Skilangläufer vom SC Traunstein

„So etwas erlebt man nur einmal“: Jonas Dobler freut sich auf die Heim-WM in Oberstdorf

Jonas Dobler hatte bislang mit dem deutschen Team gute Bedingungen beim Training.
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Jonas Dobler hatte bislang mit dem deutschen Team gute Bedingungen beim Training.

Ein kurzer Aufenthalt in der Heimat, dann ging es schon weiter: Jonas Dobler vom SC Traunstein und das deutsche Skilanglauf-Team der Männer sind aktuell bei einem einwöchigen Lehrgang im schweizerischen Davos, nachdem die Herren vom Deutschen Ski-Verband (DSV) zuletzt in Ramsau waren.

Traunstein – Ein kurzer Aufenthalt in der Heimat, dann ging es schon weiter: Jonas Dobler vom SC Traunstein und das deutsche Skilanglauf-Team der Männer sind aktuell bei einem einwöchigen Lehrgang im schweizerischen Davos, nachdem die Herren vom Deutschen Ski-Verband (DSV) zuletzt in Ramsau waren. „Dort hatten wir gute Bedingungen. Es war richtig winterlich, und so gutes Wetter wie schon lange nicht mehr“, freut sich der 29-Jährige. Und mit guten Bedingungen rechnet Dobler nun auch in der Schweiz: Dort wird zum einen „der übersommerte Schnee auf den Strecken ausgebracht“, zum anderen „haben die auch jetzt schon Naturschnee dazubekommen“.

Nach Schulter-OP im März rechtzeitig wieder einsatzbereit

Auch sonst ist der Traunsteiner mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden – obwohl diese zunächst mit Einschränkungen verliefen. Ende März hatte er sich einer Schulter-Operation unterziehen müssen. „Ich musste zum Glück nicht lange komplett aussetzen“, berichtet er. Schon nach gut einer Woche konnte er auf dem Fahrrad-Ergometer seine ersten Einheiten für die Grundlagenausdauer absolvieren.

Die Schulter allerdings brauchte etwa acht bis zehn Wochen Pause, bis er sie allmählich wieder belasten konnte. Inzwischen „kann ich mit der linken Schulter alles machen und kann sie auch hoch belasten“, so Dobler. Das heißt, auch beim kräftigen Anschub, der im Langlauf enorm wichtig ist. Allerdings: „Es gibt schon noch kleine Unterschiede zur rechten Schulter.“ Denn bei den „Kraftspitzen“ sei er noch nicht bei 100 Prozent, „aber beim normalen Skilanglaufen merkt man nichts mehr“.

„Ordentlicher Zusatzaufwand“ durch die Verletzung

Die Verletzung bedeutete für ihnen einen „ordentlichen Zusatzaufwand: Ich habe viele Stunden bei den Physios verbracht und zusätzliche Übungen neben dem normalen Training absolviert.“ Immerhin hatte der 29-Jährige aber einen großen Vorteil: „Ich habe Glück, dass meine Eltern beide selbst Physios sind und ich da direkt an der Quelle bin.“ So konnte er neben den üblichen Physio-Einheiten am Stützpunkt eben auch mal kurzfristig etwas organisieren.

Einen erhöhten Organisationsaufwand haben vor allem die Teamverantwortlichen in Zeiten der Corona-Pandemie. „Teamchef zu sein ist derzeit eine echte Herausforderung“, sagt Dobler. „Es gibt immer viele Unsicherheiten und einen erhöhten Organisationsaufwand. Man muss immer vor dem nächsten Reiseziel die genauen und aktuellen Einreisebestimmungen anschauen, und immer zum richtigen Zeitpunkt auch Corona-Tests machen – denn die dürfen einerseits ja nicht zu alt sein, aber andererseits müssen sie auch alt genug sein.“

Tests vor der Abreise aus Ramsau

Solche Tests mussten auch noch vor der Abreise aus Ramsau am Dachstein gemacht werden, weil die Steiermark ja zuletzt zum Risikogebiet erklärt worden war. Mit Davos war die Sache so: „Die Schweiz hat Deutschland noch nicht zum Risikogebiet erklärt, aber Deutschland die Schweiz.“ Deshalb mussten sich die DSV-Athleten noch vor der Abreise aus Davos wieder testen lassen. Insgesamt seien die ganzen Maßnahmen „zwar ein großer Zusatzaufwand, aber das geht ja allen so“.

