EXTREMSPORTLER FLORIAN REITERBERGER

Statt Winter-Extrem-Races im hohgen Norden: „Ein kleines Abenteuer vor der Haustüre“

Auf der Tour ließ sich auch mal kurz die Sonne blicken und ein Teil der Strecke führte auf der Teerstraße.
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Auf der Tour ließ sich auch mal kurz die Sonne blicken und ein Teil der Strecke führte auf der Teerstraße.

„Es geht trotzdem eben auch jetzt weiter – und das sogar weltweit. Das war schon gewaltig, dass das so gut angenommen wurde,“ sagt der Eggstätter Extrem-Sportler Florian Reiterberger über sein „kleines Abenteuer vor der Haustüre“.

Chieming– Seinen Auftakt in das Jahr hat sich Florian Reiterberger ganz anders vorgestellt. Normalerweise wäre er in Norwegen und in Schweden bei zwei sogenannten Winter-Extrem-Races unterwegs gewesen. Doch die Corona-Pandemie machte dem Sportler aus Eggstätt, der aktuell in Tabing bei Chieming wohnt, wie schon im vergangenen Jahr erneut einen dicken Strich durch die Rechnung. Das „FatViking“ in Norwegen musste abgesagt werden und auch die erste Auflage des „Montane Lapland Arctic Ultra“ in Schweden wurde ersatzlos gestrichen.

Globale Veranstaltung des Wettkampfs ins Leben gerufen

Doch die Renndirektorin des „FatViking“-Rennens, Nina Gässler, wollte nicht einfach klein beigeben. Sie rief kurzerhand eine globale Veranstaltung des Wettkampfs ins Leben. Sprich: Jeder ist praktisch vor der eigenen Haustüre mit seinem Fatbike losgefahren. „Es gab dabei dann auch keine Wertung“, erzählt Florian Reiterberger, der sich von den erneuten Rennabsagen die Laune trotzdem nicht verderben ließ. Ganz im Gegenteil: Der heimische Extremsportler fand allein schon das Zeichen wichtig, dass man auch in Corona-Zeiten eben aktiv bleiben kann. „Es geht trotzdem eben auch jetzt weiter – und das sogar weltweit. Das war schon gewaltig, dass das so gut angenommen wurde.“

An die 200 Starter aus der ganzen Welt

An die 200 Starter unter anderem aus Norwegen, Finnland, Österreich, Deutschland, USA, Kanada, Namibia und England gingen bei der virtuellen Ausgabe des „FatViking“ an den Start, für das man sich im Vorfeld auch eine Startnummer ausdrucken konnte, um ein bisschen Wettkampf-Atmosphäre zu haben. Hinterher musste man ein Beweisfoto seiner zurückgelegten Strecke auf die Facebook-Seite der „FatViking Global Edition“ hochladen und konnte auch noch ein paar Bilder dazustellen. Fertig. Der schöne Nebeneffekt dabei: Man traf virtuell alte Bekannte. „Ich habe einige bekannte Gesichter gesehen“, freut sich Reiterberger. Er war übrigens angetan von dem Sportler aus Namibia. „Der ist wirklich 50 km durch die Wüste geradelt.“

Reiterberger ging das Abenteuer übrigens zusammen mit Max Wimmer aus Holzkirchen an. „Für Max war es das erste Mal, dass er 150 km am Stück mit dem Fatbike zurücklegt hat“, erzählt Reiterberger. Dabei wählten die beiden die Route extra so, dass Wimmer theoretisch auch nach 100 km die Tour beenden hätte können. „Aber Max hat durchgebissen.“

10,5 Stunden unterwegs

Ihre Route führte sie von Eggstätt über die Ratzinger Höhe nach Rosenheim, Wasserburg, Obing und Seebruck. Von dort aus ging es noch einmal um den Chiemsee herum und zurück nach Eggstätt. Das Wetter sei an diesem Tag eher durchwachsen gewesen. „Teilweise hat es geregnet, teilweise war es bewölkt, dann hat auch mal kurz die Sonne geschienen, und die letzten zwei bis drei Stunden hat es uns richtig weggespült“, erzählt Reiterberger. Die beiden sind auch den ganzen Tag unterwegs gewesen. Rund 10,5 Stunden inklusive der Pausen – die Teilnehmer mussten sich wie beim echten Rennen in Norwegen auch selbst versorgen – dauerte „ihr kleines Abenteuer vor der Haustüre“.

Mit dem Fatbike unterwegs zu sein, ist übrigens „anders“, betont Reiterberger. „Alles ist viel träger, man fährt viel langsamer.“ Vor allem durch den Schlamm – und da mussten die beiden Sportler ab und an auch durch. „Es hat ja die Tage vor dem Rennen leider den ganzen Schnee bei uns weggespült.“ Die beiden wählten ihre Route übrigens so, dass sie meistens im Gelände unterwegs gewesen sind. „Aber ein Drittel der Strecke mussten wir auch auf Teerstraßen fahren.“ In Norwegen wären sie übrigens auf Trails unterwegs gewesen. „Das wäre schon was anderes gewesen.“

1000 Kilometer lange Tour entlang des Grenzstreifens

Wie es für Florian Reiterberger sportlich in diesem Jahr jetzt genau weitergehen wird, steht in den Sternen. Fix ist bisher nur, dass die Grenzsteintrophy (GST) sicher über die Bühne gehen wird. Dabei handelt es sich um eine über 1000 Kilometer lange Tour, die entlang des einstigen innerdeutschen Grenzstreifens führt. Dabei handelt es sich um eine Selbstversorgerfahrt. Das heißt: Es sind keine Begleitfahrzeuge erlaubt, es gibt keine fremde Hilfe und keine Vorausplanung. Alles, was der Sportler auf der Strecke benötigt, muss er selbst transportieren oder unterwegs kaufen. Und die GST ist offiziell kein Rennen. Der Startschuss wird auch in diesem Jahr am 17. Juni fallen.

Florian Reiterberger wird dann dabei sein – und er will bei dieser Veranstaltung auch wieder Gutes tun. Zusammen mit dem Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Ruhpolding erarbeitet er zurzeit gerade ein Spendenprogramm. „Dieses Mal entscheiden die Kinder, wofür die gesammelten Gelder verwendet werden sollen“, verrät er schon mal vorab. Weitere Informationen findet man auch bereits auf seiner Internetseite unter www.florian-reiterberger.de.

Ansonsten, glaubt der Sportler, „wird man weiter ziemlich spontan sein müssen“. Ideen hätte er jedenfalls genügend in der Schublade liegen, was er noch alles angehen möchte – am liebsten freilich auch schon in diesem Jahr. Reiterberger hat auch die Salzkammergut-Trophy extrem auf dem Radar – dieses Rennen gilt als härtester MTB-Marathon Europas, denn man muss dabei an einem Tag über 200 km und über 7000 Höhenmeter bewältigen. Das Rennen ist für 17. Juli terminiert. „Hoffentlich geht dieses Jahr was“, sagt er.

Florian Reiterberger (rechts) und Max Wimmer nahmen an der „FatViking Global Edition“ teil.Reiterberger

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