IN DEN PLAY-OFFS GEGEN PEITING

Special Teams gaben für die Starbulls den Ausschlag – Zwei Siege in der Overtime

Gegen die Bande gefahren: Am Ende war für Peiting trotz großer Gegenwehr gegen die Starbulls und Enrico Henriquez Endstation.
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Gegen die Bande gefahren: Am Ende war für Peiting trotz großer Gegenwehr gegen die Starbulls und Enrico Henriquez Endstation.
  • vonManfred Eder
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3:0 für die Starbulls im Play-off-Viertelfinale gegen Peiting: Hört sich klar an, war aber nicht so. Insgesamt war die Serie des Tabellendritten gegen den Siebten der Punktrunde nicht einseitig. Und am Ende wurde Erinnerungen an den legendären Aufstieg 2010 wach.

Rosenheim – Kleine Quizfrage zum Anfang: Was haben die Herren Kyle Gibbons und Mitch Stephens gemeinsam? Antwort: Ein besonderes Erfolgserlebnis gegen Peiting. Am 18. April 2010 erzielte Stephens nach 3:43 Minuten Nachspielzeit das 5:4 für sein Team in Peiting und sorgte damit für den nicht erwarteten und deshalb umso frenetischer bejubelten Aufstieg in die Zweite Bundesliga, den Vorläufer der DEL2. Nur eine knappe Minute länger, nämlich 4:36, brauchte Gibbons am Sonntag, um den ECP in die Ferien und sein Team in die nächste Runde, wahrscheinlich gegen Selb, zu schicken. Und schon zwei Tage zuvor ereilte das Schicksal die Peitinger fast zum gleichen Zeitpunkt, noch zwölf Sekunden schneller als am Sonntag, Kevin Slezak war der Torschütze.

Overtime normal keine Paradedisziplin

Eine richtige Paradedisziplin war die Overtime für die Starbulls in dieser an Verlänge-run¬gen gottlob ziemlich armen Saison 2020/21 ja nicht. Fünfmal endete in der Punkterunde ein Spiel mit Rosenheimer Beteiligung nicht nach sechzig Minuten, und nur zweimal holten Sicinskis Jungs (gegen Riessersee und Lindau) den Zusatzpunkt, während sie gegen Deggendorf, Höchstadt und Weiden den Kürzeren zogen. Und nun gleich zweimal hintereinander der Sieg in Overtime! Was aber vielleicht auch daran lag, dass der ECP heuer Overtime einfach nicht kann. Für die Peitinger hieß es insgesamt zehnmal nachsitzen, und nur ein einziges Mal (gegen Selb) konnten sie danach jubeln!

3:0 – trotzdem war die Serie nicht einseitig

Insgesamt war die Serie des Tabellendritten gegen den Siebten der Punktrunde bei Weitem nicht einseitig. Lediglich im ersten Spiel kamen die Peitinger unter die Räder und kassierten mit 1:6 ihre bisher zweithöchste Niederlage in Rosenheim seit 2017, weil sie es nicht vermochten, den bisher einzigen Sieg bei den Starbulls einen Monat zuvor zu wiederholen. Danach aber: Spannung und Ausgeglichenheit pur!

Langeweile sieht anders aus

Von den 129 Minuten der Spiele Zwei und Drei stand es rund siebzig Minuten, mehr als die Hälfte der Spielzeit, unentschieden, die Starbulls konnten keinen einzigen Zwei-Tore-Vorsprung herausschießen, was Peiting auch nur knappe neun Minuten, nicht einmal sieben Prozent der Zeit, gelang. Langeweile sieht anders aus! Respekt aber vor den Unterlegenen, die in allen drei Begegnungen mit drei, vier oder sogar fünf Mann weniger antreten mussten als die Starbulls!

Statistisch gesehen sprach fast alles für Rosenheim

Und während statistisch gesehen das Meiste für Rosenheim sprach (mehr Tore geschossen, weniger kassiert, bessere Bilanz sowohl auf eigenem Eis als auch auswärts), trug kurioserweise genau der Teilaspekt einen Großteil zum schnellen Weiterkommen bei, wo die Starbulls in der Punkterunde weit schwächer agierten als der Gegner, nämlich die „Special Teams“.

