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Rosenheims Eishockey-Verteidiger im großen Interview

Starbulls-Neuzugang Steffen Tölzer: „Ich wusste sofort – das hier ist mein Ding“

Kapitän beim Testspiel gegen Landshut: Steffen Tölzer.
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Kapitän beim Testspiel gegen Landshut: Steffen Tölzer.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    VonHans-Jürgen Ziegler
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Rosenheim – Steffen Tölzer ist der Königstransfer der Starbulls Rosenheim für die kommende Saison. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt der Augsburger Rekordspieler warum er zwei Klassen tiefer geht, und dass es schon immer Verbindungen zu Rosenheim gab.

Herr Tölzer, auf der Augsburger Homepage steht: „Die Panther verlieren mit Steffen Tölzer einen der größten Spieler ihrer 143-jährigen Geschichte“. Da kann man stolz sein, oder?

Steffen Tölzer: Da kann man definitiv stolz darauf sein. Ich habe 18 Jahre bei Augsburg gespielt, habe in der Schüler angefangen bis zur DNL und dann natürlich auch im Jungpanther-Team gespielt. Als es das nicht mehr gegeben hat, spielte ich mit einer Förderlizenz in Peiting und Landsberg. Und so habe mich hochgearbeitet und letztendlich 770 DEL-Spiele absolviert.

Steffen Tölzer beim Interview mit der Sportredaktion.

Und die alle nur für Augsburg. Gab es keine anderen Angebote oder wie muss man sich das vorstellen?

Tölzer: Angebote gab es unglaublich viele, und in den 18 Jahren waren ja auch Topjahre dabei. Trotzdem hätte ich viel mehr Geld bekommen müssen, dass ich Augsburg verlasse. Ich bin ein Mensch, wenn ich mich wohlfühle, bleibe ich. Nur wenn man sich als Eishockeyspieler wohlfühlt, kann man auch seine Leistung abrufen. Und nur wegen Geld wegzugehen um vielleicht einen Trainer zu haben, der dich nicht mag oder das Umfeld nicht passt, das wollte ich nicht. Natürlich hätte ich in meiner Karriere wesentlich mehr verdienen können, aber ob ich dann auch so lange gespielt hätte, ist die andere Frage.

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Der Wohlfühlfaktor spielt für Sie also eine große Rolle?

Tölzer: Sogar eine sehr große Rolle und natürlich die Familie. Ich bin ein Familienmensch und wenn die Familie bei mir ist, dann fühle ich mich wohl.

Die Familie, also Ihre Frau und die zwei Kinder sind aber jetzt in Augsburg.

Tölzer: Deshalb ist das jetzt für mich auch eine neue Herausforderung und noch einmal ein neues Kapitel nach 18 Jahren Augsburg. Ich fahre auch so oft es möglich ist nach Hause, und meine Familie kommt an den Wochenenden nach Rosenheim, wenn es passt.

Sie sind 36 Jahre. Andere beenden ihre Karriere, und Sie suchen noch einmal eine neue Herausforderung.

Tölzer: Genau diese Herausforderung war ein Grund, aber ich bin auch noch nicht bereit mit dem Eishockey aufzuhören. Ich liebe das Spiel, ich bin fit und will ein Teil davon sein, was gerade in Rosenheim entsteht. Ich hoffe, ich finde den richtigen Zeitpunkt um meine Karriere beenden.

Aktuell sind Sie aber noch heiß auf Eishockey.

Tölzer: Sehr heiß. Ich gehe jeden Tag auf das Eis und arbeite daran besser zu werden. Auch mit 36, denn du hörst dein ganzes Leben nicht auf dazuzulernen. Ich schaue mir auch gerne etwas von anderen Spielern ab, auch von jungen Akteuren.

Sie unterstützen auch gerne talentierte Spieler, fördern sie und sprechen in Trainingseinheiten viel mit ihnen.

