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„Filetstücke werden herausgerissen“

Urgestein Wolfgang Pichler schlägt Alarm: „So geht das Ruhpoldinger Biathlon kaputt!“

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Der Ruhpoldinger Biathlontrainer Wolfgang Pichler. Gemessen an Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ist er weltweit der erfolgreichste Biathlontrainer aller Zeiten.
  • VonKarlheinz Kas
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Der Ruhpoldinger Wolfgang Pichler ist der erfolgreichste Biathlontrainer aller Zeiten. Zuletzt arbeitete er in Schweden. Nach seiner Rückkehr war seine gute Stimmung schnell verflogen. Warum der 67-Jährige um den Biathlon-Weltcup in Ruhpolding bangt.

Ruhpolding – Langweilig wird es Wolfgang Pichler im Pensionsalter nicht. Eben ist das Ruhpoldinger Urgestein aus Schweden zurückgekehrt, war dort als Referent eines Basic-Kurses für den Internationalen Biathlonverband (IBU) unterwegs . Hier geht es darum, die Trainerausbildung weltweit zu verbessern und den Biathlonsport breiter aufzustellen, soll heißen, auch schwächere Nationen nach oben zu bringen. Die sollen dann auch beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding mitmischen, doch um diese Veranstaltung bangt Pichler.

„Wir sind im Aufbau einer Akademie, das ist ganz wichtig in unserer Sportart, damit der Unterschied zwischen den Nationen nicht so groß ist“, sagt der 67-Jährige, der vier Jahre lang selbst Biathlet war, deutscher Vizemeister mit der Staffel, dazu Vierter im Sprint und Sechster im Einzel.

70 Medaillen pflastern seinen Erfolgsweg

Wenn es im internationalen Biathlonsport heute um Trainer-Aus- oder -Weiterbildung geht, wird Pichler gerufen. Kein Wunder: Er ist, gemessen an Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, weltweit der erfolgreichste Biathlontrainer aller Zeiten. Seit 20 Jahren arbeitet er für den schwedischen Verband, von 2011 bis 2014 war er Cheftrainer der russischen Biathletinnen. 70 Medaillen pflastern seinen Erfolgsweg. Aktuell ist er nicht Trainer, wohl aber hat er einen bestens dotierten Vertrag als Direktor innerhalb des Nationalen Olympischen Komitees in Schweden.

„Im Langlauf ist es etwas langweilig. Hier können nur drei oder vier Nationen Medaillen holen, da sind wir im Biathlon besser aufgestellt. Bei der letzten WM gingen Medaillen an elf Nationen, bei den Olympischen Spielen in Peking an sieben“, erinnert der Ruhpoldinger, weshalb die IBU bestrebt sei, noch mehr für die schwächeren Nationen zu tun. Deshalb habe man diesen Basic-Kurs ins Leben gerufen.

45 Nationen dabei

„Angefangen hatte die Fortbildung mit einer Kurs-Woche in Ruhpolding, jetzt stand der Weltcuport Östersund an, abgeschlossen wird das Projekt in Polen“, sagt Pichler. Die Nachfrage sei groß gewesen, 45 Nationen hätten sich um Plätze bemüht, 20 habe man zugelassen, darunter Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Australien, Ungarn und Spanien.

Pichler arbeitete in Östersund täglich bis zu acht Stunden zusammen mit dem ehemaligen Biathlon-Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, Bernd Eisenbichler, als Educator, also Ausbilder, gab seine Erfahrungen weiter und wurde von der IBU jetzt speziell Ungarn zugeteilt. „Hier halte ich jetzt monatlich Kontakt, es geht vor allem um die Förderung der dortigen Biathlon-Frauen“, gibt er Einblick in seine Arbeit. Regelmäßig telefoniere er auch mit Olle Dahlin, seit 2018 IBU-Präsident. „Wir sind gute Freunde, kennen uns seit den Olympischen Spielen 1998 in Nagano, ich schätze ihn und er mich“, urteilt Pichler über den Verbandschef, der ihn immer wieder ins Boot holt.

Gute Stimmung schnell verflogen

Nach der Rückkehr aus Schweden sei Pichlers gute Stimmung aber mit einem Mal verflogen. „Ich musste in der Zeitung lesen, dass es 2023 bei unserem Weltcup keinen Championspark gibt und alle Feierlichkeiten in die ChiemgauArena verlegt werden, das ist ein Stich mitten ins Herz eines jeden Biathlonfans“, sagt er. „Eröffnungsfeier mit Einmarsch der Nationen, Siegerehrungen und Atmosphäre im Dorf, das waren die Filetstücke des Ruhpoldinger Weltcups und die werden jetzt gewaltsam herausgerissen“, wettert der Ruhpoldinger.

Er selbst habe mit seinem Vater, seinen Tanten, der ganzen Familie den Weltcup in Ruhpolding mit aufgebaut, sei immer mit Herzblut dabei gewesen. Aber das jetzt könne er nicht verstehen. „Unsere Stärke waren immer die Feierlichkeiten im Dorf mit Aufhebung der Sperrstunde und das alles soll jetzt wegbrechen. Dabei hat uns gerade die Stimmung hier von allen anderen Weltcups abgehoben“, ergänzt er.

„Sie wollen im Dorf Party feiern“

Und Pichler setzt noch eins drauf. „So geht das Ruhpoldinger Biathlon kaputt!“ Er appelliert an alle Verantwortlichen, das Konzept nochmals zu überdenken und berichtet von 200 schwedischen Fans, die schon gebucht hätten. „40 kommen in Ruhpolding unter, 160 in Salzburg, aber sie wollen im Dorf Party feiern, so wie früher“, erzählt Pichler, der immer noch hofft, dass das Konzept geändert wird. Aber die Zeit drängt: Der Weltcup findet vom 11. bis 15. Januar 2023 statt.

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