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HERVORRAGENDER NACHWUCHS

Tischtennis-Talentschmieden aus dem Landkreis: 25 Jahre Toparbeit an der Basis

Chantal Mantz feierte die größten Erfolge im Trikot des SV DJK Kolbermoor.
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Chantal Mantz feierte die größten Erfolge im Trikot des SV DJK Kolbermoor.

Der Tischtennis-Landeskreis Rosenheim ist für seine hervorragende Nachwuchsarbeit weit über die Grenzen hinaus bekannt. In den letzten 25 Jahren haben einige Spielerinnen und Spieler aus den einheimischen Talentschmieden den Sprung über die nationale Ebene hinaus geschafft.

Rosenheim – Sie haben ganz klein angefangen und stehen heute zumeist ganz oben. Das können viele Tischtennisspieler und -spielerinnen von sich behaupten, die irgendwann einmal in den letzten 25 Jahren mit dem kleinen weißen Ball und einem Schläger in Berührung im ehemaligen Kreis Rosenheim kamen.

Dass sie heute teilweise auf einem Level spielen, dass über die nationale Ebene hinausgeht, verdanken sie Leuten, die sich sehr im Tischtennissport und insbesondere in der Nachwuchsarbeit engagieren. Einer dieser Trainer war Mitte der 1990er Jahre Richard Remmelberger.

Talentschmiede aus Bad Aibling

Der Bad Aiblinger formte eine Mannschaft, die es in die höchste bayerische Jugendklasse, nämlich in die Bayernliga, schaffte. Fünf Spielzeiten war man vertreten und holte sich in den Saisonen 1996/1997 sowie im Abschiedsjahr 1999/2000 jeweils den Titel. Dass mit diesem Team, zu dem unter anderem Andrea Loher wie auch Christina Feierabend gehörten, zahlreiche Titel auf höhere Ebene geholt wurden, verstand sich damals fast von selbst.

Feierabend, die Lehrerin in München, die heute für den TSV Schwabhausen in der Bundesliga spielt, spricht von ihrem Mentor in großen Tönen. „Er war neben den Verbandstrainern des Bayerischen Tischtennis-Verbandes ganz entscheidend mit seinem enormen Engagement für den Erfolg verantwortlich“, erzählte sie, die unter anderem mehrere Titel im Einzel und Doppel auf Bayerischer und Süddeutscher Ebene sowie eine deutsche Meisterschaft im Mädchen-Doppel gewann.

Prutting und Riedering in der höchsten bayerischen Spielklasse

Wie stark die heimischen Mannschaften aber in den Folgejahren waren und bis heute sind, zeigt unter anderem der SV Riedering. „Wir waren sehr viel unterwegs und haben auch einiges zustande gebracht“, weiß der ehemalige Abteilungsleiter Elmer Zilken zu berichten. Die Mädchen, die im Jahre 2000, quasi als Nachfolger für den TuS Bad Aibling, zum ersten Mal in die Bayernliga aufstiegen, mussten zwar nach zwei Jahren wieder absteigen, schafften aber 2006 und später 2014 sowie 2016 erneut den Aufstieg in die Bayernliga.

Warum man aber in Riedering so viel unterwegs war, lässt sich ebenfalls leicht erklären. Lena Stuhlreiter und ihre Kolleginnen, zu denen unter anderem Christina Wittmann oder auch Katharina Furtner zählten, waren aufgrund ihrer Erfolge auf vielen Turnieren der höheren Ebene vertreten. Das Salz in der Suppe waren aber die vielen Lokalderbys gegen den SV Prutting, die man in dieser Zeit ausfochte. Riederings Nachbarverein hielt sich dabei in Bayerns höchster Spielklasse von der Saison 2002/2003 bis 2009/2010.

„Manchmal waren wir acht Sonntage hintereinander unterwegs“

Erwin Weiser denkt noch gerne an diese Zeit zurück, denn die Mädchen waren höchst erfolgreich. „Manchmal waren wir acht Sonntage hintereinander unterwegs“, so Weiser. Seine Mädchen – und anderem die Geschwister Sandra und Julia Sonnenhauser sowie die Geschwister Dangl – holten abwechselnd Titel bei den diversen Meisterschaften. Als Mannschaft, die in der Saison 2005/2006 sogar die Meisterschaft gewann, war man eine eingeschworene Truppe. Sie stand im Juni 2006 in Kitzingen sogar im Finale des Bayernpokals. Ab der Saison 2005/2006 hatte der ehemalige Tischtennis-Kreis Rosenheim – so wurde er bis zur Gebietsreform im Jahr 2018 benannt – dann seine stärkste Zeit.

