"Kasi" hatte alle Tennis-Größen am Mikrofon, aber: Zum Senden musste er in die Abstellkammer

Christopher Kas bei seiner Sendung "Kasi live"  mit Boris Becker und Stefanos Tsitsipas und als Tennis-Trainer auf dem Platz.
  • Hans-Jürgen Ziegler
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Über 40-mal hieß es fast täglich „Kasi Live“ auf Instagram. Ein erfolgreiches Format des Kolbermoorer Tennis-Trainers Christopher Kas. Warum er zum Senden trotzdem in die Abstellkammer musste und vieles mehr  erzählt der Wimbledon-Halbfinalist (Doppel 2011) im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Herr Kas, Sie hatten fast aktuellen Weltklassespieler aber auch Tennis-Größen aus der Vergangenheit am Mikrofon - aus Zeiten, als Sie mit dem Tennis begonnen haben. Wie war das für Sie mit solchen Idolen zu sprechen?

Christopher Kas: Das war natürlich fantastisch. Das sind alles ganz spezielle Persönlichkeiten - hochinteressant, hoch konzentriert und sehr reflektiert. Zum Beispiel das Gespräch mit Boris Becker, der wusste das genaue Ergebnis von einem Endspiel vor 40 Jahren gegen Alex Antonitsch. Und ehrlich gesagt habe ich in diesen Gesprächen noch sehr viel über Tennis gelernt. In konnte ja fragen was ich will, weil ich in der Rolle des Zuschauers war und da habe ich auch Fragen aus der Sicht des Tennisfans gestellt.

Und das waren sehr viele Tennisfans, die ihre - wie viele - Sendungen verfolgten?

Kas: Es waren über 40 und online waren immer zwischen 3000 und in absoluten Spitzenzeiten 20000 Tennisfans. Wenn man von 5000 im Schnitt ausgeht, haben insgesamt über 200000 Leute „Kasi live“ angeschaut.

Und wie sind Sie auf die Idee gekommen so etwas zu machen?

Kas:Ich habe auf Instagram Oliver Pocher gesehen wie er dieses Format zum Beispiel mit Sophia Thomalla und vielen anderen prominenten Persönlichkeiten gemacht hat. Ich fand das sehr lustig und spannend. Ich dachte, mir das müsste ja für Tennisfans total interessant sein, weil du praktisch im Wohnzimmer von den Stars bist.

Der Schützling von Tennistrainer Christopher Kas: Peter Gojowczyk, Nummer 125 der Tennis-Welt, beim Training in Rosenheim.

Und wie ging es weiter?

Kas:Ich habe noch am gleichen Tag mit Olli Pocher telefoniert. Er hat mir dann technisch erklärt, wie das funktioniert. Dann habe ich den Alex Antonitsch von tennisnet.com - für die habe ich früher schon etwas gemacht - kontaktiert. Der war begeistert, hat mir das Passwort geschickt und ab diesem Zeitpunkt war es im Endeffekt mein Ding.

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Sie hatten also die technischen Voraussetzungen, aber noch keine Gesprächspartner. War es schwer, an die verschiedenen Tennisspieler zu kommen?

Kas:Nein eigentlich nicht. Was mir natürlich sehr geholfen hat, dass ich relativ früh den Dominic Thiem gehabt habe. Er hatte einen Riesenspaß und zu diesem Zeitpunkt war für die Tennisspieler auch nicht viel zu tun. Es war der Anfang des Lockdowns.

Der Dominic Thiem hat dann wen anmoderiert?

Kas:(lacht) Den Stefanos Tsitsipas, der 2019 in London sensationell die ATP-Finals in London gewonnen hatte. Wenn die Nummer drei der Welt Dominic Thiem die Nummer sechs Stefanos Tsitsipas anmoderiert – spätestens dann wusste ich, dass ich auf einem guten Weg bin.

Hatten Sie zu Hause ihr eigenes Studio eingerichtet?

