Rapid Surfing

Surfen ohne am Meer zu Leben: Rosenheimer Andy Lammerer verteidigt Meistertitel

Bei der deutschen Meisterschaft in Berlin: Der 52-jährige Rosenheimer Andy Lammerer verteidigt seinen Titel in der Ü35-Masters-Class im Rapid Surfing.Lammerer
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Bei der deutschen Meisterschaft in Berlin: Der 52-jährige Rosenheimer Andy Lammerer verteidigt seinen Titel in der Ü35-Masters-Class im Rapid Surfing.Lammerer
  • vonLeon Simeth
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Andy Lammerers Leben hat sich schon immer nur um den Sport gedreht. Seine große Leidenschaft: Das Surfen. Um auch in Deutschland surfen zu können, ist er vor knapp acht Jahren auf die Meer-Alternative Rapid Surfing umgestiegen. Dass sich das gelohnt hat, steht außer Frage.

Berlin/Rosenheim – Nachdem der 52-jährige Rosenheimer Andy Lammerer im vergangenen Jahr die erste deutsche Rapid-Surf-Meisterschaft gewonnen hatte, konnte er diesen Titel dieses Jahr in Berlin verteidigen.

Lammerer ist quasi mit dem Sport aufgewachsen. Schon im jungen Alter ist er problemlos auf seinen Skiern gestanden. „Mein Vater war Skilehrer, daher kann ich Skifahren, seit ich laufen kann“, erklärt der gebürtige Münchener im Gespräch mit der Sportredaktion der OVB-Heimatzeitungen. Auch auf dem Snowboard fand er sich schnell zurecht. „Dem Snowboarden bin ich damals total verfallen“, lacht er und fügt hinzu: „Das hat mir wahrscheinlich auch fürs Surfen geholfen.“

Andy Lammerer war lange im Ausland

Lammerer sah auch viel von der Welt, weshalb er auch überhaupt aufs Surfen kam. „Ich war zehn Jahre bei Robinson Clubs tätig. Im Winter war ich Ski- und Snowboardlehrer in der Schweiz und im Sommer Windsurflehrer. Mir hat das Surfen schon immer Spaß gemacht und in der Zeit bei Robinson, konnte ich dies dann so richtig intensivieren. Ich war über sechs Jahre lang auf der Insel Kos in Griechenland und jeweils ein Jahr in Ägypten und der Türkei“, so der Rosenheimer Surfer. „Wenn ich so zurückblicke, waren die Jahre im Ausland bei Robinson die schönsten meines Lebens“, fügt er hinzu.

Vor acht Jahren auf Rapid-Surfing umgestiegen

Seit 2001 lebt Lammerer in Schloßberg bei Rosenheim, „wo es mir auch sehr gefällt.“ Auch wenn die Zeiten schwieriger sind, bleibt er dem Windsurfen treu. „Ab und zu bin ich am Chiemsee noch gesurft, aber mit der Zeit wurde es einfach immer weniger, weil die Bedingungen anders sind als am Meer.“ Wie er zum Rapid Surfing kam ist ein wahrer Zufall. „Vor knapp acht Jahren bin ich auf das Rapid Surfing umgestiegen. Das war eine lustige Geschichte: Ein Spezl, der auch Surferfahrung hat, nahm mich nach Bad Aibling zu einer kleinen Welle mit. So haben wir mit unseren Wellenreit-Brettern auf einer stehenden Welle in der Mangfall angefangen“, erzählt Lammerer.

Immer ein Lachen im Gesicht: Andy Lammerer.

Erstmals am Eisbach in München

„Das hat uns beiden aber sofort gefallen, obwohl es eigentlich Kinderkram im Verhältnis zu dem wirklichen Rapid-Surfing ist. Und daraufhin bin ich das erste Mal nach München zum Eisbach gefahren und hab mich da dann so ein bisschen durchgesetzt. Da gibt es ja eine ganz eigene Hierarchie“, erzählt er und lacht.