Teilweise waren bei den Mädchen mit dem SV Prutting, SV Riedering, SV DJK Kolbermoor und dem TV Feldkirchen abwechselnd bis drei heimische Mannschaften in der Bayernliga vertreten. Auch wenn sich die Mädchen des SV Prutting 2006 altersbedingt aus der Bayernliga verabschieden mussten, hatten sie im TV Feldkirchen, der in dieser Spielzeit aufstieg, bereits in der nächsten Saison einen würdigen Nachfolger als Meister.

Finale um die Bayerische Jugend-Meisterschaft

Benno Neumeier, der die Feldkirchens Mädchen bis heute – auch wenn er jetzt ein wenig kürzer tritt – betreut, durfte sich über viele Erfolge der Mannschaft und seiner Einzelspielerinnen freuen. Aus der Mannschaft, die im Jahr 2005 erstmals mit Steffi Strasser, Marina Walther, Christine Kremser und Steffi Schweiger in Erscheinung trat, hat sich Walther die größten Lorbeeren verdient. Zu ihren größten Erfolgen zählt sicherlich das Finale um die Bayerische Jugend-Meisterschaft, das sie vor einigen Jahren gegen die Ex-Kolbermoorerin Sabine Winter bestritt.

„Seitdem damals der TSV Zorneding seine Mannschaft aus der Bayernliga zurückgezogen hatte und wir nachträglich aufgestiegen sind, sind wir in dieser Liga vertreten. Das ist eigentlich sehr gut“, erklärte Neumeier in einem kurzen Fazit. So ähnlich erging es auch dem ehemaligen Trainer Zsolt Hollo, der 1999 nach Kolbermoor kam, sehr erfolgreiche Jugendarbeit leistete und auch heute noch in höchsten Tönen vom nunmehrigen stellvertretenden Abteilungsleiter Günther Lodes spricht.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Er kann allerdings auch ein Lied davon singen, wie hart und beschwerlich der Weg von ganz unten nach ganz oben ist. „Günter Lodes habe ich vieles zu verdanken. Er hat mir in meiner Zeit viel ermöglicht. Was den sportlichen Teil betrifft, waren wir damals froh, wenn wir bei einer Kreismeisterschaft etwas gewonnen haben“, sagte er zuletzt. Hollo war dann aber maßgeblich daran beteiligt, dass sein Verein, der bereits in der Spielzeit 1996/1997 schon einmal in Bayerns höchster Spielklasse vertreten war, aber nach dem Aufstieg gleich wieder abstieg, ab der Saison 2007/2008 bis zur vergangenen Spielzeit durchgehend vertreten war.

Über mehrere Jahre waren sogar zwei Bubenmannschaften sowie eine Mädchenmannschaft am Spielbetrieb beteiligt. Die Titel, die bis hin zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft bei den Mädchen und zur Vizemeisterschaft bei den Buben führten, die er in dieser Zeit holte, füllen heute ganze Bücher. Sein besonderes Gefühl für den Nachwuchs machte sich auch dadurch bemerkbar, dass er eine Vielzahl von Buben und Mädchen an das internationale Niveau heranführte und ihnen auch hier zu vielen Erfolgen verhalf. Zu ihnen zählte auf alle Fälle Chantal Mantz.

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Chantal Mantz – Die Hoffnungsträgerin

Sie spielte sich in der Saison 2006/2007 langsam in das Rampenlicht und fing ihre Karriere mit einem dritten Platz bei den bayerischen Meisterschaften der Schülerinnen B sowie einem dritten Platz beim Future Cup an. In der gleichen Saison gelangen ihr noch Titelgewinne beim süddeutschen Ranglistenturnier, beim Verbandsranglistenturnier und auch beim Bayernschild.

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Der Weg, den sie einschlug, führte in den Folgejahren ganz stark nach oben. Bereits eine Saison später wurde sie auch Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft. Das heimische Aushängeschild gewann in den Folgejahren Titel über Titel. Von 2010 an wurde sie dreimal hintereinander als Nachwuchssportlerin des Jahres geehrt. Erfreulicherweise kam aus dem Hause Mantz auch noch ihre Schwester Sarah, die fast ebenso erfolgreich agierte. Beide spielten zeitweise sogar gleichzeitig in der Bundesligamannschaft und waren als Doppel gefürchtete Gegner. Aber auch bei den Buben sorgte Zsolt Hollo für erfolgreichen Nachwuchs.

Deutscher Schülermeister und Präsenz auf internationaler Bühne

Unter anderem war es sein Sohn Mike, der ebenfalls ein besonders erfolgreiches Händchen hatte und ganz erfolgreich auf nationaler – im Jahr 2018 wurde er deutscher Schülermeister – und internationaler Bühne – in der Altersklasse U 15 stieß er in der Weltrangliste sogar bis auf Platz drei vor – agierte. Heute spielt der 18-jährige in der Bundesliga beim 1. FC Saarbrücken TT. Auch wenn Chantal Mantz und Mike Hollo sowie Zsolt Hollo – er verließ 2017 den Verein – nicht mehr am Werk sind, so gilt Kolbermoor nach wie vor als Talentschmiede. Zu ihnen zählt auf alle Fälle Luis Kraus, der sich in der Saison 2014/2015 auf Kreis- und Bezirksebene ins Rampenlicht gespielt hat und in der gleichen Spielzeit bereits das Landesbereichs-Ranglistenturnier in der C-Klasse der Schüler gewann.

