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„Ich würde alles wieder genauso machen“

Samerberger Radrennfahrer Marcus Burghardt beendet Profi-Karriere und gibt Ausblicke in die Zukunft

Marcus Burghardt mit den Errungenschaften seiner langen Karriere: Räder, Trikots, die Medaille für den deutschen Meistertitel und den Preis für den Etappensieg bei der Tour de France.
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Marcus Burghardt mit den Errungenschaften seiner langen Karriere: Räder, Trikots, die Medaille für den deutschen Meistertitel und den Preis für den Etappensieg bei der Tour de France.

Im August des vergangenen Jahres zog sich der Samerberger Radprofi Marcus Burghardt nach einem Sturz eine komplizierte Verletzung zu. Diese zwang ihn nun zum Karriereende.

Samerberg – Der deutsche Radrennfahrer Marcus Burghardt hat sein Karriereende als Profifahrer bekanntgegeben. Als Grund gab der 38-Jährige unter anderem die schleppende Genesung nach seinem schweren Sturz während der Polen-Rundfahrt 2021 an. Gleichzeitig verkündete Burghardt bereits erste Details zu seinem zukünftigen Lebensweg.

Über viele Jahre war Marcus Burghardt einer der wichtigsten Gefährten von Top-Star Peter Sagan.

Ein ganz großer Fahrer tritt von der Bühne des internationalen Radsports ab: Marcus Burghardt beendet seine Karriere aufgrund der Nachwirkungen der schweren Verletzungen, die er sich während dem Finale der Polen-Rundfahrt 2021 zuzog. „Anfang 2022 habe ich endgültig gemerkt, dass die Reha-Fortschritte zu langsam fortschreiten, um fit fürs Frühjahr zu werden“, so Burghardt. Die Frakturen seien zu kompliziert und die Genesung verlaufe zu schleppend für eine Wiederaufnahme in einen Profi-Rennstall.

„War wohl nicht realistisch genug“

Burghardt war bei dem Rennen im August vergangen Jahres 13 Kilometer vor dem Ziel gestürzt und zog sich dabei einen komplizierten Trümmerbruch an Kahnbein und Speiche, sowie einen Bruch der Elle zu. Mit der Entscheidung zurückzutreten habe er lange gehadert, vor allem aber auch deshalb, weil er nicht so schnell aufgeben wollte. „Ich war eigentlich davon überzeugt, dass ich viel schneller wieder fit werden würde, war in dieser Hinsicht aber wohl nicht realistisch genug“, sagte Burghardt. Die langsamen Fortschritte in der Physiotherapie hätten am Ende seinen Entschluss besiegelt.

Marcus Burghardt kann auf eine äußerst erfolgreiche und spannende Karriere zurückblicken: 17 Jahre fuhr er im Profi-Peloton, ganze elf Mal bestritt er die Tour de France und verhalf dabei Größen wie Peter Sagan, Cadel Evans, Marc Cavendish zu ihren Siegen. Auf den gnadenlosen Kopfsteinpflasterpassagen von Paris-Roubaix bewies er sich 14 Mal. 2007 siegte er beim Radsportklassiker Gent-Wevelgem, 2008 gewann er eine Etappe der Tour de France. 2012 verhalf er Evans zu seinem Tour-de-France-Gesamtsieg, 2017 wurde er Deutscher Straßenmeister.

Burghardt war immer eng mit seinen Fans

Trotz seiner Entscheidung möchte Burghardt dem Radsport treu bleiben, wenn auch nicht mehr als Profifahrer. „Ich finde, dass es an der Zeit ist, den Fans etwas zurückzugeben“, sagte Burghardt mit Hinblick auf seinen zukünftigen Karriereweg. „Ich habe eine wirklich große Fan-Community, die immer für mich da waren, die weit gereist sind, um mich bei Rennen zu unterstützen.“ Deshalb wolle er im September 2022 zunächst ein besonderes Radsport-Event organisieren, bei dem man auch die Gelegenheit habe, mit ihm persönlich zu fahren und sich auszutauschen. „Ich habe jetzt die Möglichkeit etwas Besonderes für die Fans und Freunde zu organisieren. Darauf freue mich sehr!“, so Burghardt. Er sei bereits mitten in der Planung und arbeite eng mit Sponsoren und Agenturen zusammen. Weitere Informationen zu der Veranstaltung, sowie eine eigens dafür eingerichtete Webseite soll es schon in den nächsten Wochen geben.

Egal, wie groß der Stress war: Marcus Burghardt hatte für die jungen Fans immer mal ein Präsent parat.

Sieben Jahre lang fuhr der heutige Wahl-Bayer für das Profi-Team BMC unter dem Worldtour-Fahrer Cadel Evans. Danach wechselte Burghardt zum Raublinger Team Bora-Hansgrohe, wo er als Domestik Schulter an Schulter mit dem dreifachen Weltmeister Peter Sagan fuhr. Sagan, der inzwischen zum Team Total-Energies gewechselt ist, äußerte sich ebenfalls zu Burghardts Entschluss. Er könne sich gut vorstellen, wie schwer dieser Schritt für seinen ehemaligen Team-Kollegen gewesen sein muss.

Im Peloton sei er ein starker und zuverlässiger Fahrer gewesen, ein außerordentlicher Domestik und ein fantastischer Kapitän. „Marcus ist nicht nur ein unglaublich guter Fahrer, sondern auch genau der Kandidat, den du in deinem Radteam haben willst. Er ist fokussiert und kann sehr hart für ein Ziel arbeiten. Er ist witzig, nett und immer hilfsbereit“, so Sagan. „Der Profi-Radsport bräuchte mehr Menschen wie ihn.“ Für die jüngeren Fahrer, aber auch den Nachwuchs sei Burghardt ein „außerordentlicher Mentor“, so Sagan weiter. Der Slowake zeigte sich erfreut darüber, dass Burghardt weiter dem Radsport erhalten bleiben wolle, wenn auch in einer neuen, spannenden Konstellation.

Sonnenuntergang auf der Champs Elysees und die Familie im Arm. Burghardt 2019 im Ziel in Paris.

„Eine perfekte Karriere“

Besonderen Dank möchte Marcus Burghardt nicht nur seinen Fans und Unterstützern aussprechen, sondern vor allem auch seiner Frau Maria, seiner Familie, seinem ersten Trainer Klaus Fischer, dem gesamten Team BMC, Bora-Hansgrohe und Bora. „Wenn ich daran zurückdenke wie ich im Alter von zehn Jahren auf einem Diamant-Stahlrahmen anfing und es dann aus einem kleinen Verein heraus mit viel Fleiß und harter Arbeit geschafft habe, am größten Radrennen der Welt teilzunehmen, dann kann ich sagen, dass ich mehr als zufrieden bin“, resümiert Burghardt. „Rückblickend würde ich alles wieder genauso machen. Ich hatte eine perfekte Karriere!“

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