Dem Trainer die Kündigung überreicht

Die vier Rosenheimer Eishockey-Torhüter der 70er-Jahre (von links): Siegi Harrer, Peter Fuchs, Karl Huber und Georg Pauliner.
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Die vier Rosenheimer Eishockey-Torhüter der 70er-Jahre (von links): Siegi Harrer, Peter Fuchs, Karl Huber und Georg Pauliner.

Robert Müller, Patrick Ehelechner, Marc Seliger, Oliver Häusler, Claus Dalpiaz, Patrick Lange, Philipp Grubauer und zuletzt Timo Herden - Rosenheim war schon immer ein gutes Pflaster für hervorragende Eishockey-Torhüter. Diese Tradition begann schon in den 60er-Jahren und setzte sich über Jahrzehnte fort.

Vier ehemalige Keeper aus Zeiten des ersten Rosenheimer Eishockeyvereins EV Rosenheim trafen sich vor Kurzem in der Vinothek Hacker in Happing.

Peter Fuchs, Georg Pauliner, Karl "Charly" Huber und Siegi Harrer erinnerten sich bei dem von Rainer Hacker organisierten Treffen an frühere Zeiten, als die Keeper teilweise noch ohne Masken spielten und das Rosenheimer Eisstadion noch offen war.

Bis auf Siegi Harrer, der aktuell Torwarttrainer bei den Starbulls ist, geht keiner mehr regelmäßig ins Eishockey. Natürlich verfolgten Fuchs, Pauliner und Huber trotzdem den Werdegang des Rosenheimer Eishockeys. "Das letzte Mal, als wir alle zusammen gewesen sind, war das Abschiedsspiel von Karl Friesen Ende der 90er-Jahre", sagt Peter Fuchs, der zu EVR-Zeiten jahrelang die Nummer eins war. Jetzt trafen sich die vier Torhüter, die zwischen 1972 und 1979 (in diesem Jahr hieß der Verein erstmals Sportbund Rosenheim) teilweise gemeinsam im Kader standen, beim Starbulls-Spiel gegen Bad Nauheim wieder, als die alten EVR-Legenden vorgestellt wurden. "Eine tolle Sache. Es war schön, die ehemaligen Mitspieler wieder einmal zu treffen", so Karl Huber. "Beim Grufti-Treffen", erklärte Pauliner mit einem Augenzwinkern. Die Trikots, die alle Spieler in den Farben der Mannschaft aus dem Jahr 75/76 erhielten, waren in den Farben gelb, rot und schwarz gehalten. Peter Fuchs erinnert sich: "Das waren die Farben unseres damaligen Sponsors Frucade. Früher, als das Stadion noch offen gewesen ist, hatte ich ein selbstgestricktes Trikot an. Wenn das nass geworden ist, bin ich fast nicht mehr auf die Beine gekommen, so schwer war das." Das Rosenheimer Eisstadion wurde 1973 überdacht und am 1. Dezember offiziell mit einem 8:1-Sieg gegen Duisburg eingeweiht. Die Torhüter hießen Peter Fuchs und Georg Pauliner, die Verteidiger waren Edu Derkits, Bernd Geratschläger, Ingo Heidrich, Lothar Mehlhart. Im Sturm spielten Korbinian Eigmann, Gerhard Graf, Hermann Hinterstocker, Gerhard Hofstetter, Manfred Kastner, Josef Kink, Bill Margetts, Volkmar Müller, Claus Pichler, Peter Rohatsch und Cal Russell.

Viel Geld haben die meisten Spieler damals nicht mit dem Eishockey verdient, "sondern mit unseren normale Berufen", erklärte Siegi Harrer, und Peter Fuchs fügte schmunzelnd an: "Außer Karl Huber. Der hat uns damals immer frei gehalten", worauf Huber antwortete: "Das Geld geht mir heute ab." Karl Huber erlebte auch den Anfang der erfolgreichsten Rosenheimer Eishockey-Zeit mit und wurde als Nummer zwei hinter Karl Friesen 1982 und 1985 deutscher Meister. Danach hängte er noch eine Saison als Backup-Goalie hinter Jiri Kralik dran, ehe er seine Karriere beendete.

Georg Pauliner hat durch das Eishockey einen Job bei der Rosenheimer Firma Kettner bekommen und "für die Nachfolge-Firma Krones arbeite ich heute noch", sagt Pauliner. "Wir sind damals um 7 Uhr in die Arbeit, Mittag ins Training, Nachmittag wieder in die Arbeit und Abend wieder ins Training. Dazu am Wochenende zwei Spiele, da würden heute einige zusammenbrechen", glaubt Peter Fuchs, der seine Torhüterkarriere als 16-Jähriger beim EVR begann und Rosenheim immer treu blieb.

Zwischen 1975 und 1978 standen drei der vier Keeper gemeinsam im Kader, Probleme, wer spielt, hat es aber nie gegeben: "Meistens war einer verletzt oder formschwach, und bei den beiden anderen hat der Trainer entschieden - manchmal erst nach dem Aufwärmen."

