Saisonabbruch oder Fortsetzung: Viele offene Fragen in der Fußball-Regionalliga Bayern

Wie geht es weiter in der Fußball-Regionalliga Bayern? Während in den meisten anderen Landesverbänden die Saison bereits abgebrochen wurde, soll in Bayern die laufende Spielzeit möglichst ab September fortgesetzt werden

Von Michael Buchholz

Rosenheim/Mühldorf – . Belastbare Fakten wie es in der Fußball-Regionalliga Bayern weiter geht gibt es nicht wirklich, denn weiterhin gibt der Verlauf der Covid-19-Pandemie die Rahmenbedingungen vor.

Dass angesichts der unsicheren Perspektive immer wieder Gerüchte aufbrodeln, liegt auf der Hand. Eine kolportierte Abstimmung unter den 18 Regionalligisten, bei der angeblich mit 17:1 für einen Abbruch gestimmt worden sei, hat in den vergangenen Tagen für reichlich Wirbel gesorgt. Dazu der Bayerische Fußball-Verband (BFV) in einer Pressemeldung: „Fakt ist, dass es über den weiteren Fortgang der aktuell unterbrochenen Saison in der Regionalliga Bayern keine Abstimmung gegeben hat.“ Daraus ergibt sich zwangsläufig, „dass es daher auch kein Abstimmungsergebnis gibt.“

Angebliche Abstimmung

Grundlage für die angebliche Abstimmung ist wohl ein Meinungsbild, das der BFV vor einigen Wochen bei den Vereinen eingeholt hat, wobei die Mehrheit damals eher für einen Abbruch plädiert hätte und nur der FC Memmingen als Befürworter für einen Fortsetzung aufgetreten sei, während einige Clubs keine Tendenz erkennen ließen. Inzwischen hat sich viel verändert, zahlreiche Lockerungen nach dem Lookdown haben wohl auch bei einigen Vereinsverantwortlichen wieder für eine positivere Stimmung gesorgt und so wird intensiv diskutiert, wie es weitergehen könnte. Das erklärt auch BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth: „Fakt ist, dass sich der BFV bezüglich aller relevanten Fragen rund um die Regionalliga Bayern weiterhin in einem intensiven Austausch mit den Ligasprechern und Vereinen befindet.“

An Spekulationen will sich der Verband freilich nicht beteiligen: „Fakt ist, dass der BFV gemeinsam mit den Regionalligisten dann etwaige Ergebnisse kommuniziert, wenn es diese auch tatsächlich gibt.“ Es gibt ganz offensichtlich noch viel zu viele offene Fragen, um wenigstens Tendenzen erkennen zu können, eines ist aber klar: Eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen wie im Profi-Fußball wird es in der Regionalliga Bayern nicht geben, darin sind sich die Vereine dem Vernehmen nach einig, zumal sich der Spielbetrieb ohne die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Catering nicht finanzieren lässt

Sollte es tatsächlich im September weitergehen, stellt sich natürlich die Frage, wie ein möglicher Spielplan aussehen könnte. Können überhaupt alle 18 Vereine dort weitermachen, wo sie im März aufgehört haben? Und wie sehen im September die Kader der einzelnen Vereine aus?

Ist der Drittliga-Aufstieg überhaupt finanzierbar?

Da ja die Drittligasaison nach langen Ringen mit Geisterspielen fortgesetzt wird, scheint klar, dass mit Beginn der neuen Spielzeit der Meister der Regionalliga Bayern seinen Startplatz in der 3. Liga wahrnehmen wird, auch wenn er nicht final auf dem Platz ermittelt wurde. Spitzenreiter Türkgücü München führt die Tabelle mit acht Punkten Vorsprung auf Schweinfurt an, zuletzt meldete der Aufsteiger aber angesichts der wirtschaftlich veränderten Bedingungen Bedenken an, ob der Aufstieg und die kommende Drittligasaison finanzierbar seien. Mit Schweinfurt stünde ein möglicher Nachrücker aber bereits Gewehr bei Fuß. Auch für die Schnüdel wäre der Aufstieg ein finanzieller Kraftakt In der Diskussion um eine mögliche Spielstätte hat die Stadt München am Dienstag eine neue Gesprächsrunde einberufen, bei der angeblich das Olympiastadion ins Spiel gebracht wurde, falls Türkgücü das Aufstiegsrecht wahrnehmen sollte. Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny wollte dahingehend aber weder etwas bestätigen, noch dementieren, aber allein die Teilnahme an den Gesprächen macht klar, dass immerhin weiter Interesse am Aufstieg besteht. Ob Türkgücü oder Schweinfurt, so oder so wird der Aufsteiger wohl aus der Wertung genommen und die Regionalligasaison mit maximal 17 Clubs fortgesetzt.

Finanzspritze des FC Bayern München

Da ja nach der dreimonatigen Winterpause nur ein Spieltag stattgefunden hat und nun der Ball erneut mindestens für fünfeinhalb Monate ruht, dürfte der eine oder andere Club trotz der 20000 Euro Finanzspritze des FC Bayern München an seine finanziellen Grenzen stoßen.

Auch wenn die Saison 2020/21 entfallen sollte, steht der Regionalliga Bayern ja der DFB-Pokal-Startplatz 2021/22 zu, den man ausspielen könnte. Und theoretisch gäbe es ja auch einen freien Platz für die Aufstiegsrelegation zur Saison 2021/22 in der 3. Liga.

Sollten alle Vereine die Pause bis mindestens Anfang September finanziell überstehen, muss man aber fragen, ob die Clubs dann überhaupt noch ausreichend Spieler haben, um die Saison fortzusetzen. Dass es im Sommer ein Wechselfenster geben muss, scheint ebenfalls unumgänglich.

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