr, wobei die drei besten Flüge eines jeden Teilnehmers gewertet werden. Nur eine konstante Leistung über die ganze Saison bringt hier einen Erfolg.

Flüge werden anhand von GPS-Aufzeichnungen dokumentiert

Die teils bis über 300 Kilometer weiten Flüge werden anhand von GPS-Aufzeichnungen dokumentiert. Ein GPS-Gerät ermittelt mithilfe von Satelliten den aktuellen Standort und speichert die gesamte Flugroute ab. Die geflogenen Strecken werden oft am selben Abend über das Internet zum Wettbewerb eingereicht. Alle Wertungen und Flugaufzeichnungen sind über die Homepage des Deutschen Hängegleiterverbandes öffentlich zugänglich. re

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