So hatte sich Georg Pauliner in seinem ersten Heimspiel für Rosenheim einen Muskelbündelriss in der Leistengegend zugezogen. "Für einen Torhüter eine ganz schwierige Verletzung. Der Grund war schlechte Ernährung und Kalziummangel. Das würde heute nicht mehr passieren", erklärte Pauliner, worauf Peter Fuchs einwarf: "Das ist mir damals schon nicht passiert. Ich habe mein Bier getrunken und meinen Schweinsbraten gegessen - ich hatte keine Mangelerscheinungen."

Stürmer haben auf den Kopf gezielt

"Das Torhüterspiel hat sich gravierender als alles andere geändert. Das sind gegenüber früher zwei verschiedene Sportarten", sagt Harrer. Allein die Ausrüstung ist nicht mehr mit früher zu vergleichen: "Heute würde sich kein Schülertorhüter mit der Ausrüstung die wir damals gehabt haben, ins Tor stellen. Natürlich wird heute mit den neuen Schlägern noch härter als früher geschossen, aber es war schon fahrlässig, mit welcher Ausrüstung wir den Stürmern gegenübergestanden sind. Anfangs noch ohne Masken, dann mit Gipsmasken, die beim ersten Treffer gebrochen sind. Es gab Stürmer, die nur auf den Kopf gezielt haben", erinnert sich Peter Fuchs, mit heute 68 Jahren der älteste der vier ehemaligen Keeper. "Der Spieler mit dem perfektesten Schuss in den 70er-Jahren hat allerdings bei uns gespielt. Das war Cal Russell", so Fuchs weiter. Die erste Maske hat Peter Fuchs 1969 bekommen, vorher spielte er ohne Helm und ohne Maske. "In Murnau wurde mir ein Gipsabdruck von meinem Gesicht genommen. Damit ich überhaupt Luft bekam, steckte man mir einen Strohhalm in den Mund."

Was fällt den vier ehemaligen Torhütern noch ein, wenn sie sich an die gemeinsamen Zeiten erinnern? Siegi Harrer kommt da sofort ein ehemaliger Trainer in den Sinn, "der zwar ein Super-Fußballer war, aber als Eishockey-Coach nicht geeignet war. Mir fällt nur der Name nicht ein." Peter Fuchs half aus: "Das war Jorma Thusberg und wegen dem hab ich kurz vor Weihnachten meine Kündigung erhalten, weil ich zu ihm gesagt habe, dass er unfähig ist uns zu trainieren. Er musste dann auch gehen und dann übernahm uns Bundestrainer Xaver Unsinn für den Rest der Saison." Für Fuchs war allerdings auch Schluss "und ich musste bei der Firma Fröschl einen Fernseher wieder abbestellen, weil mir nach der Kündigung das Geld fehlte."

Charly Huber (62 Jahre) fällt spontan der tschechische National-Verteidiger Oldrich Machac (von 1978 bis 1982 beim SBR) ein: "Das war kein Absahner, das war ein Vorbild und ein super Typ." Georg Pauliner (63 Jahre) erinnert sich spontan an eine außergewöhnliche Begebenheit: "Ich durfte als Spieler nach der Saison 75/76 im Auftrag der Vorstandschaft dem damaligen Trainer Gerhard Kießling das Kündigungsschreiben überreichen. Das war eine Genugtuung für mich, weil ich mit Kießling nicht sonderlich gut auskam."

9000 Fans im Eisstadion

Was allen Torhütern noch in Erinnerung blieb, ist das Spiel zwischen Rosenheim und Augsburg in der Saison 1976/77. Vor dem letzten Saisonspiel stand Augsburg einen Punkt vor Rosenheim auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der EVR musste siegen, um den Klassenerhalt zu schaffen. "So viele Zuschauer waren nie mehr im Rosenheimer Eisstadion. Das waren mindestens 9000 Fans und wir haben 3:2 gewonnen", erinnert sich Karl Huber, der damals im Tor stand. Huber weiter: "Da hat Ernst Höfner ein klares Tor gegen mich erzielt, das der Schiedsrichter nicht gab, weil die Scheibe wieder rausgesprungen ist. Das war letztendlich der Klassenerhalt für uns."

"Dass aus Rosenheim so viele gute Torhüter kommen, ist sicher auch Siegi Harrers Verdienst", sagt Karl Huber, der Torhütertraining, wie es heute praktiziert wird, nicht kannte. "Wichtig ist, dass die jungen Nachwuchskeeper jemand haben, der sich um sie kümmert, weil sie sonst über kurz oder lang abspringen. Auch die größten Talente", sagt Harrer. Und darauf, dass die "Torhüter-Quelle Rosenheim" auch in Zukunft sprudelt, stießen Fuchs, Pauliner, Huber und Harrer an und versprachen sich, dass es nicht das letzte Treffen in der Vinothek Hacker gewesen sein soll.

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