Jochen-Schweizer-Arena wurde vor drei Jahren eröffnet

„Dann bin ich auch ziemlich intensiv auf der so genannten „Welle“ gefahren und ich bin ja durch Windsurf- und Snowboardvergangenheit nicht ganz untalentiert, was solche Brettsportarten anbelangt. Vor drei Jahren hat auch noch die Jochen-Schweizer-Arena in München aufgemacht. Dort war ich dann auch nebenbei als Instructor angestellt. Für so einen Sport, der gerade im kommen ist, gibt es ja auch keine Ausgebildeten, also waren alle Angestellten vom Eisbach. Dadurch hatte ich auch dort eine gute Trainingsgelegenheit“, sagt Lammerer, der eigentlich noch nie richtig trainiert hat.

„Ich bin auf keinen Fall ein Leistungssportler“

„Ich sehe mich selbst überhaupt nicht als Leistungssportler, ich surfe einfach gerne. Meine ,Trainingseinheiten‘ sind eigentlich auch keine wirklichen Trainings, in denen ich bestimmte Sachen verbessern will. Ich habe einfach viel Spaß am Surfen und versuche es so oft wie möglich zu machen,“ stellt der Rosenheimer klar. Trotzdem ist er amtierender Deutscher Meister. Im letzten Jahr fand in Langenfeld bei Köln erstmals die deutsche Rapid-Surfing-Meisterschaft statt. Da holte sich Lammerer seinen ersten Titel.

Lammerer siegte in seiner Altersklasse

„Es war keineswegs mein Ziel, den Wettkampf zu gewinnen. Für mich stand der Spaß im Vordergrund, ein Wochenende lang zu surfen und die ganzen Leute zu treffen. In der Szene kennt man sich natürlich“, so Lammerer, der am Ende ganz oben auf dem Podest in seiner Altersklasse, der Ü35- Masters Class, stand. „Das störte mich dann auch nicht“, lacht er. „Als dann die zweite Auflage dieses Wettkampfs in Berlin anstand, war ich natürlich auch wieder sofort dabei. Wie im letzten Jahr wollte ich nicht hinfahren und unter Beweis stellen, dass ich der beste deutsche Ü35-Surfer bin, sondern aus Leidenschaft zu meinem Sport. Dass ich am Ende meinen Titel verteidigt habe, freut mich natürlich riesig und es ist auch eine große Ehre für mich“, beschreibt Lammerer die Titelverteidigung.

Im Winter bei minus 12 Grad auf dem Eisbach in München

Auch die kalten Temperaturen im Winter halten den Rosenheimer nicht vom Surfen ab. Zum einen gibt es natürlich die Jochen-Schweizer-Arena, in der zu allen Jahreszeiten gesurft werden kann. Lammerer geht aber auch bei Minusgraden auf die Welle im Eisbach. „Ich gehe im Winter lieber an den Eisbach, als im Sommer“, sagt er. „Skifahren geht auch, wenn es kalt ist. Man zieht sich halt dementsprechend an. Wenn man in einem dicken Neoprenanzug ständig in Bewegung ist, spürt man die Kälte nicht so stark, wie beim Rumstehen und Zuschauen.“ Im Februar war Lammerer bei minus 12 Grad beim Surfen: „Das war bisher der geilste Surf-Tag.“

Auch im Winter auf dem Brett: Andy Lammerer surfte sogar bei -12 Grad im Münchener Eisbach, dessen Wassertemperatur 0,4 Grad betrug.

Bis 2018 führte Lammerer das „Peak Performance“-Geschäft in Rosenheim, danach wurde er mit einem langjährigen Surfkollegen Andreas Kranz selbstständig. Dabei haben sie eine hochwertige Yoga-Matte entworfen, die als Trainingssurfbrett benutzt wird. „Damit geben wir dann Übungsstunden, ohne auf dem Meer sein zu müssen“, erklärt der 52-Jährige.

Hoffentlich bald eine „Welle“ in Rosenheim

Wenn Andy Lammerer am Meer leben würde, wäre er dann jemals auf das Rapid-Surfing umgestiegen? „Ich glaube nicht. Es war doch irgendwo eine Alternative, denn am Meer zu Surfen, ist einfach das Schönste. Trotzdem bin ich mit dem Surfen auf der Welle sehr zufrieden. Es macht mir unglaublich viel Spaß und das wird sich so schnell nicht ändern“, so der Rosenheimer. „Mein einziger Wunsch ist, dass demnächst auch eine Welle in der nahen Umgebung von Rosenheim eröffnet wird. Da wär ich auch der Erste, der mit voller Bereitschaft mithelfen würde.“

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