Im Gespräch

Titelmission der Tischtennis-Damen startet: Michael Fuchs über Titelchancen, Lang und Zhang

Kolbermoors Abteilungsleiter Michael Fuchs will mit seinem Team heuer wieder einen Titel holen.
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Kolbermoors Abteilungsleiter Michael Fuchs will mit seinem Team heuer wieder einen Titel holen.

Die Corona-Pandemie hatte und hat bislang den deutschen Sport fest im Griff. In den vergangenen Wochen hatte nur der Profisport die Gelegenheit, aktiv zu sein. Unter anderem waren es die Bundesliga-Tischtennisdamen des SV-DJK Kolbermoor, die ohne Zuschauer spielen durften.

Von Gerhard Erlich

Kolbermoor– Die Corona-Pandemie hatte und hat bislang den deutschen Sport fest im Griff. In den vergangenen Wochen hatte nur der Profisport die Gelegenheit, aktiv zu sein. Unter anderem waren es die Bundesliga-Tischtennisdamen des SV-DJK Kolbermoor, die zum Schläger greifen durften, aber ohne Zuschauer spielen mussten. Im Interview blickt Kolbermoors Abteilungsleiter Michael Fuchs auf die Vorrunde zurück, erklärt die Ziele für die Rückrunde und erläutert, warum Lily Zhang nicht mehr für den Bundesligisten spielen wird.

Haben Sie es als Privileg empfunden, dass Sie trotz Corona mit Ihrer Damenmannschaft weiterspielen durften?

Michael Fuchs: Absolut! Jedes Spiel, das durchgeführt werden konnte – natürlich unter Einhaltung der entsprechenden Hygienemaßnahmen – , war ein Gewinn und brachte ein Stückchen Normalität mit sich.

Fuchs ist mit der Vorrundenausbeute zufrieden

Welchen Eindruck hinterließen bei Ihnen die Spiele ohne Zuschauer?

Fuchs: Vor allem zu Hause ist es komisch, ohne Zuschauer spielen zu müssen. Andererseits gewöhnt man sich irgendwie auch daran und konzentriert sich noch mehr einfach nur auf das Sportliche.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz für die Vorrunde aus?

Fuchs: Insgesamt können wir zufrieden sein. Das verlorene Spiel gegen Weil war natürlich bitter, aber durch den Ausfall von Kristin Lang auch nicht komplett überraschend. Ansonsten lief es eigentlich sehr gut, das Duell gegen Berlin steht allerdings noch aus.

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Drei Heimspiele brachten insgesamt drei Punkte ein. War mehr möglich?

Fuchs: Bedingt durch den schon erwähnten Ausfall von Kristin Lang können wir insgesamt mit den drei Punkten zufrieden sein. Gegen Weil und Schwabhausen war natürlich mehr drin, aber dafür haben wir gegen Langstadt gewonnen, das in einer sehr starken Aufstellung nach Kolbermoor gekommen sind. Insgesamt hat sich das ausgeglichen.

Kolbermoors Talente Tiefenbrunner und Bondareva mit guter Leistung

Aufgrund der Pandemie standen Fu Yu und Lily Zhang nicht zur Verfügung, verletzungsbedingt fehlte Kristin Lang für zwei Spiele. Wie haben Ihnen die Vorstellungen der Ersatzmannschaft gefallen?

Fuchs: Dass Fu Yu und Lily Zhang nicht spielen werden beziehungsweise können, war keine große Überraschung. Wir haben deshalb grundsätzlich mit den anderen fünf Spielerinnen für die Vorrunde geplant. Der Ausfall von Kristin war kurzfristig, wodurch dann sowohl Anastasia Bondareva als auch Laura Tiefenbrunner gleichzeitig zum Einsatz kamen, ihre Sache aber gut gemacht haben. Teilweise wurden zwar Vorsprünge liegen gelassen und Spiele nach hoher Führung noch verloren. Das gehört allerdings in diesem Alter auch einfach zum Lernprozess dazu.

Befürchten Sie personelle Probleme, wenn nun die zweite Mannschaft wieder eingreift?

