Saisonaus – Im Tischtennis zählen die aktuellen Tabellen: Entscheidung mit fadem Beigeschmack

Kolbermoors amerikanische NationalspielerinLily Zhang konnte Deutschland noch rechtzeitig in Richtung USA verlassen und begab sich in ihrer Heimat in Quarantäne.
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Kolbermoors amerikanische NationalspielerinLily Zhang konnte Deutschland noch rechtzeitig in Richtung USA verlassen und begab sich in ihrer Heimat in Quarantäne.

Coronavirus ist nicht nur für die regionalen Tischtennisspieler bereits jetzt das Unwort des Jahres. Mit der Unterbrechung beziehungsweise der Beendigung des Spielbetriebs von der Bezirksklasse bis zur Bundesliga Mitte März herrschte bei vielen Vereinen Ungewissheit.

Von Gerhard Erlich

Rosenheim/Bad Aibling/Kolbermoor– .Nach dem beschlossenen und jetzt bekannt gegebenen Saisonaus ist im Tischtennis eine Entscheidung gefallen, die teilweise mit großem Unverständnis aufgenommen wurde.

In Bayern war schon früher Schluss

Bislang war es so, dass nach der Schließung der Turnhallen im gesamten Bundesgebiet der Spiel- und Trainingsbetrieb ruhte. Der Deutsche Tischtennis-Bund unterbrach die unter seiner Zuständigkeit stehenden Ligen vorerst bis zum 17. April. Ganz anders der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV): Der hat gleich für klare Verhältnisse gesorgt und den Spielbetrieb offiziell für diese Saison eingestellt. Dies bedeutete, dass weder Mannschafts- wie Einzelwettkämpfe noch Turniere beziehungsweise weiterführende Veranstaltungen stattfanden und auch stattfinden werden. Die Beendigung der Saison brachte auf der einen Seite für den einen oder anderen Verein schon einen gewissen Vorteil. So konnte beispielsweise Kolbermoors Spitzenspielerin Lily Zhang noch in die USA zurückfliegen und sich dort freiwillig in Quarantäne begeben. Auf der anderen Seite aber machten sich die Vereine Sorgen um die Zukunft und auch die Ligazugehörigkeit in der kommenden Spielzeit.

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Aufsteigen oder Relegationsspiele?

Boris Pranjkovic, der mit der zweiten Kolbermoorer Damenmannschaft bis zum Abbruch der Saison auf dem ersten Platz stand, war sich plötzlich nicht mehr sicher. „Ich hoffe, wir dürfen aufsteigen“, äußerte er sich. Aber auch die anderen heimischen Teams standen plötzlich vor Problemen. Die Verbandsoberligaherren des SB DJK Rosenheim waren nach drei Punkten aus den letzten beiden Spielen auf einen Relegationsplatz gerutscht und wussten nicht, wie es weitergeht. Ganz andere Sorgen hatte hingegen der TuS Bad Aibling, der Mitte März auf einen Abstiegsplatz rutschte, wiederum aber nur ein Pünktchen hinter dem ursprünglichen Relegationsplatz lag. Sorgen auch bei Kolbermoors Verbandsoberligaherren, die Chancen auf Rang zwei hatten und damit über eine Relegation den Aufstieg in die Oberliga hätten schaffen können. Ähnliches auch bei Feldkirchens Damen, die über eine mögliche Relegation den Abstieg hätten vermeiden können.

Der Koreaner Kim Wancheol war maßgeblich daran beteiligt, dass die Herren des SB DJK Rosenheim den Klassenerhalt in der Verbandsoberliga schafften.

Geplant war nun eine Arbeitsgruppe, die Lösungsmöglichkeiten ausarbeiten sollte. Diese sollten voraussichtlich am 6. April veröffentlicht werden, um den Aktiven sowie den Vereinen Planungssicherheit für die kommende Saisons geben zu können.

