Skirennfahrer und Brüderpaar Linus und Jonas Witte: „Er hat immer ein offenes Ohr für mich“

Schnell auf Skiern unterwegs:Das Bad Aiblinger Brüderpaar Linus und Jonas Witte (von rechts). privat

Auch nach dem Saisonende bleibt das Brüderpaar Linus und Jonas Witte sportlich: Die alpinen Skisportler erscheinen in Rad-Klamotten zum Interview. Im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion erläutern die Witte-Brüder ihre zwei grundverschiedenen Saisonverläufe und werfen einen Blick in die Zukunft.

– Linus, wie fällt ihr Saisonfazit aus?

Ich kann mich im Nachhinein nicht beschweren. Im Slalom habe ich mich über einige ansprechende Resultate gefreut. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bin ich gegen Ende der Saison immer besser in Fahrt gekommen. In den anderen Disziplinen lief es für mich aber nicht nach Wunsch.

Wie sehr ärgert Sie das?

Vor allem im Riesenslalom konnte ich mein Potenzial nicht abrufen. Im Endeffekt muss man sich im alpinen Rennsport ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine Disziplin spezialisieren, um es in die Weltspitze zu schaffen.

Jonas, ein Wadenbeinbruch hat Sie die komplette Saison außer Gefecht gesetzt. Wie steht es um Ihre Gesundheit?

Der Heilungsverlauf war sehr positiv, ich habe keine Schmerzen mehr. Vor der Pause war ich das erstmals nach der schweren Verletzung wieder auf Skiern gestanden, das hat sich gut angefühlt.

Wie schwer fiel es Ihnen, alleine die Reha zu absolvieren, während sich Ihre Kameraden auf der Piste duellierten?

Das war eine schwierige Zeit für mich. Als Skifahrer ist der Winter mit den vielen Rennen das höchste der Gefühle. In dieser Phase konnte ich mich jedoch auf Unterstützung des Trainerteams und der Truppe verlassen. In dieser Zeit bin ich auch als Person gereift.

Linus, welche Ziele haben Sie sich für den kommenden Winter gesteckt?

Ich will mir auf jeden Fall den Traum der Jugend-Weltmeisterschaft erfüllen, der mir dieses Jahr wegen des anstehenden Abiturs nachvollziehbarerweise verwehrt blieb. Außerdem hoffe ich, dass ich für den Europacup nominiert werde.

Sie schreiben demnächst Ihr Abitur. Wie lautet der Plan für die berufliche Karriere neben dem Leistungssport?

Im August werde ich mit meiner Ausbildung bei der Bundespolizei-Sportschule Bad Endorf beginnen. Als Profi-Skifahrer ist das die optimale Lösung, da man durch die Freistellung während der Saison den vollen Fokus auf den Rennsport legen kann. Nach der Karriere als Skifahrer habe ich die Möglichkeit, in einer Bundesbehörde zu arbeiten. Dazu muss ich Jahr für Jahr Top-Ergebnisse im Sport erzielen.

Im Gegensatz zu Jonas sind Sie in ihrer Karriere von schwerwiegenden Verletzungen verschont geblieben. Was ist das Geheimnis?

Das könnte an meiner ruhigen Fahrweise liegen. Auf der Piste gehe ich ein geringeres Risiko ein als viele meiner Mitstreiter. Auch die Arbeit mit einem Sport-Psychologen, in der mir meine Grenzen aufgezeigt wurden, leistet einen Beitrag zum stabilen Fitnesszustand.

Wie muss man sich das Verhältnis von Bruder zu Bruder vorstellen?

Jonas:Mit Linus tausche ich mich gern über sportliche Themen aus. Auf seine Verbesserungsvorschläge lege ich großen Wert. Vor allem bei der Videoanalyse hilft er mir mit seiner Erfahrung. Er hat immer ein offenes Ohr für mich.

Linus: Während seiner Verletzung habe ich so gut wie möglich versucht, ihn zu unterstützen. Da Jonas mittlerweile auch auf das Sportinternat in Berchtesgaden geht, sehen wir uns täglich. Das hat unser Verhältnis definitiv gestärkt.

Jonas, wie schwer ist es, den alpinen Leistungssport mit den schulischen Pflichten zu vereinen?

Seitdem ich auf dem Sportinternat bin, haben sich meine schulischen Noten stark verbessert. Die kurzen Wege zur Schule und ins Training machen vieles einfacher.

Spüren Sie aufgrund der Erfolge des älteren Bruders Druck, ebenfalls liefern zu müssen?

Ich freue mich für ihn, wenn er die älteren Jahrgänge immer wieder aufmischt. Das zeigt mir, was mit harter Arbeit alles möglich ist. Für mich hat mein Bruder eine Vorbildfunktion.

Linus, wer sind Ihre Vorbilder in der Alpin-Szene?

Da würde ich den Österreicher Marcel Hirscher nehmen, der über Jahre den Slalom-Weltcup mit einer unglaublichen Konstanz dominiert hat. Aber auch von Felix Neureuther kann man sich als Nachwuchs-Athlet einiges abschauen. Seine Bodenständigkeit ist hervorzuheben.

Viele Ex-Profi-Fußballer üben Kritik an den Nachwuchsleistungszentren, den Talenten werde zu viel abgenommen. Haben es junge Skifahrer diesbezüglich schwerer, Linus?

Als Einzelsportler bist du natürlich in höherem Maße auf dich allein gestellt, da ist sehr viel Selbstdisziplin gefragt. In den Kader-Lehrgängen wurde uns schon früh beigebracht, wie wir uns selbst organisieren. Interview: David Schunko

Jonas Wittefiel mit einem Wadenbeinbruch die gesamte Saison aus. Schmid

Kommentare