Starbulls-Eishockeyfans sind sich einig: „Der Abbruch der Saison ist zu 100 Prozent richtig“

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Die Dauerkarten für die Starbulls-Eishockey-Saison 2019/2020 können entsorgt werden.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Der DEB hat zwar auch am Mittwoch bis 18.30 Uhr noch keine Stellungnahme veröffentlicht und jetzt für Donnerstag 12 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt,  aber viele Vereine haben ihre Fans bereits über das Saisonende in der Oberliga  via Facebook informiert. 

Rosenheim - Der Nord-Zweite Herne meldete am Mittwoch gegen 14 Uhr auf seiner Homepage: „Over and out. Sommerpause anstatt geilster Eishockey-Zeit des Jahres. Der Deutsche Eishockey Bund (DEB) hat die Aufstiegs-Play-offs zur DEL2 abgesagt.“ Die DEL und DEL2 hatten bereits am Dienstag wegen des Coronavirus gehandelt.

Schon bevor das Saisonende in der Eishockey-Oberliga offiziell wurde, bat die OVB-Sportredaktion im Forum der Starbulls Rosenheim um Stellungnahmen der Fans, die sich auch kurzfristig und ausführlich zu Wort meldeten.

„SBRStephan“ sagt: „Menschenleben gehen vor Eishockey“

„SBRStephan“ aus dem Starbulls-Forum schrieb zum Saison-Aus, zum Abschneiden der Starbulls und zum Ausblick auf die neue Saison: „Jetzt ist das Saison-Ende also noch früher gekommen, als selbst die größten Pessimisten das vor der Saison befürchtet hatten. Noch vor dem ersten Play-off-Spiel ist die Saison beendet. Und angesichts der bedrohlichen Lage durch das Coronavirus ist das zweifellos auch besser so. Dass das in den einschlägigen Internetforen und sozialen Netzwerken immer noch diskutiert werden muss, stößt bei mir auf vollkommenes Unverständnis. Quervergleiche zu anderen Lebensbereichen kranken dabei meist an der Einsicht, dass Eishockey eben nur ein Zeitvertreib ist. Ein schöner zwar, aber mehr eben auch nicht. Menschenleben gehen vor Eishockey. Das sollte doch jedem klar sein.

Saisonende fast Glück im Unglück

Aus Starbulls-Sicht muss man fast sagen: Glück im Unglück. Dass Playoffs auch ihre eigene Dynamik entwickeln können, ist bekannt. Aber angesichts der hinter uns liegenden Saison träumen wohl nur noch die größten Optimisten von einem erfolgreichen Abschneiden mit Finaleinzug oder gar Aufstieg. In der Oberliga-übergreifenden Playoff-Setzliste (aus Nord und Süd) rangieren die Starbulls gerade mal auf Platz 10! Heimrecht hätte es (fast) sicher in keiner Play-off-Serie mehr gegeben und unsere Auswärtsschwäche ist hinlänglich bekannt. Hätten wir einen guten Lauf mit realistischen Chancen auf das Finale gehabt, wäre dieses vorzeitige Saisonende extrem bitter. Aber so…

Schlechtere Platzierung als unter Manuel Kofler

Eins der letzte Starbulls-Tore in dieser Saison: Litesov traf gegen Weiden zur 1:0-Führung.

Am Ende stehen die Starbulls nach dieser Saison sogar noch schlechter da, als nach der von vielen als katastrophal empfundenen letzten Spielzeit unter dem damaligen Trainer Markus Kofler. Die Niederlagen waren heuer zumindest besser verteilt und auch die Verletztenmisere hatte sicherlich einen Anteil daran. Aber es scheint insgesamt auch einfach mehr Vertrauen in unseren neuen Trainer John Sicinski da zu sein. Und das nicht ganz ohne Grund. Schließlich hat dieser seine Qualität als Oberliga-Trainer in der Vergangenheit schon in Peiting und vor allem mit dem Aufstieg mit Deggendorf unter Beweis gestellt. Oft wird ihm auch zugutegehalten, dass bei seiner Verpflichtung der Starbulls-Kader bereits zu großen Teilen stand und er deswegen keine freie Hand bei der Zusammenstellung des Teams hatte. Nächste Saison wird das anders sein. Und dann gibt es auch keine Ausreden mehr.

