Tennisspieler Riccardo Bellotti: Mehr Zeit für die Familie – und für 1860

Die 1. Bundesliga fest im Visier:Riccardo Bellotti spielt schon länger in Rosenheim. bz

Die Weltrangliste ist ihm mittlerweile egal: 2017 hatte Riccardo Bellotti seine beste Platzierung mit Rang 199 erreicht. Der 28-Jährige, der in Wien geboren ist und einen italienischen Pass besitzt, hat seinen Fokus nun auf andere Dinge gelegt: die Familie – und die 1. Tennis-Bundesliga mit dem TC 1860 Rosenheim.

Rosenheim – In der österreichischen Rangliste ist Bellotti auf Rang zehn der allgemeinen Klasse geführt, an der Spitze steht natürlich Dominic Thiem, Finalist bei den Australian Open. Bellotti kennt ihn recht gut. „Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, als wir zehn, zwölf Jahre waren“, erzählt er – und weiß deshalb auch, dass der Erfolg von Thiem auf harter Arbeit basiert: „Er ist ein Ausnahmetalent. Aber ich muss auch betonen, dass er immer sehr hart gearbeitet hat.“ Bellotti sagt: „Talent alleine reicht nicht. Es ist die Arbeit, die dich zum Erfolg bringt. Und das ist bei ihm so.“ Deshalb kommt Thiems Siegeszug für ihn auch nicht unerwartet: „Er wird binnen kürzester Zeit ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Ich hoffe, dass es schon bei den French Open klappt.“ Es ist auch möglich, dass sich die Wege der beiden Freunde in Rosenheim kreuzen, denn zum Bundesliga-Auftakt gastiert der Deutsche Meister aus Mannheim, bei dem Thiem als Nummer eins gemeldet ist, an der Pürstlingstraße.

„Für die Familie da sein“

Die aktuelle Nummer eins im Leben von Riccardo Bellotti ist aber seine junge Tochter. Wegen ihr verzichtet er auf viele internationale Turniereinsätze – und damit auch auf Punkte für eine gute Weltranglisten-Platzierung: „Ich spiele international nicht mehr so viel, weil ich gerade Papa geworden bin und die Zeit nutzen möchte. Ich trainiere zwar täglich, zur Zeit möchte ich aber nicht reisen, sondern für meine Familie da sein.“

Für die Erstliga-Saison mit 1860 Rosenheim nimmt sich der 28-Jährige aber die Zeit – klar, denn die Sechziger sind seine zweite Familie, wie er im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion während eines Sponsorenabends im Porsche Zentrum Inntal erklärt: „Ich bin jetzt das vierte Jahr hintereinander in Rosenheim, der Umgang ist einzigartig. Jedes Mal, wenn ich nach Rosenheim komme, fühle ich mich, als würde ich zu meiner Familie reisen.“

Deshalb ist es ihm auch egal, auf welcher Position er künftig zum Einsatz kommen wird: „Ich versuche, für den Verein da zu sein. Wenn ich spiele, dann gebe ich mein Bestes. Ich bin sicher für alle Spiele verfügbar. Wenn es um die Wurst geht und vier bessere Spieler da sind, dann bin ich ein Ersatzmann, der von draußen reinschreit und die Daumen drückt.“

„Jedes Spiel ist etwas Besonderes“

Gerne denkt Bellotti an den Erfolg aus dem vergangenen Jahr zurück: „Der Aufstieg war der größte Erfolg des Vereins und ich war nicht nur mittendrin, sondern habe einen sehr großen Teil dazu beigetragen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in die 1. Bundesliga aufgestiegen sind.“ Der 28-Jährige blickt aber auch schon voraus und freut sich „auf jedes Spiel. Es ist das erste Mal, dass wir mit Rosenheim 1. Bundesliga spielen – also ist jedes Spiel etwas Besonderes. Vor allem freut es mich aber, vor heimischer Kulisse zu spielen.“ Denn der Wiener liebt es, wenn er von den Rosenheimer Fans unterstützt wird: „Im Fußball spricht man vom zwölften Mann – das ist im Tennis genauso. Wenn du weißt, dass dir die Leute zujubeln und dich anfeuern, dann gibt dir das viel Energie.“

„Die großen Vereine ärgern“

Die wird auch nötig sein, denn Bellotti erwartet im deutschen Tennis-Oberhaus „harte Gegner mit sehr guten Spielern. Es gibt viele Top-100-Spieler in dieser Liga.“ Für den Aufsteiger aus Rosenheim ist deshalb der Klassenerhalt das primäre Ziel. Bellotti gibt sich zuversichtlich: „Wir wollen nicht nur nicht absteigen, sondern die großen Vereine ärgern und gut mitspielen. Ich weiß, dass wir eine tolle Truppe sind und alles geben werden.“

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