Im Corona-Lockdown

Stillstand im Nachwuchsbereich: Betrieb der Jugendmannschaften auf Eis gelegt

Bei den Wasserburger Leichtathleten dürfen die Kadersportler wie Malcom Dannhauer trainieren, alle anderen Sportler haben Pause oder machen Online-Training.
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Bei den Wasserburger Leichtathleten dürfen die Kadersportler wie Malcom Dannhauer trainieren, alle anderen Sportler haben Pause oder machen Online-Training.
  • vonLeon Simeth
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Wie schon beim ersten Lockdown in diesem Jahr steht der Kinder- und Jugendsport nahezu still. Laut dem Bayerischen Landes-Sportverband und der Bayerischen Sportjugend wird es dramatische Auswirkungen insbesondere auf den Sport und die Bewegung der Kinder und Jugendlichen in Bayern haben.

Rosenheim/Mühldorf –Wie schon beim ersten Lockdown in diesem Jahr steht der Kinder- und Jugendsport nahezu still. Nur Leistungskaderathleten dürfen weiterhin trainieren. Laut dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) und der Bayerischen Sportjugend (BSJ) wird es dramatische Auswirkungen insbesondere auf den Sport und die Bewegung der Kinder und Jugendlichen in Bayern haben. Die OVB-Sportredaktion hat sich bei Verantwortlichen von regionalen Sportvereinen und diversen Sportverbänden umgehört, wie es den Vereinen und den Kindern damit geht und was zurzeit als Alternative zum Trainingsbetrieb gemacht wird.

Schulsport gerade in dieser Zeit von großer Bedeutung

Im Vergleich zum Lockdown im Frühjahr dürfen die Schulen weiterhin geöffnet sein und so können sich die Jugendlichen wenigstens im Schulsport noch bewegen. „Die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den bayerischen Sportvereinen ist insbesondere im Bereich Kinder- und Jugendsport alarmierend. Gerade in der Corona-Pandemie ist es von größter Bedeutung, dass mindestens der so wichtige Schulsport weiter stattfinden kann“, appelliert Volker Renz, der Vorsitzende der BSJ.

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Auch Jörg Ammon, der BLSV-Präsident, ist der Meinung, dass der Schulsport in der aktuellen Situation einmal mehr essenziell für die Kinder und Jugendlichen ist: „Da Sportvereine ihre Sportanlagen derzeit geschlossen halten müssen, appellieren wir eindringlich an die Kommunen in Bayern, kommunale Sportanlagen und Sporthallen für den Schulsport offen zu halten und die bayerische Staatsregierung und den bayerischen Sport in dieser bedeutsamen Angelegenheit zu unterstützen.“

„Das ist viel zu wenig“

Florian Weißmann, der Verbands-Jugendleiter vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV), weiß, dass es für die Kinder keine leichte Situation ist: „Es ist schwer nachvollziehbar, wenn sie in der Schule den ganzen Tag mit anderen Kindern in einem geschlossenen Raum sitzen, aber ihren Sport nicht mehr ausüben dürfen.“. Er befürchtet, dass dies für den Nachwuchs keine guten Folgen haben wird: „In der Schule findet maximal eineinhalb Stunden pro Woche Sport statt. Das ist viel zu wenig. Da der Vereinssport zurzeit nicht ausgeübt werden darf, fällt die regelmäßige Bewegung weg. Das hat neben dem sozialen Aspekt auch noch negative Folgen auf die physische und psychische Verfassung.“

Außerdem sieht Weißmann das Problem, dass viele Kinder von ihren Sportvereinen abspringen werden. „In so einer Zeit merken viele Jugendliche, dass es auch andere coole Hobbys gibt, für die man sich weniger bewegen muss“, so Weißmann. Aber: „Um die jungen Kinder mache ich mir weniger Sorgen. Diese sind noch sehr geprägt von Neugierde. Das heißt, es wird weiterhin möglich sein sie für den Sport zu begeistern“, erklärt der BFV-Jugendleiter.

Online-Training gewinnt immer mehr an Ansehen

Bei den meisten Sportvereinen ist die aktuelle Situation im Jugendbereich ähnlich: Der Spielbetrieb ist komplett lahmgelegt und die einzigen, die noch trainieren dürfen, sind Athleten, die in einem Förderkader sind. Da die sportliche Aktivität der Kinder im Schulsport bei Weitem nicht ausreichend ist, haben sich die Vereine nun Alternativen überlegt, wie sie ihren Nachwuchssportlern weiterhin genug Bewegung bieten können. Mittlerweile gehört bei vielen Mannschaften das sogenannte „Online-Training“, wobei in einem Video-Meeting zusammen trainiert wird, zum Standardprogramm.

