Starbulls-Vorstand Thaller: „Kommen mit einem blauen Auge davon“

Ungewissheit:Wer in der kommenden Saison für die Starbulls Rosenheim auflaufen wird, wann und gegen wen – aktuell sind noch viele Fragen offen. Ziegler

Kaum war die Eishockey-Saison in Deutschland abrupt beendet worden, hatten die Starbulls Rosenheim Bilanz gezogen. Knapp 130 000 Euro an fehlenden Einnahmen bilanzierte Vorstand Marcus Thaller damals. Fünf Wochen später hat sich die Situation verbessert.

Rosenheim– Mittlerweile ist bei den Starbulls und im Umfeld einiges geschehen: Eine Spendenaktion sowie die Beantragung von Kurzarbeit und staatlicher Förderung haben den Eishockey-Oberligisten entlastet. Und Thaller kann mittlerweile konstatieren: „Für die aktuelle Situation kommen wir mit einem blauen Auge davon.“ Die Planungen für die Zukunft sind deshalb aber nicht einfacher. Im exklusiven Gespräch mit der OVB-Sportredaktion spricht der Starbulls-Vorstand über...

Die Finanzsituation

„Unsere Situation ist insgesamt wieder entspannter“, sagt Thaller. Mitgeholfen haben unter anderem die 35 000 Euro, die über den virtuellen Ticketverkauf zusammenkamen. „Das ist super, vielen Dank nochmals an alle Unterstützer“, so der Rosenheimer Vorstand. Dazu habe man Kurzarbeit für die hauptamtlichen Trainer und Angestellten beantragt. Dabei werden 60 Prozent (ohne Kind) beziehungsweise 67 Prozent (mit Kind) plus die Sozialabgaben für den Arbeitgeber übernommen. Vom Freistaat wurde zudem Soforthilfe genehmigt. „Wir haben die umgehend beantragt und das hat wunderbar funktioniert“, sagt Thaller.

Die fehlenden Einnahmen

„Es ist noch ein Tick zu früh, um das Ganze zu bewerten“, sagt Thaller, „aber aber der Fehlbetrag wird deutlich geringer“. Zumal die Starbulls noch Versteigerungsaktionen planen, wo noch Gelder generiert werden können. „Der Dampf ist erst einmal vom Kessel“, sagt der Starbulls-Vorstand – auch, weil die Rosenheimer laut Thaller „sehr positive Rückendeckung“ von der Sponsorenfront sowie „große Unterstützung von Fanseite“ erhalten haben. Aber: „Die Ungewissheit für die Zukunft ist groß.“

Die Bauarbeiten im Stadion

Bereits im Februar sind die Vorkehrungen für Umbauarbeiten getroffen worden. „Die Maßnahmen laufen gut“, erklärt Thaller – und stellt fest: „Mit den Play-offs wäre das so gar nicht möglich gewesen.“

Die gewünschte zweite Eisfläche

„Momentan ist die gesamte Situation schwierig. Jetzt braucht jeder erst einmal Zeit, um die Folgen der Corona-Krise beurteilen zu können. Wir werden weiter alles dafür tun, dass an der Umsetzung der zweiten Eisfläche gearbeitet wird, Hand in Hand mit der Stadt.“

Die Planungen für die neue Saison

Das Aussetzen der Großveranstaltungen bis Ende August kommt immer näher an den geplanten Saisonstart heran. „Wir haben sechs oder sieben verschiedene Szenarien skizziert, die eintreffen können“, gibt Thaller Einblicke in die Gedanken der Starbulls-Führung – und zählt auf: „Normaler Start, späterer Saisonbeginn, Abbruch der Saison, Unterbrechung, weil Corona wieder ausbricht, Geisterspiele, ein Wegfallen von Sponsoren, Spiele mit einer begrenzten Anzahl an Zuschauern oder eine Komplettabsage der nächsten Saison.“ Thallers Fazit: „Es ist schwierig, für alles eine ideale Lösung zu haben.“ Das schlimmste Szenario: Geisterspiele. „Wir haben kaum Einnahmen vom Fernsehen, Sprade-TV macht nur einen Bruchteil davon aus, was an einem Spieltag reinkommt.“ Und er macht klar: „Bevor wir Geisterspiele haben, fangen wir lieber noch einen Monat später an.“

