Die Suche nach dem richtigen Weg

Alexander Höller, der das 1:0 erzielte, scheitert hier am Memminger Torhüter.

Rosenheim – Die Starbulls Rosenheim haben in der Eishockey-Oberliga Süd zum Abschluss der Einfachrunde dem Spitzenreiter Memmingen Indians nicht nur Paroli geboten: Eine halbe Stunde lang haben die Starbulls die Gäste aus dem Allgäu glatt dominiert und hatten den Fisch bei einer 2:0-Führung eigentlich am Haken.

Doch statt die Angel einzuholen, und den dritten Treffer zu landen, schaffte es der Fisch wieder ins Wasser – und am Ende waren zwei Punkte weg, weil Memmingen auflebte, sich plötzlich ein munterer Schlagabtausch entwickelte und die Gäste zunächst egalisierten und dann im Penaltyschießen den Zusatzpunkt holten.

Die Enttäuschung darüber, dass sein Team sich den verdienten Lohn nicht abholte, war bei Starbulls-Coach John Sicinski groß: „Ich kann mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Wir hätten drei Punkte verdient gehabt.“ Der Rosenheimer Trainer fasste das Spiel passend zusammen: „Man hat eine Mannschaft gesehen, die einen Lauf hat, und eine Mannschaft, die versucht, ihren Weg zu finden.“ Und so sind die Starbulls weiterhin auf der Suche.

Der Knackpunkt liegt dabei sicherlich in der Chancenverwertung. Denn die Starbulls hatten mehrmals das 3:0 auf dem Schläger – wäre dieser Treffer gefallen, dann hätte sich Memmingen wohl nicht mehr davon erholt. Dominik Daxlberger traf aber nur den Pfosten, Alexander Höller ließ im Powerplay eine Doppelchance sausen und Juniorenstürmer Sebastian Stanik scheiterte freistehend am Memminger Goalie Marc-Michael Henne. Es blieb beim 2:0, das Höller (zog blitzschnell nach Bullygewinn von Tadas Kumeliauskas ab) und Fabian Zick (aus kurzer Distanz nach Zuspiel von Höller) herausgeschossen hatten. Eine mehr als verdiente Führung, weil sich die Rosenheimer spritzig und druckvoll präsentierten und Memmingen kaum Offensivaktionen gestatteten. Gäste-Trainer Sergej Waßmiller sah „mehr Chancen bei Rosenheim“, was Sicinski bestätigte: „Chancen waren genug da. Aber die wissen, wie man gewinnt – wir noch nicht.“

Aus dem Nichts fiel der Anschlusstreffer, der die Indians wieder komplett ins Spiel brachte. Brad Snetsinger fälschte vor dem Gehäuse von Lukas Steinhauer einen harmlos erscheinenden Schlenzer ins Tor ab. „Da haben wir den Schläger von Snetsinger nicht kontrolliert“, ärgerte sich Sicinski. Plötzlich hatte aber auch Memmingen Offensivaktionen: Immer wieder probierten die Gäste, Schüsse und Schlenzer vor dem Tor abzufälschen, es gab einige gefährliche Szenen.

Und nur 52 Sekunden nach Wiederbeginn war es Patrik Beck, der einen weiteren abgefälschten Schuss zum 2:2 ins Tor beförderte. „Der Puck kommt genau auf den Mann, der von der Bande kommt“, haderte Sicinski mit dem Glück – und mit den Linienrichtern, denn: „Das war aus meiner Sicht ein klares Icing.“ Aber auch der Ausgleich sei für Rosenheims Coach kein Beinbruch gewesen. Und die Starbulls erarbeiteten sich auch weitere Chancen: Kumeliauskas schoss vorbei, Marinus Reiter traf die Latte und Daniel Bucheli zielte drüber. Auf der anderen Seite hatten die Hausherren Glück, als Snetsinger den Pfosten traf, Reiter ein Solo von Marvin Schmid gerade noch bremste, und die Starbulls dann gut eine Minute vor Schluss mit vereinten Kräften gegen Fabian Voit retteten.

Es ging in die Verlängerung, wo Kumeliauskas die beste Chance besaß, aber nur die Latte traf – der dritte Schuss der Starbulls ans Gestänge. Mit der Querlatte hatten die Rosenheimer überhaupt kein Glück, denn im Penaltyschießen half diese den Memmingern beim entscheidenden Treffer. Snetsingers Schuss flog von der Latte eigentlich heraus, die Scheibe prallte dann aber an die Kufe von Steinhauer und von dort über die Linie. „Ich habe noch nie so ein Siegtor beim Penalty gesehen“, erklärte Sicinski.

Sein Team schließt die Einfachrunde mit elf Siegen und elf Niederlagen auf dem sechsten Rang ab – beim Blick auf einige Heimspiele wäre sicher mehr dringewesen. Nun steht eine Runde mit Hin- und Rückspielen gegen Deggendorf, Regensburg, Selb, Weiden und Höchstadt auf dem Plan.

Statistik:Starbulls Rosenheim – ECDC Memmingen Indians 2:3 n. P. (1:0, 1:1, 0:1, 0:0, 0:1). Starbulls: Steinhauer (Endres) – Vollmayer, Bergmann; Draxinger, Krumpe; Linden, Reiter (Enk) – Zick, Kumeliauskas, Höller; Fröhlich, Baindl, Daxlberger; Litesov, Bucheli, Henriquez; Wellhausen, Heidenreich, Stanik.

Tore: 1:0 (16.) Höller/Kumeliauskas, 2:0 (24.) Zick/Höller, 2:1 (30.) Snetsinger/Pokovic, Voit, 2:2 (41.) Beck/Stotz, Schmid; Penaltyschießen: 2:3 Snetsinger. Schiedsrichter: Polaczek; Strafminuten: Rosenheim 8, Memmingen 6; Zuschauer: 2135.

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