Bundesheinheitliche Lösung angestrebt

BTTV-Vizepräsident Sport Gunter Czepera sagte vor ein paar Tagen: „Wir streben eine bundeseinheitliche Lösung an“. Nun hat sich der Deutsche Tischtennis-Bund mit den 18 Landesverbänden bereits in den letzten Tagen innerhalb einer Telefonkonferenz bereits verständigt und bekannt gegeben, die Saison 2019/2020 von der Kreisliga beziehungsweise Bezirksklasse bis zur Bundesliga der Damen inklusive der Pokal- und Relegationsspiele mit sofortiger Wirkung zu beenden. Die Tabellen werden zum Zeitpunkt der jeweiligen Aussetzung als Abschlusstabelle gewertet. Außerdem sollen die in den Abschlusstabellen auf den Auf- und Abstiegsplätzen befindlichen Mannschaften dementsprechend auf- beziehungsweise absteigen. Relegationsspiele werden nicht mehr ausgetragen. DTTB-Präsident Michael Geiger lobte trotz einiger Härtefälle die erfolgreiche Umsetzung der bundeseinheitlichen Lösung. Die Folge dieser Beschlüsse ist, dass die Verbandsoberligaherren des SV DJK Kolbermoor die Saison auf Rang vier abschließen werden. Der SBR hat durch die drei Punkte in den beiden letzten Spielen den Sprung auf Rang acht geschafft und verbleibt, punktgleich mit der DJK SB Landshut, aber mit dem um zwei Sätze besseren Spielverhältnis in der Liga. Leidtragender sind die Verbandsoberligaherren des TuS Bad Aibling, die zum Zeitpunkt des Abbruchs der Liga auf dem letzten Platz lagen und nun in die Verbandsliga absteigen müssen.

Ebenso steigen die Verbandsoberligadamen des TV Feldkirchen ab und der SV Riedering darf sich in der Verbandsliga Meister nennen. Meister der Verbandsliga Herren, der bis auf eine Begegnung alle Spiele absolvieren konnte, ist der TuS Bad Aibling II.

Kolbermoor II in die 2. Liga aufgestiegen

Im Jugendbereich steigen die Verbandsligabuben des SV DJK Kolbermoor ab und die Verbandsoberligamädchen des TV Feldkirchen beenden die Saison im Mittelfeld.

Die zweite Damenmannschaft des SV DJK Kolbermoor ist Meister der dritten Bundesliga und spielt in der kommenden Saison in der zweiten Bundesliga. Kolbermoors erste Damenmannschaft schließt die Saison als Dritter hinter dem nunmehrigen Meister ttc berlin eastside und dem TuS Bad Driburg ab.

Reaktionen der einheimischen Vereine

Die Reaktionen der Tischtennis-Vereine auf die auf Entscheidung, die Saison komplett zu beenden und die aktuellen Tabellenstände zu werden, fiel unterschiedlich aus. In der Verbandsoberliga der Herren hat sich neben der DJK SB Landshut auch Hans Wiesböck vom TuS Bad Aibling in einer schriftlichen Stellungnahme sehr kritisch geäußert: „Wir haben die wenigsten Spiele der Liga und nur einen Punkt Rückstand. Mit einem einzigen Sieg am Wochenende nach dem Abbruch hätten wir theoretisch auf Rang sieben stehen können. Für uns ist die jetzige Wertung so sicher nicht fair.“ Michael Fuchs vom SV DJK Kolbermoor. „Mit den Herren ist das verkraftbar. Mit der dritten Damenmannschaft hatten wir, da die Relegation wegfällt, Glück auf Rang acht zu landen.“

Bad Aibljng hat den Abstieg nicht verdient

In Feldkirchen herrscht Unverständnis. Sepp Kellerer, der sogar selbst Spielleiter ist, meinte enttäuscht: „So geht das gar nicht“. Feldkirchens Damen beenden die abgebrochene Saison als Tabellenletzter. SBR-Kapitän Wolfgang Hundhammer erklärte: „Ich bin glücklich, dass wir es geschafft haben. Ich bin überrascht und hätte gedacht, dass es eine andere Lösung gibt. Landshut und Bad Aibling haben den Abstieg nicht verdient“. Boris Pranjkovic, Trainer der zweiten Kolbermoorer Damenmannschaft, die als Meister zukünftig in der zweiten Liga spielt, meinte: „Mich hat es schon ein wenig überrascht“.

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