Nur die 2.Bundesliga-Herren spielen in Mühldorf noch

So läuft es auch beim Volleyball-Nachwuchs aus Mühldorf ab. „Bis auf den Spielbetrieb unserer Herren, die seit diesem Jahr in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfen, ist alles auf Eis gelegt“, so Jürgen Wöls, Jugendleiter vom TSV Mühldorf, der zugleich auch Leiter des Leistungsstützpunkts männlich in Mühldorf ist. Da das Mannschaftstraining nicht wie gewohnt stattfinden kann, gibt es für die Spielerinnen und Spieler vom TSV ein Alternativprogramm.

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„Wir haben Trainingspläne rumgeschickt und mit den Mädchen schon mit Online-Sessions angefangen, die auch für die Buben geplant sind. Dabei steht das volleyball-spezifische Training, was alleine zu Hause schwierig ist, im Hintergrund. Es geht hauptsächlich darum, dass sich die Kinder bewegen und den persönlichen Kontakt nicht verlieren. Die Trainingseinheiten umfassen hauptsächlich Koordination, Stabilisation und Kräftigung“, erklärt Wöls. Für Auswahlspieler gilt ein ähnliches Programm. „Zwei Jugendliche von uns befinden sich in der Vorauswahl zur Junioren-Nationalmannschaft. Für diese stehen Video-Trainingseinheiten auf dem Programm, die vom Deutschen Volleyball-Verband abgehalten werden.“

Starbulls-Junioren müssen Trainingsplan runterrattern

Bei den Starbulls Rosenheim läuft der Spielbetrieb nur bei der Oberliga-Herrenmannschaft. Vom Nachwuchs dürfen die Kaderathleten weiterhin aufs Eis, ansonsten darf in den Jugend-Mannschaften kein Training stattfinden. Online-Trainings gibt es bei den Starbulls nicht. „Unsere Nachwuchsspieler haben Trainingspläne bekommen, die sie jetzt einfach runterrattern müssen. In so einer Zeit müssen die Buben Eigeninitiative ergreifen und ihr Programm durchziehen“, sagt Rosenheims Nachwuchs-Cheftrainer Oliver Häusler. „Natürlich ist es für die Meisten ungerecht, dass die Bundeskaderspieler trainieren dürfen und der Rest zum Laufen gehen und das Kraftprogramm machen muss. Aber das sind nun mal die Regeln und da können wir leider auch nichts ändern“, fügt er hinzu.

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Online-Training auch beim TSV Wasserburg

Beim Leichtathletik-Nachwuchs vom TSV Wasserburg gilt das gleiche Prozedere wie bei den Rosenheimer Eishockeyspielern: Kaderathleten dürfen immer noch trainieren, aber für den Rest ist der gewohnte Betrieb unterbrochen. „Zurzeit ist es einfach bisschen schwierig. Wenigstens dürfen unsere Kaderathleten weiter trainieren, das ist schon mal etwas. Die ganz kleinen Kinder haben zurzeit Pause und mit den Jugendlichen machen wir Online-Training“, so Walter Kurzbuch, Jugendleiter vom TSV Wasserburg. „Im Normalbetrieb trainieren die Athleten je nach Altersklasse fünf bis sechs Mal in der Woche, dabei ist Selbstverantwortung in diesen Zeiten das entscheidende Stichwort“, fügt Kurzbuch hinzu.

„Sie haben ja auch keine Wahl“

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Im Großen und Ganzen verstehen die Nachwuchssportler die Situation und gehen damit gut um. „Aber sie haben ja auch keine Wahl“, sagt Häusler. „Wobei es auch nicht unbedingt leicht zu verstehen ist, wenn man bedenkt, dass der Schulsport weiterhin erlaubt ist, aber die Buben dann nicht aufs Eis gehen und trainieren dürfen. Aber das ist ja überall so und geht nicht nur den Eishockeyspielern so.“ Auch in Mühldorf gaben die Mädchen positive Resonanz zum Video-Training. „Bei den Einheiten haben wir eine gute Teilnehmerquote und allen macht es Spaß. Das Wichtigste ist, dass man sich in dieser Zeit einfach ab und zu sieht“, sagt Wöls über die Online-Sessions in Mühldorf und erklärt: „Wir wollen eh schon länger den Fokus auf die Digitalisierung im Verein legen, aber solche Sachen bleiben im normalen Betrieb einfach auf der Strecke. Der gesamte Verein arbeitet weiter und beschäftigt sich mit nachhaltigen und strategischen Konzepten für die Zukunft.“