Die Liga-Zusammensetzung

Sonthofen hat einen Insolvenzantrag gestellt und fällt aus der Oberliga raus, Höchstadt darf drinbleiben – aktuell sind es elf Vereine im Süden. Möglicherweise kommt ein Nachrücker aus der Bayernliga, im Gespräch sind Miesbach, Passau oder Landsberg. „Das erste Ziel wird sein, wieder zwölf Teams zu erreichen“, sagt Thaller, verrät aber auch: „Für mich sind der Idealfall 14 Mannschaften.“

Oberliga-Zuwachs aus Österreich

Ganz offen geht die VEU Feldkirch aus Vorarlberg damit um, das Land für den Spielbetrieb zu wechseln. Die Gerüchteküche bringt auch Zell am See oder Kitzbühel ins Gespräch. Als Beispiel dienen die Tilburg Trappers aus den Niederlanden, die nun schon seit mehreren Jahren im Spielbetrieb der Oberliga Nord eingegliedert sind. Zunächst hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) in Form von Vizepräsident Marc Hindelang eine deutsche Lösung bevorzugt. Thallers Meinung: „Das müssen die Verbände untereinander ausmachen. Zunächst ist einmal wichtig, dass es zwölf Teams werden, damit wir eine gewisse Anzahl von Spielen haben.“ Für eine Teilnahme eines österreichischen Clubs tun sich für den Starbulls-Vorstand noch elementare Fragen auf: „Was passiert, wenn beispielsweise Feldkirch gegen Tilburg im Finale spielt?“

Die Situation für Vereine und Spieler

„Wir sehen das als Chance für den Nachwuchs – nicht nur bei uns, sondern allgemein in Deutschland. Junge Spieler werden sicherlich mehr Chancen bekommen, sich zu zeigen“, sagt Thaller – und sieht Rosenheim da durchaus im Vorteil: „Wir haben gute junge Spieler, was uns die Planung sicherlich etwas erleichtert.“ Für den Rosenheimer Vorstand sind die Spieler die Leidtragenden dieser Situation: „Aller Voraussicht nach geht man die Kostenspirale nicht mehr mit. Das kann kein Verein, wenn er vernünftig wirtschaftet“, so Thaller, der vermutet, „dass die Gehälter runtergehen“. Gut möglich, dass es noch viele vertragslose Spieler gibt, wenn die neue Saison losgeht.

Neue Klauseln in Verträgen

Bei seiner ersten Bilanz nach dem Saisonende hatte Thaller davon gesprochen, dass vorbereitete Vertragsangebote noch zurückgehalten wurden. Nun werden Verträge neu ausgearbeitet – und quasi eine „Corona-Klausel“ eingebaut. „Wir werden allgemein die Verträge rechtlich überarbeiten lassen und für den Verein möglichst flexibel gestalten“, so Thallers Ansage. Rosenheim habe sich immer ausgezeichnet, starre Verträge zu machen, damit die Spieler Sicherheit hätten, so der Starbulls-Vorstand. „Jetzt gilt es, den Verein vor allen Szenarien zu schützen.“ Dabei werde man sich auch daran orientieren, was die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) in den höchsten beiden Spielklassen macht. „Dazu sind wir eigenständig mit unseren Rechtsberatern in Kontakt.“

Die Kaderplanung in Rosenheim

„Wir haben ja schon einen größeren Stamm beisammen, darunter etliche unserer jungen Spieler. Natürlich halten wir uns an den Beschluss aller Oberliga-Vereine und werden bis Ende April keine Entscheidungen treffen“, sagt Thaller. Die Kaderplanung obliegt Cheftrainer John Sicinski in Verbindung mit der Vorstandschaft und Organisations-Chef Ingo Dieckmann. „Bezüglich der jungen Spieler sind auch die Nachwuchstrainer mit eingebunden“, so der Statbulls-Vorstand, der verrät: „Auch Daniel Bucheli bringt sich ein.“ Stürmer Bucheli hatte nach der Saison seine Karriere beendet und wechselt nun in die Organisation der Rosenheimer, wo er eh schon teilweise tätig war.

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