Tölzer: Ich helfe jungen Spielern gerne, denn ich will, dass die sich weiter entwickeln. Ich gebe Ihnen Tipps, mache mit den Jungs Powerskating und auch zusätzliche Konditionsarbeit, damit sie fitter werden. Wir haben Spieler wie Biberger, Beck, März oder unser jungen Keeper, die gut und talentiert sind. Auch unsere Mitteljahrgänge, die so um die 25 sind und ihre Kariere noch vor sich haben, sind stark.

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Diese Spieler wollen aber oft viel zu viel und dann geht plötzlich gar nichts mehr.

Tölzer: Genau. Ich sag den Jungs: Bleibt ruhig, es kommt, seid geduldig und habt erst mal Spaß. Es ist immer noch Vorbereitung und klar irgendwann kommt der Punkt, an dem es heißt: Jetzt müssen wir performen, jetzt zählt es richtig, aber dann versuche ich auch die Spieler in Ruhe zu lassen. Wenn sie zu nervös sind, wollen sie alles noch besser machen und das funktioniert meistens nicht.

Und wie ist das mit ihrem Verteidigerkollegen Aaron Reinig. Wie ist die Aufgabenverteilung?

Tölzer: Unsere Rollen sind gleich verteilt. Wir dürfen beide offensiv spielen, aber einer muss immer absichern. Ich versuche ihm jetzt möglichst viel beizubringen. Er ist 25 und ich wäre in dem Alter froh gewesen, wenn ich jemand gehabt hätte, der mir geholfen und Tipps gegeben hätte. Jetzt kommt Aaron zu mir und sagt: Hockey ist so einfach, wenn man miteinander redet.

Den Blick nach vorne gerichtet: Der 36-jährige Steffen Tölzer wusste sofort, dass ihm gefällt, was in Rosenheim passiert.

„Es ist immer eine Ehre von einer Mannschaft Kapitän zu sein“

Sie reden viel mit ihren neuen Mitspielern. Das Kapitänsamt bei den Starbulls wäre frei...

Tölzer: Ich weiß, aber es gibt in Rosenheim einige Spieler, die das Kapitänsamt übernehmen können. Dominik Daxlberger oder Florian Krumpe zum Beispiel - Kapitän muss nicht immer der älteste oder der erfahrenste Spieler sein. Ich kann mit meiner Erfahrung dem Kapitän auch als Assistent helfen. Letztendlich ist es die Entscheidung vom Trainer, aber klar – es ist immer eine Ehre von einer Mannschaft Kapitän zu sein.

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Brauchen sie überhaupt einen Buchstaben vorne drauf um einwirken zu können?

Tölzer: Eigentlich nicht. Für mich steht immer das Team im Vordergrund und dem will ich helfen, egal was kommt. Ich werde auch immer versuchen das Team zu schützen und dem Verein zu helfen um den bestmöglichen Erfolg erzielen zu können. Das steht für mich immer an erster Stelle.

Zum Erfolg des Teams können Sie am besten als Spieler beitragen. Was sind Sie für ein Spielertyp?

Tölzer: In Augsburg war ich der stay-at-home Defenceman. Ich versuche immer das umzusetzen, was der Trainer fordert. Wenn der Coach sagt ich soll defensiv spielen, dann tue ich das und wenn ich offensiver spielen darf, ist es mir natürlich umso lieber. So wie jetzt in Rosenheim . Da darf ich auch in die Offensive und mache natürlich hinten meinen Job. Das macht dann doppelt so viel Spaß. In Augsburg musste ich Schüsse blocken, Unterzahl spielen. Da war ich nicht dazu da um Punkte zu machen, sondern musste hinten aufräumen.

Und wie sehen Sie sich als Mensch?