Auch bei den Starbulls wird die Zeit sinnvoll genutzt. „Die Trainer arbeiten ganz normal weiter und leiten die Einheiten von den Bundes- und Landeskaderspielern. Außerdem wird viel am Stadion umgebaut und die Kabinen werden teilweise erneuert“, beschreibt Häusler die Lage im Rosenheimer Rofa-Stadion.

„Im Sommer wollten natürlich alle raus an die Sonne“

Wie auch nach dem ersten Lockdown im Frühjahr dieses Jahres stellt sich wieder die Frage, ob sich Kinder oder Jugendliche ihrem Sport abwenden werden. Im Sommer wollte jeder seinen Sport wieder ausüben und die Bereitschaft der Vereinsmitglieder war extrem hoch. Daher würde man normalerweise davon ausgehen, dass das erneut so ist, wenn der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Aber Florian Weißmann ist anderer Meinung: „Im Sommer wollten natürlich alle raus in die Sonne. Angenommen es geht jetzt im Januar oder Februar wieder los, dann glaube ich, dass viele lieber daheim im Warmen bleiben. Es kommt einfach darauf an, wann der Betrieb in den Sportvereinen wieder aufgenommen wird.“

Walter Kurzbuch ist hin- und hergerissen: „Ich glaube zwar nicht, dass uns viele verlassen werden. Die älteren Athleten trainieren aus Leidenschaft und die jüngeren brauchen Bewegung und den Spaß. Daher denke ich, dass es sie wieder ins Training zieht. Wenn sich aber bei Einem etwas in der Lebenssituation ändert, zum Beispiel ein Schulwechsel oder die erste Arbeitsstelle, kann es sein, dass der Eine oder Andere abspringt. Außerdem ist es schwierig, die Motivation zu finden, wenn keine Wettkämpfe stattfinden können und man keine wirkliche Perspektive hat.“

Häusler hat in dieser Hinsicht keine Befürchtungen

Oliver Häusler ist positiv gestimmt, dass ihm die Starbulls-Youngsters erhalten bleiben. „Momentan habe ich da keine Befürchtungen. Das Eishockey geht allen ab und die Buben sind euphorisch, dass es bald weitergeht“, so der Starbulls-Nachwuchscheftrainer. „Entscheidend ist, dass alle Sportarten nicht spielen dürfen. Wenn jetzt beispielsweise die Fußballer oder Leichtathleten ganz normal trainieren dürften, würde ich mir mehr Sorgen machen“, fügt er hinzu.

Der Spielbetrieb im Eishockey-Nachwuchs der Starbulls Rosenheim ist derzeit unterbrochen. Die Auswahlspieler dürfen Trainingseinheiten abhalten.

Jürgen Wöls und der TSV Mühldorf bemühen sich, die Kinder dabei zu behalten. „Die spannende Frage ist, wie lange der Lockdown dauern wird und wann wir wieder in den Spielbetrieb einsteigen können. Natürlich haben wir auch Befürchtungen, daher versuchen wir, über das Online-Training mit den Spielern in Kontakt zu bleiben. Eigentlich machen wir uns weniger Sorgen, dass Spieler aufhören, sondern mehr über einen möglichen Qualitätsverlust nach der langen Pause.“

Wie viele Spieler bei den verschiedenen Fußballvereinen bisher ausgetreten sind, ist absolut unterschiedlich „Einige Vereine sind schon massiv davon betroffen, andere haben noch alle Spieler“, sagt BFV-Verbands-Jugendleiter Weißmann. „Ich glaube, es hängt auch damit zusammen, wo ein Verein liegt. Diejenigen Vereine, die in einer finanziell starken Region liegen haben geringere Probleme. Familien, die seit der Corona-Krise aber nur schwer über die Runden kommen, sparen sich mit dem Mitgliedsbeitrag bei einem Sportverein eben eine wichtige Summe an Geld.“

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