Starbulls-Eishockeycoach John Sicinski: „Unsere Ausländer müssen Spiele entscheiden“

+
Starbulls-Coach John Sicinski spricht über seinen runderneuerten Kader.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
    schließen

Rosenheim - Die Eishockeyspieler der Starbulls Rosenheim haben mit dem Sommertraining begonnen. Eine gute Gelegenheit um mit Trainer John Sicinski über das neue Team zu sprechen. Jung, hungrig, ehrgeizig lautet das Motto und der Coach sagt: „Mit unseren Ausländern werden wir viel Freude haben“.

Eine so lange Zeit ohne Eishockey. Haben Sie das schon einmal erlebt?

John Sicinski: Seit ich mit vier Jahren mit dem Eishockey begann, hatte ich nicht mehr so eine lange Pause. Man ist es ja gewohnt vier Monate Sommerpause zu haben, aber dass es jetzt so lange dauern wird ist nicht normal. Ich hoffe nur, dass das Veranstaltungsverbot nicht noch einmal verlängert wird, weil ansonsten unser Saisonstart noch nach hinten verschoben wird. Momentan steht alles in den Sternen.

Wie sieht der Fahrplan für die nächsten Wochen aus?

Sicinski: Wenn ich das mit Sicherheit sagen könnte. Ich habe meinen Plan bei der Vorstandschaft abgegeben, aber das hängt nicht allein von uns ab. Rund 14 Spieler Jungs machen jetzt dreimal pro Woche Sommertraining und wir wollten eigentlich am 15. August aufs Eis gehen. Das wird sich wohl nach hinten verschieben.

Was sagt Ihr Gefühl. Wann startet die Saison?

Sicinski: Mein Plan ist, dass wir Anfang September Fitness-Tests absolvieren und ab Mitte September aufs Eis gehen. Der vorläufige Spielbeginn ist für 16. Oktober geplant, aber es gibt auf alle Fälle noch sehr viele Fragezeichen. Es ist ja auch die Frage wie viele Zuschauer dürfen wir ins Stadion lassen? Können wir jeden dritten Sitzplatz belegen, muss jeweils 1,5 Meter Abstand im Stadion eingehalten werden? Bei der Kapazität von 4800 Zuschauern könnten wir eventuell 1200 Fans reinlassen.

Also können Sie sich Geisterspiele gar nicht vorstellen?

Sicinski: Auf gar keinen Fall, weil das auch finanziell nicht möglich ist. Wir sind nicht in der Fußball-Bundesliga mit den hohen Fernsehgeldern und den großen Sponsoren. Geisterspiele wären für uns nur mit Ausgaben verbunden. Wir hätten keine Einnahmen. Das ist nichts zu stemmen. Das sagt übrigens auch die DEL.

Noch einmal kurz zurück in die letzte Saison. Mal ganz ehrlich: Was wäre in der Play-off-Runde für die Starbulls drin gewesen?

Sicinski: Wie die Play-off Runde gelaufen wäre, ist schwer zu sagen. Ich will die letzte Saison auf alle Fälle nicht schönreden, aber ich habe auch viele positive Dinge gesehen genauso viele Sachen, die mich verwirrt haben. Wir sind fünf Spiele vor Schluss der Meisterrunde in Füssen punktgleich mit dem Ersten und brechen dann total ein. Ab diesem Zeitpunkt haben wir alles verspielt, vier von den letzten fünf Spielen verloren und am Ende nur den 5. Platz belegt. Und das war mehr als ärgerlich.

Erfreulich war, dass die Starbulls zu Hause eine Macht waren.

Sicinski: Das war natürlich überragend. Aber warum wir dann in der Meisterrunde auswärts so schwach waren, verstehe ich nicht. Das habe ich so noch nie erlebt. Wir haben auch immer wieder Umstellungen vorgenommen, defensiver gespielt aber wir haben es immer wieder geschafft die Spiele knapp zu verlieren. Ab einem gewissen Zeitpunkt war es eine Kopfsache. Bis fünf Spiele vor Schluss hatten wir es wie viele andere Teams auch verdient Erster in der Meisterrunde zu werden. Allerdings haben wir dann zu diesem wichtigen Zeitpunkt nicht die Resultate gehabt, die wir gebraucht hätten.

Ihre Erkenntnisse beziehungsweise Lehren aus der letzten Saison?

Sicinski: Ich habe viele Gespräche mit den Jungs geführt. Da habe ich rausgehört, dass in den letzten drei Jahren ein Großteil der wichtigen Spiele verloren wurden Wir haben dann intern viel analysiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir einen Cut in der Mannschaft, einen neuen Charakter, fischen Wind und vor allen Dingen eine ganz neue Mentalität brauchen.