Dobler sieht Probleme bei Weltcup-Plan

Ärgerlich sei eher, dass der internationale Ski-Weltverband FIS den Weltcup-Kalender bis mindestens Weihnachten bestätigt hat. „Da stellt sich schon die Frage, ob es sinnvoll ist, schon vor der Tour de Ski in vier verschiedenen Ländern Weltcups auszutragen“, verweist er darauf, dass Veranstaltungen im finnischen Ruka vom 27. bis 29. November, im norwegischen Lillehammer vom 4. bis 6. Dezember, in Davos am 12. und 13. Dezember und Dresden (nur Sprints) am 19. und 20. Dezember angesetzt sind. „Wenn man diese Rennen auf weniger Orte verteilen würde – so, wie es die Biathleten machen – dann könnte das die Situation entspannen. Ich sehe schon das Risiko, dass da vielleicht kurzfristig etwas gestrichen werden muss.“

„Die Unsicherheiten werden uns die ganze Saison begleiten“

Unverständlich daher: „Die FIS hatte den ganzen Sommer Zeit, aber es gibt noch kein klares Konzept.“ Übrigens auch nicht vor Ort, nur der Veranstalter in Ruka hat bislang mit den zuständigen Behörden ein Konzept erstellt. Doch beirren lassen wollen sich die Sportler nicht. Das Geschehen in der Ramsau habe schon einmal gezeigt, „was einen erwartet. Die Unsicherheiten werden uns die ganze Saison begleiten. Das muss man als Sportler halt akzeptieren und sich darauf einstellen.“

Die Konzentration soll schließlich dem sportlichen Geschehen gelten. Schließlich ist die Heim-WM in Oberstdorf vom 23. Februar bis zum 7. März das große Ziel. Daher hofft Dobler, „dass es dort ein Konzept dafür gibt, dass zumindest einige Zuschauer zugelassen werden und Heimspiel-Atmosphäre herrscht“. Schließlich fänden die Wettkämpfe im Freien statt, und man könne die Fans ja an der Strecke verteilen. Eine solche Unterstützung „wäre für uns wichtig und schön. Schließlich erlebt man so eine Heim-WM in seinem Sportlerleben nur einmal.“

„Wir wollen möglichst lange mithalten“

Daher soll dort auch leistungsmäßig alles passen. „Für uns sind natürlich die Teamwettbewerbe die Hauptereignisse.“ Auch wenn es schwer wird: „Wir wollen in der Staffel einen großen Fight abliefern und möglichst lange mithalten. Natürlich muss für eine Medaille alles passen“ – aber versuchen wollen es die deutschen Langläufer.

Dazu gilt es auch, seine Kräfte gut zu dosieren. So plant Dobler – als Distanzspezialist – etwa einen Verzicht auf den Sprint-Weltcup in Dresden, ebenso auf ein weiteres Sprint-Wochenende im Jahr 2021. „Es ist wichtig, dass man auch während der Saison mal eine kurze Erholungs- und Trainingsphase einschieben kann.“ Daher wird wohl wieder vor der WM ein Trainingslager stattfinden, „schließlich sollen wir ja zur WM die Höchstform des Jahres haben.“

Dobler selbst sah die vergangene Saison als „kleinen Schritt in die richtige Richtung.“ Die Ergebnisse – sogar einmal ein zehnter Platz – seien in Ordnung gewesen, „aber nicht so, dass ich sage, ich bin zufrieden“. Vor allem die Konstanz sei noch nicht so gut wie erhofft gewesen. Daher versuche er, sein Training zu optimieren. „Ich bin jetzt 29, da hat man schon ein wenig Erfahrung damit. Außerdem macht es auch Spaß, an Trainingsplänen zu tüfteln.“ Gelingt es ihm hier, den richtigen Weg zu finden, dürften auch die Ergebnisse für Freude sorgen... who

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