Benötigen keinen großen Umbruch

Für die kommende Spielzeit gilt es jetzt also die Weichen zu stellen und ein schlagkräftiges Team formen. Dabei muss man natürlich genau analysieren, was im Vergleich zu dieser Saison verbesserungswürdig ist. Ganz einfach ist das nicht, denn nominell sieht auch unser aktueller Kader sehr gut aus und vor der Saison sahen uns ligaweit viele Fans und Experten deutlich weiter vorne, als es jetzt am Ende der Fall war. Auch deswegen glaube ich gar nicht, dass wir einen großen Umbruch im Team benötigen. Vielmehr einen Wechsel auf einigen entscheidenden Spitzenpositionen. So sind doch einige vermeintliche Leistungsträger deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben und genau hier muss man ansetzen.

Die Fans wollen den Aufstieg – das ist auch legitim

Die Erwartungshaltung ist hoch in Rosenheim. Ob der Aufstieg nun offizielles Saisonziel ist oder nicht, es ist das, was die Fans wollen, und das ist angesichts unseres Standorts mit seinen Möglichkeiten auch legitim. Dass man dazu immer auch eine Portion Glück braucht, ist vollkommen klar. Aber man muss zumindest über die Saison konstant ganz vorne mitspielen und sich eine starke Ausgangsposition für die Playoffs sichern. Garantien gibt es auch dann keine, aber zumindest eine realistische Chance.“

Starbulls-Fan aus dem Rheinland: „Saisonende zu 100 Prozent nachvollziehbar“

Dominik Hadamitzky  (42 Jahre) ein jahrelange Starbulls-Fans aus dem Rheinland (Andernach) verfolgt die Rosenheimer Eishockeyspieler schon seit seiner Jugendzeit. Seine Meinung zum Saisonende: „Das abrupte Ende der Oberliga-Eishockey-Saison 2019/20 ist natürlich aus sportlicher und emotionaler Sicht für die Spieler, Fans und Verantwortlichen sehr bitter, wirtschaftlich für unsere Starbulls und viele andere Vereine wird es noch eine extreme Herausforderung werden. Die muss nun sehr sensibel gemanagt werden, aber aus gesundheitlicher und medizinischer Sicht ist das Saisonende zu 100 Prozent nachvollziehbar, sinnvoll und erforderlich. Da darf es keine zwei Meinungen geben. Die Gesundheit ist das oberste Gut und wir wollen alle die neue Saison gesund und virenfrei erleben.

Saison war ein Wellenbad der Gefühle

Starbulls-Fan aus dem Rheinland: Dominik Hadamitzky

Die Saison war aus meiner Sicht ein Wellenbad der Gefühle, ein Auf- und Ab zwischen den Leistungen der Heim- und Auswärtsspielen, trotzdem hat die Mehrheit der Spiele mir und auch meinen Kindern viel Freude bereitet. Die Mannschaft wurde auf jeden Fall während der Saison top verstärkt, ob man bei ausgetragenen Play-offs eventuell aufgestiegen wäre, das weiß nur der Eishockey-Gott.

Auf jeden Fall hat der Verein viele richtige Hebel in Bewegung gesetzt und unsere Trainer werden für die kommende Saison eine super Truppe aufstellen mit der man sicherlich große Ziele (Aufstieg) erreichen kann. Ich persönlich schalte jetzt in den "Inlinehockey-Modus" denn das ist ein Ganzjahres-Sport und beobachte zudem gespannt die Planungen für die neue Saison unseres SBR.“

Spielerisch Fortschritte gemacht

Starbulls-Fan Manfred Ried  hofft auf eine schnelle Entspannung der Situation: „Der Abbruch der Saison ist zwar traurig, aufgrund der Unklarheiten und Ausbreitung des Virus aber nachvollziehbar. Man kann nur hoffen, dass sich die Lage bis zur neuen Saison wieder entspannt. Die Saison verlief bis einschließlich Januar zufriedenstellend und man machte spielerisch Fortschritte. Die Auswärtsschwäche kostete den Starbulls letztendlich eine gute Endplatzierung und war viele Fans nicht nachvollziehbar, da man auf heimischen Eis starke Leistungen zeigte. Die Absage ist auch traurig, da man wahrscheinlich einige Spieler im nächsten Jahr nicht mehr sehen wird, die sich vielleicht noch einmal mit erfolgreichen Play-Offs von den Fans verabschieden wollten. Man kann nur hoffen, dass den Starbulls und den Rest der Eishockeyvereine wie in der DEL, DEL 2 und Oberliga kein enormer finanzieller Schaden entsteht und wir eine Pause ohne jährliches Sommertheater erleben dürfen.

