Die Turnschuhe quietschen nicht mehr: Das Ende der Basketball-Saison

Rosenheims Jguwon Hogges (links):„Diese Pandemie ist wichtiger als Basketball.“ Ziegler

Die Hallen sind leer. Keine quietschenden Turnschuhe mehr, keine „Defense“-Rufe der Fans und auch kein atemberaubender Dunking – den Basketballern ist vom Coronavirus quasi ein Korb verpasst worden. Die Saison ist beendet, Titelentscheidungen, Auf- und Abstieg sind offen.

Rosenheim/Bad Aibling/Wasserburg– Dabei wäre es gerade in die heiße Phase der Saison gegangen. Die Damen vom TSV Wasserburg standen vor dem letzten Spieltag der Hauptrunde auf Rang zwei und wären optimistisch in die Play-offs gegangen, Bad Aiblings Damen spielten in der Regionalliga als Tabellenzweiter ebenfalls noch um den Titel mit. Und für die Regionalliga-Herren vom TuS Bad Aibling und SB Rosenheim stand der Abstiegskampf im Mittelpunkt – das direkte Duell vor wohl voller Halle in der Kurstadt vor Augen. Nun ist alles Makulatur – außer, dass die Spielzeit vorzeitig beendet ist.

„Wie, und das war’s jetzt? Einfach so?“

„Ein bisschen haben wir ja geahnt, dass es Auswirkungen geben wird. Dass dann aber die komplette Saison abgebrochen wird, ist dann doch heftig“, sagt Wasserburgs Laura Hebecker – und offenbart die Gefühlswelt innerhalb der Mannschaft: „Wir waren irgendwie alle so: Wie, und das war’s jetzt? Einfach so?“

Die Wasserburgerinnen hatten auf die Play-offs gesetzt – zumal mit der lange verletzten Leonie Fiebich (nach Kreuzbandriss) gerade rechtzeitig noch eine große Verstärkung fürs Team hinzugekommen war. „Wir wollten mehr und waren der Meinung, dass wir auch etwas erreichen können. Das war der Teil, auf den man eigentlich die gesamte Saison hinarbeitet. Insofern ist es schon enttäuschend, dass die Saison vorbei ist“, so Hebecker.

Ein bisschen Enttäuschung klingt auch bei Bad Aiblings Trainerin Julijana Kancevic mit. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass die Saison jetzt auf einmal vorbei ist. Es bleibt ein bitteres Gefühl, weil wir mit einem Spiel weniger aktuell auf dem zweiten Platz stehen und ich der Meinung bin, dass sich die Mannschaft den ersten Platz verdient hat.“ Allerdings hat Kancevic auch großes Verständnis für die aktuelle Situation: „Deshalb muss man die Entscheidung der Liga auch respektieren.“ Das meint auch Hebecker, wenn sie sagt: „Die Gesundheit ist dann doch viel wichtiger als Play-offs.“

„Diese Pandemie ist wichtiger als Basketball“

Auch für den Amerikaner Jguwon Hogges, Spielmacher in Diensten der Rosenheimer Herren, stehen nun andere Dinge im Vordergrund: „Es ist immer hart, die Saison unerwartet frühzeitig zu beenden. Doch im Angesicht einer solchen Ausnahmesituation muss man seine eigenen Ziele hinten anstellen. Diese Pandemie ist wichtiger als Basketball.“ Hogges erzählt: „Wir sind von den Ereignissen auf dem falschen Fuß erwischt worden. Wir waren gerade mitten in der Vorbereitung für unser Derby gegen Aibling, als die Nachricht kam, dass die Saison vorbei sei. Ich denke, alle aus dem Team akzeptieren diese Entscheidung, es ist trotzdem viel zu verdauen.“ Er geht dennoch optimistisch voran: „Wir werden weiterhin versuchen alles Mögliche zu tun, um eine positive Einstellung in diesen schweren Zeiten zu bewahren.“

Hogges befindet sich aktuell auf der Heimreise in die Vereinigten Staaten und freut sich, „dass ich meine Familie wiedersehen kann“. Er ist zunächst von den Ereignissen überrascht worden: „Ich war nicht schnell genug, das Land zu verlassen, bevor Präsident Trump das 30-tägige Einreiseverbot aus Europa verhängt hat.“ Nun klappte es aber doch.

„Wir hoffen, dass viele Spielerinnen bleiben“

Es ist noch Vieles offen, wie es in Zukunft weitergeht. „Meine persönliche Planung steht noch nicht“, sagt Hebecker, plant aber „Konzentration auf die Uni und da mehr Zeit reininvestieren“. In Bad Aibling hat man noch nicht entschieden, wie es weitergeht: „Wir hoffen dass viele Spielerinnen nächstes Saison bei den Fireballs bleiben. Definitiv wollen wir uns auf unsere Jugend mehr konzentrieren, die Spielerinnen weiterbilden und denen die Chance geben, bei den Damen 1 zu spielen.“

Klarheit herrscht hingegen bei Hogges. Der sagt: „Ich habe vor, wieder zu kommen, und meine siebte Saison beim Sportbund zu spielen. Diese Saison lief nicht so, wie von uns geplant, deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf die Nächste zu freuen.“ Dann auch wieder ohne Angst vor Krankheit und mit einem geregelten Saisonende.

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