Starbulls-Schwäche bei Kontern

Die Entscheidung in Selb: Die Rosenheimer jubeln über das 4:2 von Matthias Bergmann (Zweiter von links). Wiedel
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Die Entscheidung in Selb: Die Rosenheimer jubeln über das 4:2 von Matthias Bergmann (Zweiter von links). Wiedel

Rosenheim – Als Tabellenvierter ein Wochenende mit Spielen gegen den Dritten und den Ersten, da ist man doch sicher froh, den Tabellenplatz zu halten, oder?

Doch obwohl die Starbulls nach den Begegnungen gegen Selb und Deggendorf sogar einen Rang höher stehen als zuvor, mag sich keine rechte Zufriedenheit einstellen, denn mit etwas mehr Konzentration wäre sogar ein Sechs-Punkte-Wochenende drin gewesen. An Rang drei hätte das nichts geändert, aber anstelle eines Vier-Punkte-Rückstands stünde man gleichauf mit den Niederbayern hinter Tabellenführer Memmingen! Aber Vorsicht: Auch zum Achten, derzeit Weiden, beträgt der Abstand nur vier Zähler, umgerechnet ein schwaches Wochenende.

Erster Sieg in Selbnach dem Abstieg

Den Sieg in Selb konnte man nicht unbedingt erwarten, im Gegenteil: Noch nie hatten die Starbulls dort seit dem Abstieg in die Oberliga gewinnen können. Diesmal aber reichten im Gegensatz zum ersten Gastspiel vor zwei Jahren (4:8) vier Treffer auch zum Sieg, weil nach der schnellen Führung der Gastgeber (wieder zwei Tore binnen eineinhalb Minuten) Luca Endres & Co. für über 50 Minuten den Kasten dichtmachten und für den einzigen Auswärtssieg des Tages sorgten. Und das beim drittbesten Heim-Team in einer Liga, in der heuer immer noch fast die Hälfte aller Matches ans Auswärts-Team geht. Am Sonntag dann war mit Deggendorf dann die beste Auswärts-Mannschaft zu Gast, und da waren es dann schon wieder 50 Prozent Auswärtssiege.

Völlig untypisch verlief in beiden Spielen diesmal das Auftaktdrittel, das jeweils 2:2 endete. Vier Tore zu Beginn, das hatte es in dieser Saison erst ein einziges Mal gegeben, eben beim ersten Gastspiel in Deggendorf. Damals liefen die Dinge aber grundsätzlich anders. Da führten die Gastgeber nach 20 Minuten bereits 4:0, und für Lukas Steinhauer war die Partie gelaufen. Diesmal ging es ergebnismäßig immer auf und ab: viermalige Rosenheimer, zweimalige (und endgültige) Deggendorfer Führung: Das Spiel stand permanent auf Messers Schneide. Damals schossen die Rosenheimer nach dem 0:4 noch vier Treffer am Stück, doch im Gegensatz zum Freitag-Spiel in Selb reichten diese nicht für einen Punktgewinn.

Natürlich darf man sich fragen, wie es am Sonntag ausgesehen hätte, wenn Selb seine drei Topkräfte Rene Röthke, Andreas Gawlik und vor allem Thomas Greilinger (zusammen vier Tore gegen Rosenheim beim ersten Match) dabei gehabt hätte, aber man sollte doch nicht vergessen, dass auch den Starbulls mit Daniel Bucheli, Michael Fröhlich und Kevin Slezak, der wohl vor allem beim kurz bevorstehenden Penaltyschießen vermisst worden wäre, drei wichtige Stammspieler fehlten.

Powerplay-Quote bei27 Prozent

Wie schon seit Wochen war ein Hauptgrund für die Punktgewinne, dass Rosenheimer Strafzeiten kaum negative Ergebnisse zeitigen. Zwar ließen Bergmann & Co. je einen Treffer zu (insgesamt nur drei in den letzten neun Partien), aber ohne den fatalen individuellen Fehler von Linden am Sonntag wäre man sogar gegen Deggendorf wieder ohne Schaden geblieben. Was dagegen eklatant auffiel: Die Starbulls sind einfach anfällig für eiskalte Konterspieler wie die Deggendorfer Andrew Schembri und Christoph Gawlik oder zum Beispiel bei der Heimniederlage gegen Selb vor einigen Wochen Ian McDonald und Lanny Gare. Das eigene Powerplay funktioniert nach wie vor auf zufriedenstellendem Niveau (Zweiter in der Liga mit über 27 Prozent), wobei aber diesmal auffiel, dass man meist im ersten Powerplay (am Sonntag ein herrlicher Treffer durch Marinus Reiter, sein erster) oder im zweiten (wie in Selb) Zählbares zustande bringt, um dann im Verlauf des Spiels nachzulassen. Neben dem Überzahltor von Tadas Kumeliauskas fielen übrigens in Selb noch zwei Rosenheimer Treffer bei angezeigter Strafe gegen die Wölfe. Der Litauer war auch wesentlich beteiligt am Ausgleich gegen Deggendorf 20 Sekunden vor Schluss, bei dem wohl Dimitri Litesov gegen seine Ex-Kameraden noch den Schläger dran hatte. Erstmals heuer schafften die Starbulls tatsächlich noch den Ausgleich mit sechs gegen fünf; dreimal zuvor war dies „in die Hose gegangen“, unter anderem in Deggendorf. Im Gegensatz dazu gelang Füssen und Regensburg im Spiel ohne Torwart ein Treffer gegen die Rosenheimer.

Nicht zum ersten Mal drängte sich am Sonntag der Eindruck auf, die Starbulls seien zum Ende des Spieles hin stehend K.o., die nüchternen Zahlen der letzten zehn Begegnungen sprechen aber eine andere Sprache.

Nimmt man das in jeder Hinsicht außergewöhnliche Schützenfest gegen Füssen (6:0 im Schlussabschnitt) und den Zusammenbruch gegen Peiting (0:3) als „Ausreißer“ einmal aus, schossen Höller & Co. in den letzten 20 Minuten zwar nie mehr als ein Tor (insgesamt fünf), kassierten aber dabei auch nur drei.

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