Betrifft dieser Cut in der Mannschaft auch die Ausländer?

John Sicinski will noch einen starken deutschen Stürmer verpflichten.

Sicinski: Wir werden in Kürze bekannt geben wie es auf den Ausländerpositionen weitergeht. Kumeliauskas ist und dabei bleibe ich, einer der stärksten Ausländer in der Liga. Das hat er auch bei uns gezeigt, aber er hat uns eben in der wichtigen Phase mit seinen Toren total gefehlt. Und wenn die Verletzung nächste Saison wieder aufbrechen würde, wäre das für uns eine Katastrophe. Sein Fehlen hat uns definitiv Punkte gekostet. Er hätte bei engem Spielstand das entscheidende Tor machen können. Für die neue Saison ist enorm wichtig, dass unsere Ausländer Spiele entscheiden können. Dafür sind sie da. Sie müssen bei uns die besten Spieler sein.

Die zwei Ausländerstellen sind noch offen, aber ansonsten ist der Kader schon gut besetzt.

Sicinski: Der Kader ist tatsächlich schon fast komplett. Es wird noch ein zweiter Torhüter kommen, ein deutscher Stürmer und eben die zwei Ausländer. Wir haben definitiv in unsere DNL-Mannschaft das Potenzial, um immer wieder Spieler hochziehen zu können. Wenn der Kader komplett ist, werden wir unsere drei Torhüter haben, dazu acht bis zehn Verteidiger und 13 Stürmer.

Vor der Corona-Krise haben Sie gesagt, dass die Starbulls eine Topmannschaft zusammenstellen, die den Rosenheimer Fans viel Freude bereiten wird. Gilt das unter den gegeben Voraussetzungen immer noch?

Sicinski: Unser Ziel ist es immer die bestmögliche Mannschaft auf das Eis zu schicken. Der Vorstand und ich wir arbeiten wirklich vernünftig zusammen. Wir müssen sparen - das steht außer Frage, aber das werden andere Vereine auch tun müssen. Und das macht auch jede Firma zu diesem Zeitpunkt. Es ist jetzt einfach die Chance für unsere jungen Spieler reinzuspringen. Die Mannschaft wird im Durchschnitt wahrscheinlich unter 24 Jahre alt sein und wir werden zu den jüngeren Teams in der Oberliga zählen. Aber diese Jungs haben diese Chance verdient und sie haben auch letzte Saison teilweise schon bewiesen, dass sie in der Oberliga spielen können.

Das könnte Sie auch interessieren: Der aktuelle Starbulls-Kader

Der Kader ist also quantitativ schon gut besetzt. Wo muss nach nachgebessert werden?

Sicinski: In der Spitze sind wir wirklich stark besetzt und wir dürfen nicht vergessen, dass ein Dennis Schütt, der ja letzte Saison nur vier Spiele gemacht hat und der beste Verteidiger in der Oberliga Nord war, praktisch ein Neuzugang für uns ist. Dominik Kolb ist für mich als Neuzugang auch ein Verteidiger mit starker Präsenz auf dem Eis, was er selbst schon in Interviews gesagt hat. An unseren Ausländern werden wir auch viel Freude haben und der letzte deutsche Stürmer muss auch passen. Da haben wir am Montag von einem Kandidaten, den wir gerne haben wollten, leider eine Absage bekommen. Er bekommt in der DEL2 einen Vertrag. Wir sind jetzt schon in der Breite gut aufgestellt einfach jünger, ehrgeiziger, hungriger und genau das wollten wir.

Jung und hungrig ist gut, aber dazu braucht es auch Führungsspieler.

Sicinski:  Die haben wir definitiv. Im Tor mit Andreas Mechel als Nummer eins, in der Defensive haben wir sechs gestandene Oberliga-Verteidiger und wir werden acht erfahrene Oberliga-Stürmer aufbieten. Wir können auf alle Fälle mit den anderen Mannschaften mithalten. Wir brauchen uns da nicht zu verstecken.

Wann ist die Verpflichtung des deutschen Stürmers geplant?

Sicinski: Da ist momentan nichts auf dem Markt wo ich sage: Sofort zugreifen. Deshalb warten wir noch ein bisschen, weil diese deutsche Position unbedingt sitzen muss. Auf dem Transfermarkt wird sich ab Juli noch einiges bewegen und dann schlagen wir zu.

Kommentare