Starkes Unterzahlverhalten

Dimitri Litesov(vorne) traf auch in Weiden. Gebert

Rosenheim – Wie ging früher die Reklame für den VW Käfer?

Und läuft und läuft und läuft… Das Gleiche könnte man für das Auftreten der Starbulls Rosenheim in der jüngsten Vergangenheit konstatieren. Von einigen minimalen Stotterern (1:3-Rückstand in Höchstadt oder drei Gegentore gegen Deggendorf in kürzester Zeit) einmal abgesehen, läuft der Starbulls-Motor derzeit nicht nur rund, sondern fast schon auf Höchstleistung.

Nur zwei Minuspunkte in den letzten neun Begegnungen, eins im Penaltyschießen verloren, acht in regulärer Spielzeit gewonnen – und dies keineswegs mit Glück, sondern durchaus verdient und leistungsgerecht. Wer hätte noch vor dreieinhalb Wochen, als die Grünweißen auf Rang sechs herumdümpelten, damit rechnen können, dass sie irgendwann engster Verfolger von Tabellenführer Memmingen sein würden und ihren zweiten Platz heute in Deggendorf sogar möglicherweise ausbauen könnten? Begünstigt wurde dieser Lauf an diesem Wochenende allerdings auch vom sensationellen Straucheln der Deggendorfer beim abgeschlagenen Schlusslicht in Höchstadt und dem Memminger Stolperer in eigener Halle gegen Füssen.

Die Starbulls selbst hatten es an diesem Wochenende mit zwei Teams zu tun, die jeden Punkt im Kampf gegen die Abstiegs- beziehungsweise Qualifikationsrunde mit den besten Bayernligisten dringend benötigen. Dieses Rennen erweist sich aber eher als Schneckenrennen, denn von den drei noch gefährdeten Klubs konnte lediglich Sonthofen, diesmal kein Gegner der Starbulls, drei Punkte holen. Sowohl Selb als auch Weiden gingen in beiden Begegnungen des Wochenendes leer aus. Dabei waren die Selber der wesentlich unangenehmere Kontrahent als die Weidener.

Fast schon traditionell laden die Blue Devils aus der Oberpfalz zur Offensive ein. In neun der zwölf Partien, die sie gegen die Starbulls seit deren Abstieg in die Oberliga bestritten, kassierten sie fünf Treffer oder mehr! Und mehr noch: In den drei Spielen, die die Rosenheimer in der laufenden Saison gewannen (eines verloren sie ja im Penaltyschießen), sorgten sie stets ziemlich schnell für eine Vorentscheidung. In den beiden Heimspielen (5:0 und 6:0) lagen sie bereits in der 13. beziehungsweise 21. Minute mit 3:0 in Führung, diesmal dauerte es auswärts bis zur 16. Minute. Lediglich gegen Regensburg (19. Minute) konnten Höller & Co. in den elf Partien, in denen sie mit mindestens drei Toren Differenz führten, ähnlich schnell eine solch sichere Führung herausschießen.

Endgültig den Sack zu machte Dimitri Litesov (zwei Tore an diesem Wochenende, doppelt so viele wie in allen Spielen davor) mit dem 4:1 in der 49. Minute. Und diese gehört zu einer recht interessanten Spielphase, in der die Starbulls heuer die meiste Dominanz ausstrahlen. Wenn sie die ersten beiden Spielminuten des Schlussabschnitts (Saisonbilanz bisher 0:5) überstanden haben, geht oft voll die Post in Richtung gegnerisches Tor ab! Von der 43. bis zur 49. Minute haben Höller, Baindl & Co. bei nur vier Gegentreffern sage und schreibe 19 eigene erzielt und dabei mehrmals einen Rückstand gedreht beziehungsweise eine Führung entscheidend ausgebaut! Litesovs Tor fiel übrigens bei eigener Unterzahl, ebenso wie der einzige Gegentreffer – kein sehr häufiges Geschehnis!

Nicht nur wegen Litesovs Shorthander war das Unterzahlverhalten wieder stark wie seit Wochen. Gerade in der kritischen Drei-gegen-Fünf-Phase gegen Selb, als durchaus eine Wende zugunsten der Wölfe möglich war, bewiesen die Starbulls Einsatz, Kampfgeist und Nervenstärke. Und auch in Weiden überstanden sie sieben volle Unterzahlphasen schadlos! Ein großes Lob auch an Luca Endres, der zusammen mit Lukas Steinhauer vor dem Selber Ausgleich 118:04 Minuten unbezwungen geblieben war (außer im Penaltyschießen), mit Abstand die längste Phase in dieser Saison und die siebtlängste in der Rosenheimer Oberliga-Historie) und so nebenbei auch noch den Führungstreffer durch Kumeliauskas durch einen ersten Pass einleitete und damit schon sein zweites Assists verbuchte. Nach dem Weidener Treffer hielt er den Kasten dann wieder fast 45 Minuten lang sauber.

Zwei Sätze zum Selber Tor: Zwar lag der Schiedsrichter in punkto Torraumabseits richtig, als er den Treffer gab, da der halb im Torraum liegende Kabitzky den Torhüter nicht behinderte und nicht ins Geschehen eingriff. Aber wenn man vergleicht, wie schnell fast alle Referees abpfeifen, wenn sie den Puck mal kurz nicht im Blick haben, auch wenn dieser deutlich noch spielbar ist, durften Lanny Gare und ein weiteren Stürmer – überspitzt ausgedrückt – endlos unter Endres herumstochern.

Und zum Abschluss noch vom defensiven zum offensiven Ende des Eises: Eine Klasse für sich ist derzeit zweifellos Max Vollmayer. Der mit Abstand offensivstärkste Verteidiger der Liga war in Weiden an vier der fünf Treffer beteiligt und hat in den letzten sieben Partien allein 14 (!) Treffer vorbereitet. Seine 36 Assists werden nur von einem einzigen Spieler der Liga, dem finnischen Center in Riesserseer Diensten, Eetu-Ville Arkiomaa, noch um vier übertroffen.

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