Trotz Corona-Pandemie zuversichtlich: „Ski-Wettkämpfe in abgespeckter Form“

Bernhard Kübler ist Vorsitzender des SV Chiemgau.
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Bernhard Kübler ist Vorsitzender des SV Chiemgau.

Vor einer ungewissen Wintersaison steht der Skiverband Chiemgau. Der Vorsitzende Bernhard Kübler versichert aber im Interview, dass es trotz der Corona-Pandemie Wettkämpfe für den Nachwuchs geben soll.

Traunstein– Damit im kommenden Skiwinter alles reibungslos ablaufen kann, haben die Verantwortlichen vom Skiverband Chiemgau bereits viel Zeit investiert. Der Vorsitzende Bernhard Kübler versichert im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen, dass es trotz der Corona-Pandemie Wettkämpfe für den Nachwuchs geben soll.Der Verband feiert 2021 auch sein 100-jähriges Bestehen, ob wirklich gefeiert werden kann, steht aktuell in den Sternen.

Herr Kübler, angesichts der Corona-Pandemie ist gerade vieles unsicher. Wie geht der Skiverband Chiemgau mit dieser Situation um?

Bernhard Kübler: Wir haben derzeit in sämtlichen Disziplinen unwahrscheinlich viel um die Ohren. Wir wollen natürlich schauen, dass auf Gauebene Wettkämpfe stattfinden können. Das muss unter den Hygienegesichtspunkten alles ordnungsgemäß ablaufen und das ist natürlich gerade viel, viel Arbeit.

Können Sie auch in diesem Corona-Winter Ihr Programm durchziehen?

Kübler:Wir wollen auf alle Fälle, dass die Kinder im Winter Spaß am Wettkampf haben. Das ist unser großes Ziel. Wir sind auch bereit, dass wir im Funktionärskreis dafür wesentlich mehr Arbeit in Kauf nehmen, damit die Kinder ihre Langlaufrennen, ihre Alpinrennen haben oder eben ihr Skispringen machen können. Klar ist aber auch: Es wird anders stattfinden müssen wie die vergangenen Jahre, aber es wird auf alle Fälle etwas stattfinden.

Es wird also etwa die beliebte Bioteaque-Langlaufserie im Rahmen des Sparkassen-Cups geben?

Kübler: Wir versuchen das, ja. Allerdings wird es Änderungen geben. Das heißt, wir bereiten uns darauf vor, dass wir in abgespeckter Form die Wettkämpfe machen müssen. Wir können derzeit auch noch nicht sagen, ob wir eine Gesamtwertung machen können. Das ist in der Situation aber wohl eher nicht machbar. Was sicher auch nicht machbar ist, dass wir die Wettkämpfe mit vielen Zuschauern durchführen können. Es werden nur wenige Leute dabei sein dürfen.

Was heißt das konkret?

Kübler: Wir kalkulieren mit 50 bis 100 Personen pro Wettkampf. Da ist dann wirklich jeder dabei – vom Zeitnehmer bis zum Starter. Es wird wohl auch Gruppen geben. Wenn die eine Wettkampf-Gruppe fertig ist, muss die sofort raus aus dem Stadion. Dann kommt die nächste Gruppe dran. Es wird auch eine strikte Trennung geben zwischen unseren Wettkämpfen und dem touristischen Langlaufangebot oder dem touristischen Alpinangebot. Das ist schon ein riesengroßer Aufwand für uns!

Sie haben über den Sommer also ein Hygienekonzept ausgearbeitet?

Kübler: Wir als Skiverband Chiemgau noch nicht, nein. In Berchtesgaden gab es im Juli aber einen Deutschland-Pokal im Skispringen. Das hat auch alles hervorragend funktioniert. Das Konzept ist jetzt auch als Beispiel für viele Skispringen in Deutschland genommen worden. Zudem waren unsere Sportler ja beim Bayerischen Schülercup oder beim Deutschen Schülercup am Start gewesen und waren deswegen in Sachsen, in Thüringen oder in Nordbayern unterwegs. Da haben wir gesehen, was gemacht werden muss, wie so etwas ablaufen kann. Wir haben uns Anregungen geholt und uns dann entsprechend aufgestellt. Wir haben in der Vorstandschaft jetzt auch einen Corona-Beauftragten, der uns in diesem Bereich auf dem Laufenden hält.

Über den Sommer konnte das Training weitgehend normal stattfinden. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Kübler: Die Kinder haben im Sommer wirklich toll trainiert. Unser Nachwuchs war im Bereich Langlauf oder Biathlon bei den Sommerwettkämpfen im Deutschen Schülercup vorn dabei. Der Nachwuchs ist super drauf.

Aber die Kinder und Jugendlichen werden jetzt wieder ausgebremst. Wie kommt der Nachwuchs damit zurecht?

Kübler: Den Kindern wird gerade wirklich sehr viel abverlangt. Sie müssen auch viele Opfer bringen, weil so viele Sachen ja nicht stattfinden können. Wettkämpfe werden abgesagt, Lehrgänge fallen aus. Aber man hat den Eindruck, sie sehen das alles ein wenig lockerer als wir Erwachsenen.

Wie sind die Rückmeldungen diesbezüglich aus den Vereinen?

Kübler: Von unserem letzten Online-Meeting im Bereich Langlauf weiß ich, dass da trotzdem eine absolut tolle Stimmung herrscht. Man hat das Gefühl, dass die aktuelle Situation alle noch mehr zusammenschweißt. Der Tenor ist: Wir bringen das hin, wir helfen zusammen, wir machen das miteinander. Die Stimmung ist positiv!

Wann haben Sie die ersten Wettkämpfe geplant?

Kübler: Im Bereich Skisprung wäre es schon im November losgegangen. Aber das ist jetzt eben nicht möglich. Es wird dann hoffentlich um den Jahreswechsel weitergehen. Die Pläne stehen soweit bereits fest, aber es stehen noch die letzten abschließenden Gespräche an, vorher möchte ich kein konkretes Datum nennen.

Wie schwer trifft die Corona-Pandemie die Vereine des Skiverbands Chiemgau?

Kübler: Für unsere Mitgliedsvereine ist die Situation sehr, sehr schwer. Ein Verein veranstaltet ja beispielsweise ein Langlaufrennen nicht nur zur Unterhaltung für die Leute, er will sich damit ja auch finanzieren. Es werden beispielsweise Kaffee, Kuchen und Brotzeit verkauft – und von den Einnahmen leben die Vereine. Das ist in diesem Winter gestrichen. Wir gehen aktuell davon aus, dass das nirgends möglich sein wird. Wir werden deshalb noch mehr zusammen helfen und schauen, dass wir das alles gut hinbekommen.

Und wie stellt sich die Situation für den Skiverband dar?

Kübler: Wir haben noch keine finanziellen Probleme. Unsere Sponsoren stehen zu uns. Sie alle wollen die Jugendarbeit weiter unterstützen. Das ist sehr erfreulich.

Die ersten Verbände befürchten einen größeren Mitgliederschwund. Wie sehr trifft die Corona-Pandemie den Sport?

Kübler: Es wird hart werden. Gott sei Dank laufen bei uns die Leute nicht reihenweise davon. Das ist vielleicht ein Vorteil des Freiluftsports. Das ist schon was anderes wie in der Halle – also wie wenn man jetzt Handball oder Basketball spielt. Wobei ich eines glaube: Es wird einen Boom im Bereich des Skitouren-Sports geben. Interview: bst

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