Kas:So ungefähr. Die ersten fünf Sendungen habe ich mir alles im Wohnzimmer aufgebaut. Ab der sechsten Sendung wurde ich ausquartiert – nach oben in die Abstellkammer, weil meine Familie natürlich auch gesagt hat, wenn der jeden Tag für eineinhalb Stunden das Wohnzimmer blockiert und keiner etwas sagen darf, machen wir das nicht mit. Es waren auf alle Fälle intensive Wochen, weil ich mich für jede Sendung vorbereiten musste. Da muss alles gut recherchiert sein, denn fachlich wollte ich mir nichts nachsagen lassen. Das war für mich keine Blödelei, sondern wenn ich es mache, mache ich es richtig.

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Das wurde auch von anderen Medien honoriert.

Kas:Wir waren zum Beispiel in der Tageszeitung Blick, das ist die Bild-Zeitung der Schweiz, auf Seite 1. Da wurde aus der Sendung mit Severin Lüthi, dem Trainer von Roger Federer, zitiert.

Da reiht sich ja ein Höhepunkt an den anderen und trotzdem legen Sie jetzt eine Pause ein?

Kas:Richtig. Ich muss ja auch wieder meinem richtigen Job als Tennistrainer von Peter Gojowczyk nachgehen. Aber irgendwann mache ich das definitiv weiter.

Sie haben sich intensiv vorbereitet, aber haben Sie trotzdem noch Dinge erfahren, die sie vorher nicht gewusst haben?

Kas:Definitiv. Zum Beispiel von Tommy Haas, mit dem ich praktisch als Tennisspiele groß geworden bin. Er hat von seiner Anfangszeit in der Tennisakademie von Nick Bollettieri in Florida erzählt. Man weiß schon viel, aber alles aus erster Hand zu erfahren ist schon toll. Oder das Gespräch mit Marat Safin, der mit 20 Jahren schon die Nummer eins der Welt war und trotzdem nicht die Kariere eines Roger Federers gemacht hat. Ich habe definitiv aus jedem Gespräch etwas herausgezogen. Es waren ja auch die verschiedensten Typen und Persönlichkeiten zu Gast.

Die Mischung war gut.

Kas:Es war sehr vielfältig. Es waren sehr viele Legenden dabei, dann auch viele aktive Spieler, die Superstars, die Coaches. Die Gespräche mit den Trainern waren für mich sehr interessant, wobei ich da aufpassen musste, das es keine Fachsimpelei wurde, sondern auch der normale Zuschauer versteht, von was wir da reden.

Haben die Zuschauer auch das Bayerisch von Stefanos Tsitsipas verstanden?

Kas:Das war mein Lieblingsausschnitt aus 40 Stunden Kasi live. Das kann man auf Facebook bei den OVB-Heimatzeitungen sehen. Der Stefanos, übrigens ein total intelligenter Bursche, wollte ein bisschen Deutsch lernen und hat dann auf bayrisch geredet.

Video: Peter Gojowczyk trainiert bei 1860 Rosenheim

Aber hauptsächlich ging es um Tennis, das ab sofort auch bei Ihnen wieder im Mittelpunkt steht.

Kas: Ich verbringe jetzt natürlich wieder viel mehr Zeit auf dem Tennisplatz und mit meinem Schützling Peter Gojowczyk, was ich aber sehr genieße. Wir trainieren beim TC 1860 Rosenheim oder beim TC Grosshesselohe meinem Verein in München.

Ist das schon die Vorbereitung auf ein Turnier?

Kas:Wir bereiten uns gerade auf eine Turnierserie vom deutschen Tennisbund vor, die am 8. Juni startet und über sieben Wochen geht. Das ist für die Spieler natürlich super, wenn sie jetzt endlich wieder ein Teilziel haben worauf sie hintrainieren können.

Und das Risiko ist ja auch überschaubar.

Kas:Tennis ist prädestiniert als Corona-Sportart, aber wann es weltweit weitergeht, steht noch in den Sternen. Internationale Turniere sind ja mit Reisen verbunden und ob da etwas geht, ist fraglich. Wir können jetzt auf alle Fälle ein Corona-konformes Turnier ohne Zuschauer spielen. Ungewohnt, aber es wird funktionieren.

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