Ein teuer erkaufter Sieg

Groß war der Jubel der Sechziger nach dem Siegtreffer. Fotos Ruprecht
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Groß war der Jubel der Sechziger nach dem Siegtreffer. Fotos Ruprecht

Der Abstiegskrimi zwischen dem TSV 1860 Rosenheim und dem SV Schalding-Heining hatte gerade erst begonnen, da sollte für einen die Partie bereits vorbei sein: Niki Wiedmann. Bei einem Zweikampf an der Außenlinie knickte das Knie des Rosenheimer Mittelfeldspielers unglücklich weg und hatte dessen Auswechslung nach zwölf Minuten zur Folge.

Gäbe es bei einem Physiotherapeuten Treuepunkte wie im Supermarkt, würde Niki Wiedmann mit Sicherheit bereits über ein siebenteiliges Messerset und vieles mehr verfügen. Denn in seiner noch jungen Karriere musste der 24-Jährige, der seit Juni 2013 in Rosenheim spielt und arbeitet, etliche Tiefschläge einstecken, nach denen er sich bisher jedoch immer wieder auf das Spielfeld zurückkämpfte.

So stand er auch schon an diesem Samstag zum Heimspiel gegen den SV Schalding-Heining nach langer Verletzungspause überraschend wieder in der Startformation. In dieser Begegnung waren in der Anfangsphase die Rollen der beiden abstiegsgefährdeten Teams klar verteilt: Rosenheim sollte das Spiel machen und Schalding verschanzte sich in der eigenen Hälfte und hoffte auf schnelle Konter. Diesen "niederbayerischen Catenaccio" nahm auch der Ex-Mainzer Wiedmann bis zur zehnten Minute zur Kenntnis, in der er dann nach einem Zweikampf erneut verletzt vom Platz musste. Dieses Mal war es das linke Knie und es folgte der traurige Abgang des gebürtigen Stuttgarters in die Umkleide des Jahnstadions.

Als ihn dann die Dunkelheit des Kabinentrakts verschluckt hatte, wo Physiotherapeuten bereits auf ihn warteten, hätte der SV Schalding-Heining beinahe mit einem geradlinig vorgetragenen Konter - wie im Windkanal - die Führung erzielt. Der Pfosten hielt die Rosenheimer jedoch im Spiel, die sich zwar um einen strukturierten Spielaufbau bemühten, aber aufgrund der schlechten Platzverhältnisse, falschen Laufwegen oder gegnerischen Foulspielen keine klaren Torchancen erspielen konnten.

Als sich kurz vor dem Halbzeitpfiff die Grün-Weißen aus Passau mit einer gelb-roten Karte dann auch noch selbst dezimierten, stand die Devise für den zweiten Spielabschnitt fest: Geduld. Und tatsächlich bewiesen die Spieler des TSV 1860 Rosenheim an diesem frühsommerlichen Samstag Geduld. Zehn Minuten vor Schluss fasste sich mit Winter-Neuzugang Deniz Sari - ausgerechnet jener Spieler, der in der zwölften Minute den verletzten Wiedmann ersetzen musste - ein Herz und machte mit seinem herrlichen Distanzschuss aus der zweiten Reihe den wichtigen Heimsieg perfekt.

Geduld muss nun auch der verletzte Wiedmann haben, dem man von Herzen wünschen möchte, von einer achten Operation am Knie verschont zu bleiben und demnächst wieder auf dem Platz stehen zu können, um seinem Team bei der "Mission Klassenerhalt" zu helfen. Denn schließlich hat das Treuepunktsystem in physiotherapeutischen Praxen noch bis jetzt keinen Einzug erhalten, und es gibt für Wiedmann zweifelsohne bequemere Wege an Edelstahl- oder Keramikmesser zu kommen. mpo

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