Tischtennis-Nachwuchs in der Pause: „Man sitzt wie auf heißen Kartoffeln“

Luis Kraussaß wegen des eingeschränkten Trainings wochenlang wie auf heißen Kartoffeln. Erlich

Aufgrund der Corona-Krise, die nun schon einige Wochen andauert, ist der Sport immer noch mehr oder weniger zum Nichtstun verurteilt. Auch die heimische Tischtennisszene steht still. Besonders der Nachwuchs leidet unter dieser Situation, darunter auch die beiden Kolbermoorer Spitzenspieler Luis Kraus und Naomi Pranjkovic, die dem Nachwuchskader des Deutschen Tischtennis-Bundes angehören.

Kolbermoor– Als der Bayerische Tischtennis-Verband die Entscheidung traf, die Saison abzubrechen, gab es auch beim Nachwuchs unterschiedliche Meinungen. „Ja, es war absolut richtig“, sagt Naomi Pranjkovic. „Nein, zum Zeitpunkt des Abbruchs war ich nicht einverstanden“, meint Luis Kraus. Langeweile ist bei beiden aufgrund der Pause nicht aufgekommen. Pranjkovic, die derzeit die zehnte Klasse des Gymnasiums in Bad Aibling besucht, und Kraus, der in die achte Klasse der Wilhelm-Leibl-Realschule in der Kurstadt geht, konnten die Zeit hauptsächlich mit Kraft- oder Lauftraining überbrücken. Die 15-Jährige, die in ihrer Freizeit auch noch Klavier spielt, erlernte sogar das Jonglieren. Kraus hat die freie Zeit für ein Praktikum in der Ofenbaufirma seines Vaters genutzt: „Das hat viel Spaß gemacht.“

Mit Trainingsvideos versorgt

In gewisser Weise sprach auch der Bayerische Tischtennis-Verband beim Training ein Wörtchen mit: So wurde Kraus mit Trainingsvideos versorgt. Bei seiner Vereinskollegin sind die Eltern die Haupttrainer, sodass im Hause Pranjkovic ein Trainingsplan „in der Schublade liegt“. Beide hielten auch Kontakt zu den Trainern des Deutschen Tischtennis-Bundes, die sie so weit wie möglich unterstützen. Bundestrainerin Eva Jeler, die für den deutschen Nachwuchs zuständig ist, forderte von Kraus sogar Videos über dessen Training an. Die Schließung der Sportstätten machte den beiden in der Weltrangliste vertretenen Kolbermoorern aber Probleme: Während bei Pranjkovic Mutter Silvia eine Möglichkeit gefunden hatte, zumindest ein wenig im privaten Bereich zu trainieren, saß Kraus „wie auf heißen Kartoffeln“.

Aber nicht nur das Training fiel aus – auch die Schule war zu: „Nach einiger Zeit wäre die Schule schon wieder schön“, sagte Kraus. Der Lernstoff und diverse Arbeitsaufträge wurden ihnen über die elektronischen Medien zugespielt oder über Videokonferenzen näher gebracht, sodass sie auch hier auf einem gewissen Standard sind.

Internationale Turniere wohl länger nicht möglich

Ungeklärt ist die Frage, wann die Tischtennis-Wettkämpfe wieder beginnen können. Während Pranjkovic glaubt, dass es frühestens Anfang der nächsten Saison wieder losgehen könnte, hofft Kraus, dass schon in zwei Monaten wieder die Bälle fliegen. Einig sind sie sich jedoch darüber, dass international erst einmal gar nichts passiert: „Es ist derzeit schwer vorstellbar, dass internationale Turniere mit Spielern aus verschiedenen Ländern stattfinden.“ eg

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