Tölzer: Ich bin ein sehr offener Mensch. Ich habe auch viel durch Lesen gelernt. Ich lese viele Bücher. Ich gebe jedem Menschen eine Chance, auch wenn der erste Eindruck vielleicht nicht passt. Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Familie und meine zwei Buben, die sechs und acht Jahre alt sind. Ansonsten versuche ich das umzusetzen, was ich von meinen Eltern gelernt habe: Ordnung, Anstand, höflich zu sein, auf Leute zu zugehen und auch Danke und Bitte zu sagen. Das sind so die Basics mit denen man besser durch das Leben kommt. Ich helfe auch gerne anderen Leuten.

Und Sie sind ein kleiner Künstler.

Richtig, ein kleiner. Ich mache aus Holz und Eisen Skulpturen. Das macht mir einfach Spaß und beruhigt mich. Und wenn mir etwas zu teuer ist und ich es haben will, dann baue ich es mir selbst oder ich versuche es zumindest.

Immer ein offenes Ohr und einen Tipp für die jungen Mitspieler: Steffen Tölzer mit dem Nachwuchs-Torhüter Konrad Fiedler im Training.

Nach der Karriere weiter im Eishockey bleiben

Wäre das auch etwas für das Leben nach dem Eishockey? Gibt es da schon einen Plan?

Tölzer: Das eine ist Hobby, aber mein Plan ist auf alle Fälle weiter im Eishockey zu bleiben. Irgendwo im Management oder als sportlicher Leiter. Ich mag es zum Beispiel mit Sponsoren zu reden, oder im Vertrieb zu arbeiten wie jetzt auch in der Firma meiner Frau. Das macht mir einfach Spaß. Und ich kenne mich mit den jungen Spielern aus, weiß wo man sie fördern muss und wie die Jungs Fuß fassen können und ordentlich vermarktet werden.

Haben Sie deshalb auch Mitte September ihr Fernstudium begonnen?

Tölzer: Das war auch ein Grund. Ich studiere Sportmanagement in München, denn für mich ist es unglaublich wichtig, dass ich mich auch schulisch noch weiterbilden kann, damit ich dann später den Verein bestmöglich unterstützen kann. Und wenn es hier in Rosenheim sein sollte, würde ich mich natürlich auch freuen.

Apropos Rosenheim. Wie ist der Wechsel eigentlich zustande gekommen?

Tölzer: Bei mir ist es immer so - eine Tür geht zu und die andere Tür geht auf. Christoph Ullmann hat mich eigentlich auf Rosenheim gebracht. Er kannte das Konzept der Rosenheimer, er wusste, was alles entstanden ist. Dann bin ich mit meiner Familie nach Rosenheim gefahren und hab mir das alles angeschaut. Das hat für mich gepasst und ich wusste: Das ist mein Ding. Dann hat mein Spielervermittler Stefan Metz einen super Job gemacht und so sind die Starbulls und ich zusammen gekommen.

Mit Rosenheim gab es aber schon immer ein paar Berührungspunkte.

Definitiv. Zum Beispiel mit dem Bruder von Ernst Höfner in Augsburg, dann mit meinen ehemaligen Mitspielern Patrick Ehelechner und Manuel Kofler. Dann gab es auch heiße Duelle im Nachwuchs. Mit dem DNL-Team haben wir oft gegen die Starbulls gespielt und da gab es auch mal eine deftige Keilerei an der ich und Tobi Draxinger beteiligt waren. Außerdem lebt der Opa meiner Frau in Holzkirchen und deshalb waren wir schon öfter in dieser Ecke von Oberbayern.

„Wir sind enorm professionell aufgestellt“

Und jetzt sind Sie ein paar Kilometer weiter in Rosenheim gelandet. Ist das hier alles so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Tölzer: Es ist echt mega hier in Rosenheim. Wie professionell wir für ein Team aus der 3. Liga aufgestellt sind, ist enorm. Natürlich gibt es immer was, wo man sich verbessern kann. Das ist wie auf dem Eis oder bei der täglichen Arbeit. Ich habe Spaß wie schon lange nicht mehr, vor allem was das Eishockey spielen betrifft. Das Potenzial vom Team ist sehr groß. Wir setzen das System vom Trainer und seine Vorgaben sehr schnell um, aber ich denke, momentan sind wir erst bei 70 Prozent, also ist noch sehr viel Luft nach oben.