Christina Feierabend kam beim TuS Bad Aibling groß heraus und landete viele Erfolge.Gerhard Ehrlcih

Auch sein Weg führte den 14-jährigen Schüler – er wurde unter anderem in der Saison 2016/2017 für die Jugend-Europameisterschaft nominiert – inzwischen in den DTTB-Bundeskader. Dass in Sachen Nachwuchsarbeit auch Laura Tiefenbrunner und die inzwischen sehr starke Naomi Pranjkovic nicht fehlen dürfen, versteht sich fast von selbst. Es gibt aber auch Nachwuchsakteure, die beim SV DJK Kolbermoor ihre Karriere ebenfalls begannen und dann den Weg über einen anderen Verein wie beispielsweise über den SB DJK Rosenheim beschritten. Bestes Beispiel dafür ist Felix Wetzel.

Elias Lakowski vom TTV Rosenheim zählt zu den großen Nachwuchshoffnungen.

Felix Wetzel bei Bundesligisten unter Vertrag

Der 17-jährige, der heute für den Österreichischen Tischtennis-Verband (ÖTTV) spielt und beim Bundesligisten TTC Wiener Neustadt an der Platte steht, darf hierzulande auf viele nationale Titel zurückblicken. In der Saison 2016/2017 war er dabei besonders erfolgreich und landete unter anderem beim Top-12-Bundesranglistenturnier auf dem zweiten Platz beziehungsweise holte bei den Deutschen Meisterschaften Gold im Doppel. Dass man so erfolgreich agiert, spricht in erster Linie für die Nachwuchstrainer. Bis zur Gebietsreform erzielte der Kreis Rosenheim bis auf eine Ausnahme jedes Jahr die meisten Punkte in der Bezirkswertung vor den ehemaligen Kreisen Mühldorf, Altötting und Traunstein-Berchtesgaden, die sich in abwechselnder Reihenfolge anstellten.

In der Saison 2009/2010 erzielte man mit knapp 4000 Punkten das beste Ergebnis. Chantal und Sarah Mantz erreichten zu zweit fast so viele Punkte wie die ehemaligen Kreise Alötting und Traunstein-Berchtesgaden zusammen. Warum aber ist der ehemalige Kreis so erfolgreich? Dafür sprechen einerseits die Leistungen der Nachwuchstrainer und das Interesse des Nachwuchses selber. Auch wenn die Teilnehmerzahlen heutzutage ein wenig zurückgehen, so sind bei den diversen Turnieren große Teilnehmerfelder am Start. Spitzenreiter war 2004 der SV DJK Heufeld, der 160 Nachwuchsakteure zu den Kreismeisterschaften begrüßen konnte. Ein weiteres Geheimnis sind die sogenannten Minimeisterschaften, die den Anfang für viele jugendliche Tischtennisspieler und –spielerinnen bilden. Angefangen von den Orts- über die Kreis- und Bezirksentscheide bis hin zu den Verbandsentscheiden zeigen die heimischen Vereine großes Interesse an der Nachwuchsarbeit.

Der Kolbermoorer Luis Kraus ist auf bestem Weg in die Fußstapfen seiner Vorfahren zu treten.

Tischtennis in Rosenheim kann sich zeigen

In den vergangenen 13 Jahren – 2018 zählte man sogar 80 Teilnehmer – haben alleine auf Kreisebene etwa 950 Jugendliche das Spiel mit dem kleinen weißen Ball erlernt. Auch die heutigen Spitzenakteure Laura Tiefenbrunner (Siegerin 2009), Mike Hollo (2011), Naomi Pranjkovic (2012) oder Luis Kraus (2014) haben von dieser Aktion profitiert und zählen zweifelsohne zu den Aushängeschildern der heimischen Tischtennisszene. Heute sind die Vereine im Landkreis Rosenheim sehr gut aufgestellt. Seit einigen Jahren sind Vereine wie beispielsweise der TTV Rosenheim, der übrigens in der Saison 2009/2010 in der Bayernliga vertreten war oder auch der SV DJK Heufeld dabei, viel Engagement in die Nachwuchsarbeit zu stecken. Die bislang erzielten Erfolge können sich durchaus sehen lassen. Und wer weiß, vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis man ein neues Talent präsentieren kann, das auf internationaler Ebene von sich reden macht.

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