Samerberger Radprofi Burghardt bei Straßen-WM in England: „Sehe keinen ausgesprochenen Leader“

Marcus Burghardt fährt wieder in den deutschen Farben.
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Marcus Burghardt fährt wieder in den deutschen Farben.

Burghardt für Deutschland – Nichts Neues, denn für den Samerberger Radprofi Marcus Burghardt ist der Auftritt am Sonntag im Straßenrennen in der englischen Grafschaft Yorkshire. Es ist bereits die siebte Teilnahme an einer Weltmeisterschaft.

Rosenheim/Harrogate– Vor den Titelkämpfen in Harrogate spricht der Fahrer des Raublinger Rennstalls Bora-hansgrohe über die Strecke, das Team und das englische Wetter.

Was ist das für ein Gefühl, für Deutschland zu fahren?

Ich habe immer wieder ein paar Punkte, auf die ich mich speziell vorbereite. Zu Jahresbeginn habe ich immer ein großes Ziel, das ist die Tour de France. Ich stecke mir aber auch immer wieder Zwischenziele, das sind die Klassiker, die Tour de Suisse und am Jahresende die WM. Dann noch einmal für Deutschland zu fahren ist ein sehr guter Abschluss und natürlich etwas Besonderes.

Über acht Stunden Fahrt möglich Der Kurs rund um Harrogate hat seine Eigenheiten.

Ja, ich habe nämlich in den Regularien der UCI (Radsport-Weltverband, d. Red.) nachgeschaut. Und normal ist die Maximaldistanz für Weltmeisterschaften 280 Kilometer. Diesmal sind es 285, dazu kommen aber noch 13 Kilometer neutrale Fahrt. Mein längstes Rennen war bislang bei der WM in Florenz, da hat es geregnet und wir sind fast acht Stunden gefahren – und das waren 280 Kilometer. Diesmal ist die Strecke noch viel profilierter, da werden acht Stunden möglicherweise nicht reichen.

Wie gefällt ihnen die Strecke?

Für die Fans ist das wahnsinnig schade, dass man die Profis nur einige Male sieht, weil es immer weniger Kilometer auf dem Rundkurs sind. Das war früher viel schöner, weil man da 15 oder 20 Runden gefahren ist. Das war viel attraktiver für die Fans. Auf einem Rundkurs herrscht einfach eine tolle Atmosphäre, das war beispielsweise bei den Weltmeisterschaften in Norwegen oder Stuttgart der Fall.

Zu welchem Fahrertyp passt das Profil?

Das ist eher Klassiker-Terrain mit fast 4000 Höhenmetern. Wichtig wird sein, weit vorne zu fahren – speziell, wenn es auch noch regnen sollte. Wir sind 2014 bei der Tour de France über Teile der Strecke dort gefahren, damals war vorne fahren das A und O. Da waren viele Zuschauer vor Ort, die dann das Rennen auch beeinflusst haben. Die sind nämlich so eng gestanden, dass du über die Anstiege hintereinander fahren musstest – und das hat das Feld dann auch in die Länge gezogen.

Ziel? „Die richtige Gruppe erwischen“ Was sind Ihre Ziele?

Mein Ziel ist, dass ich in den letzten zwei Runden, wenn wohl die entscheidenden Gruppen vorangehen, die richtige Gruppe erwische. Ich bin realistisch genug, dass ich nicht auf die letzte Runde zu warten brauche. Da fehlen mir einfach die Kraft und das Talent, dass ich da dann mitmischen kann.

Wie ist die deutsche Mannschaft beisammen?

Sie ist eigentlich aus Klassikerfahrern zusammengestellt. Es ist eine erfahrene Mannschaft, die auch über diese Distanz fahren kann. 300 Kilometer fährst du nämlich eigentlich nie. Das längste Rennen ist über 298 Kilometer bei Mailand-San Remo – und da ist es, abgesehen von den letzten drei Bergen, fast ausschließlich eine Flachetappe. Interessant wird die Kapitänsrolle im Team sein. Ich sehe jetzt nämlich keinen ausgesprochenen Leader. Ich denke, wir müssen ein offenes Rennen fahren und einige Fahrer beschützen und unterstützen, wie beispielsweise Pascal Ackermann, John Degenkolb und Simon Geschke.

Haben Sie schon einen Plan, wie Ihre Aufgabe aussehen wird?

Ich denke, dass ich bei „Ackes“ (Pascal Ackermann,. d. Red.) bleibe, um ihn zu unterstützen. Und dann, wie gesagt, in den letzten Runden offensiv fahren.

Das Wetter wird entscheidend sein Wie entscheidend kann das englische Wetter sein?

Das wird mit entscheidend sein. Wenn das schlecht ist, dann wird sehr wahrscheinlich nur eine ganz kleine Gruppe am Ende ankommen.

Wie ist das, wenn Konkurrenten plötzlich Teamkollegen sind und sonstige Teamkollegen Kotrahenten?

Das ist schon etwas ungewohnt. Aber das muss man professionell und vor allem loyal angehen. Bei den Fußballern ist es ja auch so, wenn die zur Nationalmannschaft reisen. Interview: Neumeier

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