Statt Mausefalle nun Sonnentribüne

An vorderster Front:Herbert Ringsgwandl (links) und der neue Ruhpoldinger Tourismusdirektor Frank Oette vor der Haupttribüne. Seifert

Ruhpolding – Diese Überraschung war gelungen: Das französische Herrenteam war nach dem Doppelsieg im Sprint und der herausragenden Mannschaftsleistung – vier Sportler unter den besten Sechs – derart euphorisiert, dass Trainer und Betreuer bei der Siegerehrung im Ruhpoldinger Championspark die Bühne stürmten und Gewinner Martin Fourcade hochleben ließen.

Unten stand Herbert Ringsgwandl und grinste. Der 55-Jährige hatte kurzfristig den französischen Stockerlsturm genehmigt und das Protokoll über den Haufen geworfen. Sportler und Team feierten, die Fans waren hocherfreut – die Begeisterung war groß.

Zumeist muss Ringsgwandl aber schauen, dass die Abläufe stimmen. Der Leiter der Tourist-Info ist im Organisationskomitee des Ruhpoldinger Weltcups federführend „für alles nicht-sportliche“, durch die Tätigkeit in der Tourist-Info gehört auch der Ticketverkauf zum Verantwortungsbereich des früheren Alpin-Weltcup-Läufers, der auch die weltberühmte „Streif“ in Kitzbühel bezwungen hat. Zum Biathlon kam Ringsgwandl 1996 bei der Weltmeisterschaft in Ruhpolding. „Damals habe ich als Ehrenamtlicher mitgeholfen. Seit 1998 bin ich durch meine Tätigkeit in der Tourist-Info immer dabei“, erzählt der 55-Jährige, Im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion blickt Ringsgwandl auf seine besonderen Momente zurück:

Die erste Biathlon-Erfahrung:„Richtig bewusst habe ich die WM 1996 wahrgenommen. Die Weltmeisterschaft 1985 war schon auch ein Thema, aber nur am Rande, weil ich in diesem Jahr selbst in Kitzbühel gefahren bin. Damals war Biathlon auch noch nicht so groß.“

Meine schönste Erinnerung:„Ganz klar die WM 2012. Das war die größte Weltmeisterschaft, die wir hier jemals hatten. Das Team mit Hermann Hipf, Harald von Knoerzer-Suckow, wir haben ja auch die riesengroße Eröffnungsfeier im Championspark organisiert. Wir hatten Schnee, ein super Wetter – es war eine gewaltige WM.“

Das prägendste Ereignis:„Auch die WM 2012. Die hat uns nämlich nicht nur viel Freude gebracht, sondern uns alle auch an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Da war man zwischendurch schon mal nahe am Zusammenbruch. Das hat schon geprägt, am Ende aber positiv.“

Meine schlimmste Erfahrung:„Die gab es 2011, im Jahr vor der WM. Der Weltcup war damals der Testlauf für das neue Stadion. Die ganze Woche davor hat es geschüttet, das Besucherzelt stand unter Wasser. Wir mussten Bretter verlegen, dass die Leute überhaupt reingehen konnten. Das war irre.“

Die größte Enttäuschung:„Da gibt‘s eigentlich keine. Biathlon in Ruhpolding war – abgesehen von den verschiedenen Wettersituationen – für mich immer positiv und gut.“

Das lustigste Malheur:„Das ist auch dort passiert. Die Siegerehrungen bei der WM sind ja voll durchgeplant und da mussten wir auch die Fahnen aufziehen. Eine Siegerin war damals Darja Domratschewa aus Weißrussland. Ich hatte meinen Knopf im Ohr und höre über Funk, wie der für die Fahnen Zuständige nach Details der kasachischen Fahne fragte – kurz, bevor die Athleten auf die Bühne marschiert sind. Ich sagte nur ins Mikro rein: ,Domratschewa ist aus Weißrussland, nicht Kasachstan.‘ Und dann habe ich über Funk die ganze Hektik mitbekommen: Die weißrussische Fahne musste erst noch geholt werden, wir haben derweil die Ehrung unauffällig in die Länge gezogen. Nach außen ist alles ganz normal abgelaufen, im Ohr hatte ich aber das ganze Chaos. Danach haben wir eine halbe Stunde lang nur gelacht.“

Die liebenswertesten Kollegen:„Meine ganzen Kollegen vom Rahmenprogramm natürlich! Ernsthaft: Durch diese vielen ehrenamtlichen Helfer bauen sich so viele gute Beziehungen auf. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen ist so harmonisch, das passt einfach.“

Die bemerkenswertesten Sportler:„So einer wie Ole Einar Björndalen, der einfach wahnsinnig nett und normal ist, obwohl er so ein Superstar ist. Das ist ein herausragender Mensch. Und natürlich die Magdalena Neuner. Die hat eine so tolle Ausstrahlung und eine Nettigkeit von Grund auf! Da hat man immer eine gute Stimmung, wenn man sie sieht.“

Der größte Publikumsliebling:„Ganz klar die Magdalena. Und auch der Ole Einar. Der hat ja die Junioren-WM hier schon mitgemacht, wo dann ja auch sein Stern aufgegangen ist. Seitdem ist er mit Ruhpolding besonders verbunden. Der wird hier immer erkannt und immer geliebt.“

Die wichtigste Errungenschaft:„Der Neubau des Stadions. Nicht nur, weil es jetzt als ein Aushängeschild für den Biathlon-Sport dasteht, sondern weil wir auch mitwirken durften. Alle Abteilungen durften ihre Wünsche äußern und mitplanen. Jeder hat seinen Bereich mitgestalten können. Genau deshalb ist es auch so geworden, wie es jetzt ist.“

Mein Lieblingsort:„Mittlerweile die Sonnentribüne. Zum einen der Blick auf das Sonntagshorn und unsere schönen Berge. Zum anderen der Blick ins Stadion Richtung Hörndlwand mit Tribünen rechts, dem Schießstand links und davor die Strecke mit den vielen Zuschauern. Das ist gewaltig!“

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