Sklorz will am Schießstand die ganz großen Dramen verhindern

Schießtrainer Engelbert Sklorz hier bei der Datenauswertung mit Simon Schempp.Wukits
+
Schießtrainer Engelbert Sklorz hier bei der Datenauswertung mit Simon Schempp.Wukits

Es sind oft die ganz großen Dramen die sich im Biathlonsport am Schießstand abspielen. Da werden sicher geglaubte Siege im wahrsten Sinne des Wortes verschossen und abgeschlagene Athleten bekommen plötzlich die Chance auf einen Podestplatz. Das Schießen beim Biathlon ist eine sehr komplexe Angelegenheit – und der Sportler muss ganz genau in seinen Körper hineinhorchen, bevor er mit den ersten seiner fünf Schüsse beginnt.

Ruhpolding– Seit Jahren kümmern sich bei fast allen Nationen ausgebildete Schießtrainer, um die Zielsicherheit der Skijäger zu optimieren. Bei den deutschen Biathleten ist seit Mai ein neuer Mann dafür zuständig. Für viele ist seine Nominierung überraschend gekommen, Insider im Biathlon hat die Berufung von Engelbert Sklorz allerdings nicht sonderlich überrascht. Schließlich hat sich der 55-jährige Ruhpoldinger seit vielen Jahren einen guten Namen als Trainer gemacht. So unter anderem als persönlicher Schießtrainer von Olympiasieger und Weltmeister Arnd Peiffer. Sklorz arbeitet bei der Bundespolizei in Bad Endorf und hat auch dort gute Erfahrungen mit Sportlern gemacht. Zuletzt war er für den Biathlonnachwuchs am Stützpunkt Ruhpolding für die jungen Skijäger im Deutschlandpokal zuständig. Trainer im Biathlon ist er nunmehr seit 30 Jahren, in dieser Zeit hat er viele Trainerlizenzen im Biathlon und Sportschießen erworben.

„Das Meiste habe ich in der Zusammenarbeit mit den Sportlern gelernt“

Als er noch sportlich aktiv gewesen ist, hat ihm sein damaliger Trainer Gerd Winkler die Sportart nähergebracht. „Ich habe mich damals damit beschäftigt, die Zielscheiben in der Mitte zu treffen. Das schien mir immer die sicherste Variante zu sein“, sagt er lapidar. „Ich habe damals schon viel mitbekommen, das Meiste habe ich aber in der Zusammenarbeit mit den Sportlern gelernt. All das versuche ich weiterzugeben und weiterzuentwickeln. Das Rezept für gutes Schießen ist, mit hoher Belastung zu treffen und dabei keine Zeit zu verlieren.“

Während er bisher überwiegend nur mit Sportlern gearbeitet hat, ist er in seiner neuen Position auch in der Traineraus- und Weiterbildung tätig. Mitte Juli wurden vom Deutschen Ski-Verband (DSV) Workshops in Ruhpolding und Oberhof abgehalten, bei denen etwa 85 Trainer je drei Tage weitergebildet wurden. Dazu kommen rund 70 Einzelanalysen mit diversen Sportlern. Seine Tätigkeit als Schießtrainer ist vielschichtig, Sklorz sieht es als Unterstützung der jeweiligen Kader-, Disziplin- und Stützpunkttrainer. „Im Prinzip arbeite ich mit allen Kadersportlern von weiblich bis männlich und von jung bis alt“, beschreibt er seine Aufgabe.

Zusammenarbeit mit dem DSV neu begonnen

Im weiteren Verlauf der Saison wird er bei ausgewählten Lehrgängen und im Winter bei den Weltcups dabei sein. Die aktuelle Zusammenarbeit mit dem DSV als Biathlon-Schießtrainer hat eine lange Vorgeschichte. „Ich habe schon viele Jahre für den DSV in verschiedenen Positionen gearbeitet. Vor acht Jahren wurde mir nach einer Umstrukturierung im Juniorenbereich die Funktion eines übergeordneten Schießtrainers angeboten. Das habe ich aus persönlichen Gründen abgelehnt und die Zusammenarbeit mit dem DSV erst einmal ruhen lassen. Nun wurden Gespräche mit der neuen sportlichen Führung geführt und so ist es zur Zusammenarbeit gekommen“, erzählt er. Dazu war aber auch die Zustimmung seines Arbeitgebers, die Leitung der Bundespolizeisportschule Bad Endorf ausschlaggebend.

Modernste Technik im Einsatz

Engelbert Sklorz ist ein ausgesprochener Fachmann, was das Schießen betrifft. Bei der Feuerschützengesellschaft Ruhpolding nimmt er an Wettkämpfen teil. In seiner täglichen Trainingsarbeit mit den Sportlern kann er auf die modernste Ausrüstung bauen, unter anderem auf Systeme mit Laserbasis und mit Infrarotstrahlen. Die allerneuesten Systeme nutzen dabei sogar eine Hochgeschwindigkeitskamera. Um das Schießtraining komplett zu bekommen, wird zusätzlich ein Abzugsmesssystem verwendet. Der Abzugstrainer kommt von der Teisendorfer Firma Mösenlechner. Damit können die Druckverhältnisse am Abzugsbügel optisch und akustisch aufgezeigt werden. Ziel ist es, nach dem Ladevorgang direkt ein Druckplateau von rund 80 Prozent des Abzugsgewichtes zu erreichen, um ohne zeitlichen Verzug und ohne störende Abzugsbewegungen den Schuss auszulösen. Entscheidend für den Erfolg ist, das im Training Gelernte im Wettkampf umzusetzen. „Ein guter Schütze beherrscht die einzelnen Techniken von Atmung, Zielen und Abziehen unter schwierigen Bedingungen. Dazu muss der Athlet während der kurzen Aufenthalte am Schießstand die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche behalten, auch bei hohen physischen und psychischen Druckbedingungen.“

Die Zusammenarbeit mit den Sportlern sieht der 55-jährige als ein Geben und Nehmen. „Bei den Einzelanalysen werden auch immer sehr intensive Gespräche geführt, um individuelle Lösungsansätze zu definieren, um dann letztendlich einen perfekten Handlungsablauf, sprich Schuss, zu ermöglichen.“ Sklorz hat auch eine Erklärung, warum so oft der fünfte Schuss daneben geht. „Manchmal schwenkt die Konzentration bereits in Richtung Weiterlaufen. Da fehlt dann die nötige Aufmerksamkeit und es schleichen sich technische Fehler ein.“ shu

Engelbert Sklorz mit dem Arbeitsgerät.

Kommentare