Schlittenhunde, Sonne, Super-Schnee

Der erste Italiener am Start, Loris Bottega, mit seinem großen Gespann: Rasant preschen die laufhungrigen Hunde los.
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Der erste Italiener am Start, Loris Bottega, mit seinem großen Gespann: Rasant preschen die laufhungrigen Hunde los.

Der Schnee glitzerte, Kommandos und Hundegebell schallten durch das Inzeller Tal, und die Augen der Hunde und Gespannführer (Musher) leuchteten: Rund 120 Schlittenhundeteams aus sieben Nationen trafen sich am Wochenende zum 6. Internationalen Schlittenhunderennen in Inzell.

Mit aller Kraft müssen die laufgierigen sibirischen Huskys mit ihren himmelblauen Augen und skandinavischen Hounds mit ihren Hängeohren am Start zurückgehalten werden. Ungeduldig bellen sie, springen mit den Vorderläufen in die Luft und zerren an ihren Leinen. "Drei, zwei, eins, go!" Szenen wie diese und die Faszination dieses Natursports vor traumhafter Winterkulisse lockten am Wochenende insgesamt über 2500 zahlende Zuschauer nach Inzell.

Dass Musher hart im Nehmen sind, bestätigte Wolfgang Fehringer: Der Chef-Organisator fuhr mit Schiene die Mitteldistanz bis zum Frillensee, nachdem er sich vor vier Wochen am Fuß ein Band gerissen hatte. Das habe ihn jedoch nicht beeinträchtigt, beteuerte er. Doch seine fünf Huskys hatten diesmal nicht allzu viel Lust, obwohl sie beim Training ganz gut gewesen waren: Diese tierische Unberechenbarkeit macht diesen Sport auch irgendwie so sympathisch. Über respektable Rennergebnisse bei der bayerischen Meisterschaft im Sprint freuten sich mehrere heimische Gespanne, die für den SC Weißbach (SCW) und den Verein Schlittenhundesport Bayern (SSB) starteten: Robert Öttl aus Weißbach a. d. Alpenstraße war trotz seiner vielen Arbeit als Streckenchef top vorbereitet und gewann mit seinem Siberian Husky "Duke" (fast 4) souverän den Skijöring-Sprint in seiner Klasse. Selbst die Frauen, die beim Skijöring wegen ihres leichteren Gewichts meist schneller sind, hängte er mit jeweils knapp über einer halben Stunde Laufzeit für seine zwölf Kilometer und 190 Höhenmeter (Lauf 1: 32:34/Lauf 2:33:42) in der Husky-Klasse ab. Dank konstanter Laufleistung sogar seine Erz-Konkurrentin Sandra Hederich aus Kempten, die zwar am Samstag schneller war, aber am Sonntag bei etwas weicherem Schnee nicht so gut klar kam. Unter allen 16 Skijöring-Sprintern war Öttl Zweitschnellster: Allein Carmen Steger aus dem Pinzgau, die jedoch mit einem Hound skatete, war schneller als der Weißbacher Rettungsassistent. "Dieses Rennen war ziemlich wichtig für mich", erklärt er nicht ohne Stolz: Diesmal musste er sich mit den Besten der Besten messen, während er im Vorjahr interessante Konkurrenz vermisste. Sein nächstes Ziel ist nun die deutsche Meisterschaft kommendes Wochenende im Schwarzwald.

Obwohl sie am Sonntag durch ein freilaufendes Pferd aufgehalten wurden, preschten der ehrgeizige Weißbacher Andi Birkel und sein laufgieriges Sechs-Husky-Gespann noch auf das Potest: Dritte in ihrer Klasse wurde neben Birkel (24:46 /27:51 Minuten für 12,5 Kilometer und 300 Höhenmeter) auch seine Freundin Sabine Steinbacher mit zwei Huskys: Sie brauchte für ihre 6,2 Kilometer und 80 Höhenmeter 16:45 beziehungsweise 18:14 Minuten. Stockerlplätze schafften auch zwei weitere SCW-Starter: Dieter Kretschmer aus Emmerting im Kreis Altötting, Schnellster der Skijörer mit nicht reinrassigen Hunden, und Bernd Kirstein aus Anger, mit zwei Grönlandhunden Klassenzweiter. Wolfgang Fehringer vom SSB, letztjähriger deutscher Meister in der Mitteldistanz, wurde in dieser Disziplin mit fünf Huskys heuer Siebter von elf Startern in seiner Klasse. Für die 23 Kilometer und 740 Höhenmeter brauchte er eine Stunde und 51 beziehungsweise 58 Minuten.

Auch die Sprinter der Inntal Trail Breakers (ITB) mit Sitz in Neuötting waren erfolgreich, hatten allerdings wenig Konkurrenten, die auch mit skandinavischen Hounds fuhren. Erster ihrer Klasse wurden die Sprinter Alexandra Kathan und Michael Beck aus Irschenberg sowie Heidi Hiermeier aus Halsbach im Kreis Altötting. vm

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