Volleyball

Sechs Siege in elf Spielen: Der Aufsteiger TSV Mühldorf ist in der 2. Bundesliga angekommen

Fünf Punkte nach der Hinrunde: Das Ziel von Trainer Michi Mayer (weißes Shirt) war bescheiden formuliert. Doch die Mühldorfer Mannschaft – im Feld Kilian Nennhuber, Zied Chalghmi und Kapitän Tom Brandstetter (von links) – hat ihn eines Besseren belehrt. Nach elf von 28 Spielen stehen bereits 20 Punkte zu Buche.
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Fünf Punkte nach der Hinrunde: Das Ziel von Trainer Michi Mayer (weißes Shirt) war bescheiden formuliert. Doch die Mühldorfer Mannschaft – im Feld Kilian Nennhuber, Zied Chalghmi und Kapitän Tom Brandstetter (von links) – hat ihn eines Besseren belehrt. Nach elf von 28 Spielen stehen bereits 20 Punkte zu Buche.

Mühldorfs Volleyball-Trainer Michi Mayer ist „super positiv überrascht“ vom bisherigen Verlauf in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Im aktuellen Interview erklärt er, was das Geheimnis des bisherigen Erfolges ist.

Mühldorf – Elf Spiele sind in der 2. Volleyball-Bundesliga absolviert, 20 Punkte stehen auf der Habenseite des Aufsteigers TSV Mühldorf. Das bedeutet aktuell einen gesicherten Mittelfeldplatz. Trainer Michi Mayer gibt offen zu: Mit so vielen Punkten hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. „Wir sind in der 2. Bundesliga angekommen!“ Im aktuellen Interview berichtet er, woran es liegt, dass die Innstädter so schnell in der zweithöchsten deutschen Spielklasse Fuß gefasst haben.

Am Wochenende hatte die Mannschaft frei, die hohen Inzidenzzahlen wegen Corona haben zur Absage des Spiels gegen Mainz geführt. Befürchten Sie, dass der Spielbetrieb komplett eingestellt wird?

Michi Mayer: Die Befürchtung ist natürlich da, wäre aber auch nachvollziehbar. Man kann nicht Schulen und Kindergärten schließlich, um die Infektionen zu reduzieren, aber im Sport eine Ausnahme machen. Auf der anderen Seite soll der Sport zumindest ein bisschen Normalität bringen. Die Menschen, also die Fans, sollen die Möglichkeit haben, auf andere Gedanken zu kommen, wenn es auch aktuell nur im Livestream möglich ist. Die Übertragung unserer Spiele im Internet werden gerne angesehen. Mir tut es vor allem für die Jugendlichen leid, die schon seit einigen Wochen nicht mehr trainieren dürfen, aber es hilft ja nichts.

Wobei Sie einige Jugendliche ja unter Ihren Fittichen haben, sie trainieren nicht nur mit der ersten Mannschaft, sondern spielen zum Teil eine tragende Rolle in der 2. Bundesliga.

Mayer: Das ist richtig. Ein Kilian Nennhuber mit seinen erst 16 Jahren hat sich als Libero extrem gut in das Team eingefügt. Ein Fritz Vaehning hat schon zwei Sätze im Spielbetrieb gedreht, und das mit erst 15 Jahren. Mit Tim Aust und Jonathan Helm ergänzen zwei weitere Nachwuchsspieler das Team. Weitere Jugendliche trainieren seit Kurzem mit, ob sie aber in der laufenden Saison schon Einsätze bekommen, kann ich aber noch nicht versprechen.

Die Rede ist von welchen Spielern?

Mayer: Moritz Wöls und Felix Schinko, 15 und 14 Jahre alt, beides Spieler der Bayernauswahl, sind dazu gestoßen. Felix Schinko erst vor wenigen Tagen, weil er die Position des zweiten Liberos bekleiden soll. Diese Position hatte bislang Xander Mühlbauer inne, der aber nicht mehr dem Kader angehört.

Hat es denn Knatsch gegeben?

Mayer: Nein, aber Mühlbauer wohnt in Ingolstadt, die Fahrten zu den Trainings in München und in Mühldorf sind lange und mit großem Zeitaufwand verbunden. Das steht nicht im Verhältnis für einen Spieler, der aktuell schwächer als Kilian Nennhuber ist und wohl keine Einsätze bekommen hätte.

Sprechen wir über die Liga: Elf Spiele sind absolviert, Mühldorf hat sechs davon gewonnen, steht auf Rang acht. Hätten Sie daran geglaubt, dass es so gut laufen würde?

Mayer: Nein, ich bin super positiv überrascht. Ich war davon ausgegangen, dass wir eine Zeit lang brauchen werden, um uns in der Liga zurechtzufinden. Ich hatte deswegen die Hoffnungen eher auf die Rückrunde gelegt, um das Feld von hinten aufzurollen. Fünf Punkte hatte ich mir nach der Hinrunde ausgerechnet, geworden sind es bislang 20. Das ist Wahnsinn!

Wie erklären Sie sich das?

Mayer: Das Team harmoniert ganz hervorragend nach dem Motto: Einer für alle, alle für einen! Die jungen Spieler übernehmen Verantwortung, wachsen über sich hinaus. Die Routiniers steigern sich von Spiel zu Spiel. Ein Beispiel: Zu Beginn der Saison hätte ich Flo Gschwendtner noch als vierten Mittelblocker gesehen. Jetzt spielt er quasi durch, wurde sogar schon zwei Mal vom gegnerischen Trainer als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Mich freut es ungemein, dass die Mühldorfer Mannschaft ohne kostspielige Neuverpflichtungen auskommt. Gegen Freiburg standen sechs Spieler auf dem Feld, die alle aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Das ist einmalig in der gesamten Liga.

Ein Geheimnis des Erfolges sind sicherlich die Angriffe aus dem Hinterfeld. In der Liga hat sich das ja bereits rumgesprochen.

Mayer: Das stimmt. Vor allem über die Mitte sind wir hier ziemlich erfolgreich, was aber auch an der Übersicht und am Händchen von Zuspieler Alex Brandstetter liegt, der weiß, wie er seine Angreifer einzusetzen hat. Darüber hinaus ist er auch am Netz Klasse, er schlägt hart auf, blockt stark und spielt sehr offensiv, hat dabei immer wieder einen Zuspielertrick auf Lager. Es gibt in der Liga nicht viele Zuspieler, die von sich behaupten können, dass sie pro Spiel acht, neun direkte Punkte machen.

Ihre Prognose für den weiteren Verlauf der Saison?

Mayer: Wir bleiben bescheiden. Ziel ist es, den Klassenerhalt zu schaffen. Die 20 Punkte lesen sich aktuell zwar gut, man darf aber nicht vergessen, dass da einige Spiele dabei waren, die hätten auch anders enden können. Wichtig wird sein, dass wir verletzungsfrei bleiben, um das Niveau konsequent hochhalten zu können.

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