Sowohl in Über- als auch in Unterzahl hatten die Starbulls bisher eher bescheidene Leistungen abgeliefert und standen fast auf einem Level mit den bereits ausgeschiedenen Teams, während auf Peitinger Seite sowohl das Powerplay als auch das Penalty Killing auf den Spitzenplätzen der Liga rangierte.

Alexander Höller jubelt über sein Tor in Peiting. Rechts Kevin Slezak, der in der Overtime für die Entscheidung sorgte.

Spiel mikt zwei Unterzahltoren entschieden

Und die Empfehlung aus der OVB-Play-off-Vorschau, von der Strafbank wegzubleiben, ließ sich nicht ganz verwirklichen. Zweimal waren die Strafzeiten zwischen den beiden fairsten Teams der Punkterunde gleich verteilt, in Spiel Eins allerdings verbrachten Vollmayer, Schütt & Co. doppelt so viel Zeit in der „Kühlbox“ – und entschieden dabei das Spiel mit zwei Unterzahltoren! In der gesamten Serie schaffte Peiting gerade mal drei Treffer aus 13 Powerplay-Phasen, während die Starbulls, die in der Punkterunde mit 18,2 Prozent statistisch mehr als fünf Powerplays für einen einzigen Treffer brauchten, diesmal mit fünf Toren in insgesamt zwölfeinhalb Überzahl-Minuten jede zweite Peitinger Strafzeit auch wirklich bestraften! Und drei Powerplaytore wie im entscheidenden Sonntags-Match hatten sie in dieser Saison nur gegen die beiden Kellerkinder Passau und Landsberg zustande gebracht.

Tyler Scofield und Joey Lewis zuletzt am 7. April 2017

Und auch an zwei Unterzahltore in einer Partie können sich sicher nur mehr die wenigsten erinnern. Das schafften Tyler Scofield und Joey Lewis zuletzt am 7. April 2017 in Crimmitschau. Was aber leider nichts nützte, denn das Spiel ging 4:5 verloren und nur vier Tage später war bekanntlich der Abstieg in die Oberliga besiegelt!

Riesenchance für Enrico Henriquez, aber Hechenrieder parierte.

Disziplinierte Mannschaftsleistung und kaltschnäuziges Nachsetzen

Entscheidend für das schnelle Weiterkommen war neben den erwähnten Über- und Unterzahlkünsten zweifellos eine geschlossene, disziplinierte Mannschaftsleistung und kaltschnäuziges Nachsetzen in entscheidenden Phasen. So gelangen wieder zwei der heuer schon legendären „Doppelpacks“ (Baindl/Daxlberger binnen 36 und Meier/Höller binnen 32 Sekunden), und in Spiel Drei konnte Kyle Gibbons den potenziell spielentscheidenden Peitinger Treffer zu deren 3:1-Führung schon 70 Sekunden später wieder beantworten.

Kyle Gibbons: Der Torjäger ist wieder da

Der Torjäger hat gerade zur rechten Zeit seine vorübergehende Flaute überwinden können. Mit sechs Scorerpunkten (drei Tore, drei Assists) zählt er zu den Hauptaktivposten neben Kapitän Michael Baindl (eins plus fünf) sowie den Vier-Punkte-Scorern Dominik Daxlberger, Tobias Meier, Alex Höller und Enrico Henriquez, dessen Rückkehr aus Ingolstadt fürs Playoff definitiv ein Segen ist. Natürlich kann man es nicht beweisen, aber in den 17 Partien, die er den Starbulls wegen seiner Einsätze bei der U20-WM und in der DEL fehlte, hätte er durchaus einige Male den Unterschied zwischen Sieg und knapper Niederlage ausmachen können.

Das erste Ziel, das Weiterkommen, ist mit dem „Sweep“ schneller als erwartet erreicht, und es ist sicher keine geringe Überraschung, dass das einzige Team, das nachsitzen muss, ausgerechnet die „unschlagbaren“ Regensburger sind.

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