Lukas Steinhauer muss die Starbulls verlassen: „Ich bin hier daheim, da tut es schon weh“

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Bereits im Tunnel: Der hochkonzentrierte Lukas Steinhauer kurz vor dem Spiel.
  • Thomas Neumeier
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Vier Zeilen auf Din-A4 verkündeten den Abschied von Lukas Steinhauer in der Pressemitteilung der Starbulls Rosenheim vom 22. März. Der Weggang des gebürtigen Rosenheimers, der auch schon bei drei Vereinen in der höchsten deutschen Eishockey-Liga DEL im Einsatz war, verdient aber mehr.

Rosenheim – "Lukas Steinhauer wird die Starbulls nach fünf aufeinanderfolgenden Spielzeiten verlassen. Der Torhüter wechselte im Jahr 2014/2015 vom EHC Klostersee zurück zu seinem Heimatverein. Steinhauer war in den vergangenen Jahren stets ein starker Rückhalt und wurde in der Spielzeit 2017/2018 zum Oberliga-Süd Torhüter des Jahres gewählt.“ So nüchtern stand es in der Pressemitteilung der Starbulls Rosenheim. Die OVB-Sportredaktion wollte mehr wissen, hat sich mit dem 27-Jährigen, der zuletzt fünf Spielzeiten bei den Starbulls zwischen den Holmen verbrachte, zusammentelefoniert und über seine bisherigen Erfahrungen gesprochen.

Herr Steinhauer, wie ist das, als gebürtiger Rosenheimer vor heimischer Kulisse zu spielen?

Lukas Steinhauer: Das ist ein Kindheitstraum, der wahr wird. Ich bin in Rosenheim und im Verein aufgewachsen. Das war immer mein Ziel.

Was waren die besonderen Momente Ihrer Rosenheim-Zeit?

Steinhauer: Das erste große Highlight war für mich der Aufstieg aus der Oberliga in die 2. Bundesliga. Da war ich ja erst frisch aus dem Nachwuchs rausgekommen. Es gab viele schöne Zeiten. Aber auch andere mit dem Abstieg aus der DEL2 – vor allem für uns Rosenheimer war das bitter.

Sie haben die Oberliga-Meisterschaft 2010 angesprochen. Damals hatten Sie als Jungspund Claus Dalpiaz vor sich – was haben Sie sich abgeschaut?

Steinhauer:  Seine Gelassenheit war schon cool, dazu hat er immer wieder seine Erfahrung eingebracht. Mit ihm hatte ich ein super Verhältnis, er ist auch neben mir in der Kabine gesessen und hat mich in den Herrenbereich geführt. Seine Technik war damals die alte Schule, hin und wieder hat er sich auch bei mir nach den Neuheiten erkundigt.

Mit Sigi Harrer haben Sie in Rosenheim einen ganz besonderen Torwarttrainer. Was macht ihn aus?

Steinhauer: Seine ganze Art und die große Leidenschaft, mit der er dabei ist. Es gibt nicht viele, die so darauf schauen, dass es seinen Jungs gut geht. Er kümmert sich um seine Torhüter, ist immer in Kontakt mit uns. Einmal pro Woche haben wir eine Konferenz – und da sind auch Torhüter dabei, die nicht mehr in Rosenheim gespielt haben.

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In der DEL haben Sie für drei verschiedene Vereine gespielt. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Immer ein zuverlässiger Rückhalt: Lukas Steinhauer

Steinhauer: Das war super cool und es hat einen Riesenspaß gemacht. Man will ja auch immer so hoch wie möglich spielen. Hannover war damals Meister, als ich gekommen bin. Da war alles sehr professionell. München hatte seine Probleme, dann ist Red Bull dort eingestiegen – und es hatte sich damals schon angedeutet, wie der Plan für die Zukunft aussieht. Schwenningen war da schon etwas ganz anderes: Eishockey hat dort einen riesigen Stellenwert, dazu war es sehr familiär.

