Rosenheimer Triathleten im Wartestand

Gerd Fischer bei der Weltmeisterschaft 2019.

Rosenheim – Nicht nur die Profis sind von der weltweiten Corona-Pandemie betroffen, auch die Sportler des BaderMainzl-TriTeams TSV 1860 Rosenheim können seit Mitte März nicht mehr in vollem Umfang ihrem Training nachgehen.

Einige Mannschaftsmitglieder mussten bereits Wettkampfabsagen und -verschiebungen hinnehmen.

Die Triathleten der Rosenheimer 60er spulen normalerweise von Oktober bis April dreimal pro Woche in Hallenbäder ihre gemeinsamen Schwimmeinheiten ab und absolvieren teilweise noch zusätzliche Einheiten im Hans-Klepper-Hallenbad. Dazu finden nach Absprache gemeinsame Ausfahrten auf dem Rad statt. Und das Training auf der Laufbahn im Rosenheimer Jahnstadion sollte inzwischen auch schon wieder im Gange sein. All dies war seit Mitte März nicht mehr möglich. Jeder muss nun für sich allein trainieren – Radfahren und Laufen – in der Hoffnung, dass doch noch die Wettkampfsaison beginnt.

„Schlimm finde ich die mentale Komponente“, so Abteilungsleiter Christopher Heick, der ergänzt: „Keine Wettkämpfe, keine Motivation, keine Kameraden, die einen ziehen.“ Trotzdem ziehen sich die Teammitglieder via WhatsApp-Gruppe und über Apps, in denen man die Trainingseinheiten anderer Mannschaftsmitglieder verfolgen kann, immer wieder aus diesem Sumpf heraus. Der Kurztriathlon in Kaltern, die Challenge St. Pölten, die Challenge Kaiserwinkl-Walchsee, der Schliersee-Triathlon und die kleinen, aber doch immer beliebten Triathlons in Kirchbichl, Bad Tölz und Thiersee sind Corona schon zum Opfer gefallen. Gerd Fischer wäre in Schliersee bei der 33. Auflage auch zum 33. Mal am Start gewesen.

Markus Kempf plante für Juli den Ironman Austria in Klagenfurt, der nun auf 20. September verschoben ist. Sein großes Ziel lautet, sich für die WM auf Hawaii zu qualifizieren. „Wettkämpfe sind das Salz in der Suppe, wichtig ist jedoch zuerst, dass die Sicherheit für alle Helfer, Zuschauer und Athleten gewährleistet ist“, so Kempf, der froh ist, weiterhin draußen trainieren zu können, aber auch nicht immer gerne allein unterwegs ist. „Schwimmen findet natürlich seit sieben Wochen überhaupt nicht mehr statt. Es wird lange dauern, bis mein alter Zustand wieder erreicht ist“, meint der ehemalige Eishockey-Profi.

Mit Johannes Bergmann gibt es einen zweiten Sechziger, der das Ziel Ironman-WM auf Hawaii nicht aus den Augen verlieren möchte. Er hat sich zuletzt am rechten Meniskus operieren lassen und wird nun für den Ironman Cozumel/Mexiko am 22. November trainieren. Nach seinem fünften Platz im Jahr 2017 in der Altersklasse 60 greift er dieses Jahr in der Altersklasse 65 nach dem WM-Slot für 2021. Auch Steffi Walther (AK 20) hat Corona eine bittere Absage eingebracht: Sie plante für Juni einen Start bei der Studenten-WM in Ungarn, bei der sie durchaus Medaillenchancen hatte. Julian Sparrer hofft hingegen noch auf seinen persönlichen Saisonhöhepunkt: „Ich habe mich für die Altersklassen-WM in Samorin in der Slowakei qualifiziert. Dieses Rennen hätte Ende Mai stattfinden sollen und ist vorerst auf Mitte August verschoben worden.“

Doch die Triathlon-Abteilung der Rosenheimer ist vielseitig. So konzentrieren sich manche Sportlerinnen und Sportler vorwiegend auf Laufveranstaltungen oder Rennen im Freiwasserschwimmen. Die stellvertretende Abteilungsleiterin Eva Iden freut sich auf die regionalen Bergläufe. Sie hatte Glück, dass sie beim Crosslauf in Bad Endorf und beim Winter Mountainman Wintertrail in Reit im Winkl (Sieg in der AK 40) starten konnte. „Der Chiemgau Trail Run wäre nun im Mai gewesen und wurde verschoben, leider fällt der Termin nun mit dem Simsseehalbmarathon zusammen. Nun mache ich viele Läufe in einem Radius von etwa zehn Kilometer von zu Hause aus und sammle auch Kilometer auf dem Rennrad“, so Iden. Für Peter Lindl ist die Motivation derzeit schwer: Kurzarbeit im Betrieb und dazu immer mehr abgesagte Wettkämpfe zehren auch an ihm. Geplant waren der Halbmarathon in Wien sowie die Triathlons in Erding, am Chiemsee, in Schliersee und Regensburg. „Vielleicht muss ich den München-Marathon anvisieren und auf diese Durchführung hoffen“, so Lindl.

Besonders bitter sind die seit Mitte März geschlossenen Bäder für die Langstreckenschwimmer Leopold Lindauer und Oliver Nowotny. So fehlen Nowotny nicht nur mindestens 120 Trainingskilometer im Wasser, sondern auch das Mannschaftstraining, woraus er viel Motivation zieht und die Grundlagen- und Schnelligkeitsausdauer für den Sommer legt. Dennoch hat er sein Ziel, den Schwimmmarathon über zehn Kilometer durch den Hallstätter See am 1. August, noch nicht aus den Augen verloren. „Die anderen haben ja denselben Trainingsrückstand, dann wird es eben ein langsameres Rennen. Die Hauptsache ist jedoch, dass wir überhaupt schwimmen können und ich auch die Aktiven aus den anderen Vereinen wieder treffen kann.“ Und sollte dort abgesagt werden müssen, bleibt noch die Hoffnung auf ein paar Rennen im Alpen Open Water Cup, dessen zweite Saisonhälfte mit Rennen im Hechtsee, Fuschlsee, Chiemsee und Tegernsee erst ab Mitte August geplant ist.

Etwas anders sieht Dennis Eiken die Lage. „Für meinen Teil ergibt sich der Antrieb zu den Aktivitäten nicht allein durch Wettkämpfe. Wichtig ist die Energie aus dem Willen, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und die Gesundheit zu fördern. So nehme ich mir derzeit längere Radtouren vor, die ich umsetzen möchte. Statische Kraft- und Entspannungseinheiten nehmen einen größeren Raum ein, Bücher lesen und mehr Zeit für die Familie tun ebenfalls gut.“ now

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