Fuchs: Nein. Wir haben genug Spielerinnen.

Svetlana Ganina und Anastasia Bondareva haben schon Erstligaerfahrung, Laura Tiefenbrunner hat Premiere gefeiert. Welchen Eindruck hat sie bislang hinterlassen?

Fuchs: Laura hat auch davor schon Erstligaerfahrung in Schwabhausen gesammelt und zwei Jahre zuvor schon einen Einsatz bei uns gehabt, das heißt, es war jetzt auch für sie kein Neuland mehr. Sie hat insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen und auch wichtige Punkte geholt. Wir hoffen, dass sie sich entsprechend weiter entwickelt.

„Kristin Lang ist die professionellste Spielerin, die ich kenne“

Kristin Lang ist zweitbeste Spielerin der Vorrunde hinter Sabine Winter. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Fuchs: Kristin ist die professionellste Spielerin, die ich kenne – sehr diszipliniert und sehr gut organisiert. Sie bereitet sich generell gut vor und hat über die Jahre auch gelernt, wie beziehungsweise was sie trainieren muss, um ihr Level zu halten und sich in manchen Punkten sogar noch weiterzuentwickeln. Durch Familie und ihre Arbeit als Physiotherapeutin hat sie ihre Trainingseinheiten zwar reduziert. Diese reduzierte Zeit im Training wird allerdings qualitativ hochwertig genutzt.

Hat es Sie überrascht, dass der TSV Langstadt derzeit an der Spitze der Tabelle steht?

Fuchs: Für mich ist Langstadt in Bestbesetzung einer der Titelkandidaten, weshalb es mich nicht überrascht. Dass Berlin nicht oben steht, hängt sicher auch mit der Personalpolitik zusammen. Berlin will zum Ende oben stehen und wird spätestens in den Play-offs auch wieder einen drauflegen. Hierfür wurden ja sicherheitshalber zur Rückrunde mehrere Spielerinnen verpflichtet, ermöglicht durch den neuen zweiten Wechseltermin.

Rechnen Sie in der Rückrunde noch mit Einsätzen von Fu Yu beziehungsweise mit Lily Zhang?

Fuchs: Lily Zhang wird definitiv nicht mehr spielen. Durch ihren Einsatz in der chinesischen Super League in den letzten Tagen ist sie für uns nicht mehr spielberechtigt. Bei Fu Yu sieht es dagegen gut aus. Sie soll auf jeden Fall zum Einsatz kommen, sofern es die Reisebestimmungen zulassen.

Kolbermoor ist finanziell gut durch die Krise gekommen

So mancher Verein ist in finanzielle Schieflage geraten. Wie sieht es in Kolbermoor aus?

Fuchs: Hier möchte ich mich zuerst bei allen unseren Partnern, besonders bei unserem Hauptsponsor Rofa bedanken. Wir sind in der glücklichen Lage, dass uns alle Sponsoren bisher die Treue halten und uns auch in dieser außergewöhnlichen Zeit weiterhin unterstützen, weshalb wir positiv in die Zukunft sehen.

Wie sieht der Fahrplan für die Rückrunde aus?

Fuchs: Ein wichtiger Termin wird das Final Four im Pokal am 10. Januar in Berlin sein, wo wir den nächsten Versuch starten, wieder einen Titel nach Kolbermoor zu holen. Die Auslosung hat ein bayerisches Halbfinale gegen Schwabhausen ergeben. Die Rückrunde wollen wir auf einen der ersten zwei Plätze beenden, damit wir direkt einen Platz im Halbfinale haben. Insgesamt ist die Liga sehr ausgeglichen und eine Vorhersage ist aktuell schwer. Wir wollen auf jeden Fall auch weiterhin unseren jungen Spielerinnen Einsätze ermöglichen, weshalb es sicher keine einfache Aufgabe sein wird, den zweiten Tabellenplatz zu halten. Richtung Play-offs wollen wir dann aber vermehrt mit unserer besten Aufstellung an den Start gehen.

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