Sie hatten dabei sicher auch sehr gute Vorderleute...

Steinhauer: In München war Joey Reimer der Wahnsinn, in Schwenningen hatte Dimitri Pätzold schon reichlich Erfahrung und hat viel erzählen können. Travis Scott hatte Hannover zur Meisterschaft geführt. Der hat im Tor eigentlich vogelwild ausgeschaut, hat aber gehalten wie wahnsinnig.

Und hinter DEL-Verteidigern fühlt man sich sicher?

Steinhauer:   Da waren schon einige Jungs dabei, die sehr gut waren. Ich erinnere mich an Aris Brimanis in Hannover, der war schon 38, hat aber davor in Nordamerika in der NHL gespielt.

Bereits mit Klostersee wurden Sie Torhüter des Jahres in der Oberliga Süd – ist es Ihnen lieber, wenn viel aufs Tor kommt?

Steinhauer:  Jeder Torhüter tut sich leichter, wenn er mehr aufs Tor kriegt. Und man hat weniger Zeit, um nachzudenken. Die letzten Jahre war es schon schwieriger: Wenn du in einem Spiel nur 15 Schüsse aufs Tor bekommst, dann führst du Selbstgespräche.

Wie halten Sie die Konzentration hoch?

Steinhauer: Mit Augenübungen oder verschiedenen Atemtechniken.

Torhüter zu sein ist ein ganz anderes Spiel...

Steinhauer: Ja, das kann man nicht nachvollziehen, wenn man es nicht selbst schon erlebt hat.

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Einer, der es nachvollziehen kann, ist Starbulls-Kapitän Michael Baindl. Er ging nach Ihrer Verletzung in Peiting ins Tor.

Steinhauer: Ja, das war lustig. Ich habe ihm noch beim Anziehen geholfen und gewarnt, dass die Schlittschuhe bei uns besonders scharf geschliffen sind. Er hat dann nur gemeint, dass er ja Schlittschuh laufen könne – und dann hat es ihn beim ersten bremsen fast aufs Eis gehauen!

Sie hatten eingangs den Abstieg aus der DEL2 angesprochen. Was lief verkehrt?

Lukas Steinhauer bei einem Vorbereitungsspiel gegen Linz in Aktion.

Steinhauer: Da ist mehr zusammengekommen. Es ist einfach zur falschen Zeit schlecht gelaufen. Hinten raus hatten wir dann auch noch Verletzungspech und in den entscheidenden Play-downs dann auch zwei Spiele in der Overtime verloren.

Und warum hat ein Wiederaufstieg jetzt schon drei Jahre nicht geklappt?

Steinhauer: Dafür muss alles passen. Einen Aufstieg kannst du nicht so einfach erzwingen. In den Play-offs brauchst du den richtigen Lauf. Das habe ich 2010 erlebt. Damals hatte nach dem 1:7 im ersten Viertelfinale in Bad Nauheim auch keiner daran geglaubt. Aber dann lief es.

Sie sind zwei Mal als bester Torhüter der Oberliga Süd ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen das?

Steinhauer: Das ist schön, keine Frage. Aber lieber wäre ich aufgestiegen.

Sie sind jetzt 27 – wie schaut Ihre Zukunft aus?

Lukas Steinhauer stand in den letzten fünf Spielzeiten bei den Starbulls im Tor.

Steinhauer: Das weiß ich noch nicht genau. Ich möchte auf jeden Fall noch ein paar Jahre spielen. Daneben werde ich ein Fernstudium in Wirtschaftsrecht durchführen.

Die Eingangsfrage etwas abgeändert: Wie ist es, wenn man als gebürtiger Rosenheimer seinen Heimatverein verlassen muss?

Steinhauer: Sehr schade. Ich wäre gerne geblieben und hätte weiter daran gearbeitet, dass Rosenheim wieder dahin kommt, wo es hingehört. Ich bin hier daheim, da tut es schon weh.

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