Das eine ist die Mannschaft, aber was erwarten Sie von sich selbst?

Tölzer: Mein Job ist es erst einmal kein Gegentor zu bekommen. Als Verteidiger ist es deine Hauptaufgabe die Null zu halten. Der Rest, also alles was nach vorne geht, ist der Spaßfaktor. Ich habe für mich fünf Bausteine, mit denen ich jedes Spiel raus auf das Eis gehe: Team, Erfolg, Leistung, Charakter und Emotion.

Es gibt Fans, die glauben da kommt jetzt Steffen Tölzer mit 770 DEL-Spielen und der soll uns als Verteidiger in die 2. Liga raufschießen.

Tölzer: Ich weiß, dass manche Fans so denken und das ist auch legitim. Ich habe auch geglaubt, als ein Spieler aus der NHL nach Augsburg gekommen ist, dass das der Spieler ist den wir brauchen. Er hatte 400 NHL-Spiele, hat aber da drüben nur in der 4. Reihe gespielt und soll jetzt plötzlich Topscorer in Augsburg werden. Das funktioniert nicht.

Zwei Verteidiger: Steffen Tölzer und Florian Krumpe.

Auch bei Ihnen nicht?

Tölzer: Auch bei mir nicht und ganz ehrlich: Wie viele Punkte ich mache, interessiert mich nicht. Die zähle ich auch nicht. Für mich ist wichtig, dass wir am Ende des Tages das Spiel gewonnen haben und vielleicht am Ende ganz oben stehen. Wer da die Tore und Punkte macht, ist egal. Klar freue ich mich für jeden Spieler, wenn er das entscheidende Tor erzielt hat. Wie die Fans das einschätzen ist ihre Sache. Ich freue mich auf alle Fälle, dass sie jetzt wieder ins Stadion dürfen. Mit unseren Fans im Rücken wird es für jeden Gegner schwer aus Rosenheim Punkte mitzunehmen. Die Atmosphäre in Zell am See oder natürlich beim Heimspiel gegen Landshut war super. In Zell am See konnte mich bei den Fans gar nicht mehr bedanken, weil ich da eine Fünf-Minuten-Strafe bekommen hatte.

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Berechtigt? Liegt das an ihre Spielweise?

Tölzer: Ja und da muss ich mich auch noch umstellen. Da merkt man einfach, dass die Stabilität von den anderen Spielern nicht so da ist wie in der DEL. Die Spieler sind nicht so stabil beim Checken und das sieht natürlich dann gleich mal blöd aus und man bekommt zwei oder fünf Minuten.

Das ist ein großer Unterschied zur DEL und der andere ist die Kabinensprache.

Tölzer: Das ist mit die größte Veränderung und es ist unfassbar schön, dass in der Kabine Deutsch gesprochen wird. Nichts gegen das Englisch, ich spreche gerne Englisch und ich unterhalte mich auch mitf Curtis Leinweber oder Brad Snetsinger teilweise auf Englisch und teilweise auf Deutsch. Auf dem Eis bin ich ja eigentlich Fan davon Englisch zu sprechen, weil die Begriffe einfach kürzer sind.

Egal ob Englisch oder Deutsch: Wie lautet Ihr Saisonziel?

Tölzer: Das erste Ziel ist das Erreichen der Play-off-Runde. Das ist die Belohnung für jeden Eishockeyspieler und in den Play-offs ist es oft von der Tagesform abhängig, wie weit du kommst. Aber das Ziel ist immer Meister zu werden, denn sonst brauche ich nicht Eishockey zu spielen.

Und welche Überschrift soll dann in der Zeitung stehen?

Tölzer: Rosenheim steigt nach unglaublicher Teamleistung in die zweite Liga auf.

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