Wie die Rosenheimer Schwimmerin Alexandra Schöne in Corona-Zeiten auf dem Trockenen trainiert

Training im Garten:Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, wie Liegestütze, sind nie verkehrt.
  • vonAlexandra Schöne
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„Es sind annähernd acht Wochen, seitdem ich das letzte Mal einen Fuß in ein Schwimmbad gesetzt habe. Die Corona-Krise hält auch uns Leistungsschwimmer in Schach – zumindest, was das Wassertraining betrifft. Nun versuche ich, mich auf dem Trockenen fit zu halten“, sagt Alexandra Schöne.

Prutting – Schwimmer haben es zurzeit nicht einfach. In der Corona-Krise sind Schwimmbäder geschlossen, Training im Wasser kann nicht stattfinden, Wettkämpfe sind abgesagt. Während Tennisspieler, Leichtathleten und Golfer ab Montag wieder in ihren Trainingsanlagen sporteln dürfen, bleiben Schwimmbäder weiterhin geschlossen. Während wir Schwimmer „früher“ – das heißt, etwa vor zwei Monaten, vor den Bäderschließungen – noch mehrere Stunden in der Woche im Wasser verbracht und Bahnen gezählt haben, sind wir jetzt quasi „trockengelegt“.

Seit 13 Jahren Schwimmen im Verein

Ich selbst bin 18 Jahre alt und seit zehn Wochen Volontärin bei den OVB-Heimatzeitungen. Der Leistungssport Schwimmen aber begleitet mich nun schon seit 13 Jahren. Eigentlich hatte ich geplant, nach dem vergangenen turbulenten Jahr mit Abitur, Praktika und Reisen damit weiter zu machen und wieder voll einzusteigen. Die Corona-Krise hat mir und meinen Mannschaftskollegen vom TSV 1860 Rosenheim aber vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Davon träumt Alexandra Schöne, Leistungsschwimmerin und OVB-Volontärin: Ein Training oder ein Wettkampf im Schwimmbecken.

Die geschlossenen Schwimmbäder sind für uns Schwimmer grundsätzlich ein großes Problem. Denn wie der Name unseres Sports schon vermuten lässt, verbringen wir den größten Teil unserer Trainingszeit in einem Becken und machen nur als Ergänzung Kraft- und Athletiktraining oder gehen laufen. Das Trainieren im Wasser ist folglich unersetzlich, für die Kondition, die Kraftausdauer und das „Wassergefühl“, das für einen Schwimmer so wichtig ist.

Die Sommersaison dürfte gelaufen sein

Eine Grundregel in unserem Sport besagt: Verpasst du eine Woche Training, brauchst du zwei Wochen, um das Ganze wieder aufzuholen. In Mathe war ich nie die Beste, aber was das für mich als Schwimmerin bedeutet, kann ich mir ausrechnen. Ich bin fast überzeugt davon, dass die Sommersaison gelaufen ist und mit ihr all die Wettkämpfe. Ob meine Trainingsgruppe im September, nach der alljährlichen Sommerpause, wieder ins Schwimmbecken hüpfen kann, steht in den Sternen und bleibt abzuwarten.

Boxen ist gut für die Kraft und die Koordination – und außerdem eine interessante Abwechslung im Training.

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Schwimmer sind keine Läufer

Wie halte ich mich also in der Zwischenzeit fit? Für die Erhaltung der Kondition eignen sich Laufen und Radfahren gut. Noch so eine Weisheit aus meinem Sport: Man sagt, Schwimmer seien keine Läufer. In meinem Fall kann ich das bestätigen, Laufen gehe ich nicht so gerne. Da ist mir Radfahren lieber, am besten, wenn sich ganz viele Berge auf der Strecke befinden. Außerdem ist die Abwechslung auch mal ganz schön, denn sowohl beim Radfahren als auch beim Laufen werden einige Muskeln stärker beansprucht als beim Schwimmen. Und, obwohl wir nicht beim Boxen sind, ist Seilspringen eine gute Übung. Das ist zum einen sehr anstrengend, zum anderen arbeitet man mehr an den kleineren Muskeln in Beinen und Füßen.

Kraft- und Athletiktraining auf der heimischen Terrasse

Da momentan auch die Fitnessstudios nicht geöffnet sind, verlagere ich mein Kraft- und Athletiktraining auf die heimische Terrasse. Da mache ich dann entweder Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (Liegestütze, Burpees, Sit-ups und Ausfallschritte) oder schmeiße gelegentlich einen fünf Kilogramm schweren Medizinball durch den Garten. Zwei meiner Lieblingsübungen dabei: Mit dem Ball in die Hocke gehen und dann während des Aufrichtens mit Wucht nach oben über den Kopf hinaus schleudern, so hoch es geht. Für die Muskeln im Oberarm, insbesondere im Trizeps, sind „Slams“ die richtige Übung. Hier nehme ich den Ball entweder in eine Hand oder in beide und schleudere ihn mit maximaler Kraft auf den Boden.

Auch wenn ich schon einige Jahre Bahnen ziehe, muss ich ständig an meiner Technik arbeiten und sie verfeinern. Deshalb greife ich auch gerade in der Corona-Krise zu den bewährten Trockentrainingsübungen mit Zugseil und Theraband. Beim Kraulschwimmen beispielsweise ist ein korrekter und effektiver Unterwasserarmzug äußerst wichtig, denn er hat großen Einfluss auf den Vortrieb im Wasser. Mit Utensilien wie Theraband und Zugseil lassen sich auf dem Trockenen hervorragend Armzüge trainieren.

Trotz aller Möglichkeiten, die es gibt, fehlt mir das Schwimmen an sich sehr. Wenn ich im Wasser bin, kann ich abschalten, mich auspowern und muss mich auf nichts anderes als auf die Einheit konzentrieren, die vor mir liegt. Schwimmen war immer der notwendige Ausgleich, den ich neben der Schule gebraucht habe. Daran hat sich, auch wenn ich jetzt Volontärin bin, nichts geändert.

Den Sport wieder richtig wertschätzen

In der Vergangenheit hatte ich manchmal keine Lust auf Trainings und war zugegebenermaßen froh, wenn ich mal nicht gehen musste. Jetzt, da das Ganze eher unfreiwillig ist, merke ich umso mehr, welchen Stellenwert der Sport in meinem Leben hat. Und wie froh ich sein kann, wenn ich ihn ausüben darf. Da lernt man wieder, seinen Sport richtig wertzuschätzen.

Bei 15 Grad Wassertemperatur in den Simssee

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich letztes Wochenende zu ersten Mal in diesem Jahr in den Simssee hüpfen konnte. Etwas erfrischend war die Wassertemperatur von 15 Grad Celsius schon, das gebe ich zu, aber das habe ich nach einer Weile kaum mehr gemerkt. Im Neoprenanzug ging es einmal von Baierbach nach Ecking und wieder zurück. Nicht dasselbe, wie im Becken eine Einheit zu absolvieren, aber besser als nichts.

Was hat Dory gleich noch im Film „Findet Nemo“ gesagt? „Just keep swimming.“

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