Nach drei erfolglosen Jahren oben angreifen

Im Hinblick auf die neue Saison wünsche ich John Sicinski und Derek Meyer ein gutes Händchen in der Kaderzusammenstellung. Man wird den Headcoach an seinen Aussagen bei der Vertragsverlängerung messen, bei der er versprach nächstes Jahr ein Top-Team in Rosenheim zusammenzustellen. Nach drei eher erfolglosen Jahren wird es wieder Zeit endlich oben anzugreifen und gewisse Schlüsselpositionen qualitativ hochwertig zu besetzen. Man darf gespannt sein wie es weitergeht. Langweilig wird es bestimmt nicht. In Rosenheim sowieso nicht...

McNeely 2.0: "Blaues Auge oder Totalschaden"

McNeely2.0  aus dem Rosenheimer Fan-Forum schreibt: „Es ist zwar furchtbar schade, aber ich finde den sofortigen Abbruch des Spielbetriebs absolut richtig, weil erstens die Gesundheit aller wichtiger ist und zweitens der finanzielle Schaden der Vereine sich jetzt noch in Grenzen hält. Spiele mit geringer oder gar keiner Zuschauerbeteiligung verursachen mit Sicherheit ein Minus in den Kassen. Das würde der eine oder andere Verein nicht überstehen. Es kann oder wird sich vermutlich auf die Sponsorensituation auswirken, wenn die Wirtschaft auch noch großen Schaden zu vermelden hat. Es wird sich zeigen wie sich das alles noch entwickelt: Blaues Auge oder Totalschaden.“

Johannes Lederer: „Mir gefällt die Arbeit des Trainers“

Johannes Lederer  hat folgende Meinung zum Abschneiden der Starbulls: „Grundsätzlich gefällt mir die Arbeit der Trainer sehr gut. Obwohl John Sicinski wenig Einfluss auf den vorhandenen Kader hatte, sehe ich ein deutlich attraktiveres Spiel mit vielen Druckphasen, ein besseres Powerplay und was mir sehr gut gefällt, dass man Entwicklung bei einigen Spielern ganz klar feststellen kann. Unterm Strich haben wir leider unsere Chancen in den entscheidenden Momenten oft nicht genutzt. Siehe das Spiel in Füssen, wo wir nach dem ersten Platz greifen konnten und die Chance wieder liegen gelassen haben. Weitere Geschenke in der Defensive haben uns dann oft den Rest gegeben. Ich finde es sehr schade, dass sich die Mannschaft ab dem 46. Spieltag nicht mehr wirklich belohnen konnte und so noch auf Platz 5 abgerutscht ist. Ich finde nicht, dass diese Platzierung wirklich die Spiele widergibt, eher die an mancher Stelle noch fehlende Cleverness.

Sicinski wird einen guten Kader zusammenstellen

Für die neue Saison bin ich grundsätzlich zuversichtlich, dass John Sicinski sich einen Kader zusammenstellen wird, der uns viel Freude bereiten wird und hoffe, dass man Spieler wie Baindl, Höller, Mitchell, Kumeliauskas und vor allem Smith (Aufzählung nicht vollzählig) halten kann.

Ohne Eishockey wird mir jetzt auch nicht langweilig: Ich bin Trainer einer Damen-Fußballmannschaft und habe neben meiner normalen Tätigkeit bei BMW noch einen Trachtenschmuck Laden. Trotzdem freu ich mich jetzt schon drauf, wenn es wieder los geht und ich mit meinen zwei Söhnen das ein oder andere Spiel im Stadion sein kann.“

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