EIGENTLICH WÄRE ER IN DEN USA

Banger Blick in eine schöne Zukunft? Starbulls-Stürmer Timo Bakos will auf das College

Noch wartet Timo Bakos auf sein erstes Tor bei den Starbulls. Nahe dran, wie hier im Spiel gegen Peiting war er schön öfter. Ziegler (3)/Butzhammer
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Noch wartet Timo Bakos auf sein erstes Tor bei den Starbulls. Nahe dran, wie hier im Spiel gegen Peiting war er schön öfter. Ziegler (3)/Butzhammer
  • Thomas Neumeier
    vonThomas Neumeier
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Der Schädel brummt bei Rosenheims 20-jährigen Eishockey-Stürmer Timo Bakos. Nicht nur wegen eines Checks beim Spiel in Riessersee, sondern wegen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten was seine Zukunft betrifft.

Rosenheim – Eigentlich wäre Timo Bakos in den USA, würde bei den Sioux Falls Stampede in der höchsten Nachwuchsliga der Vereinigten Staaten, der USHL, spielen und sich in South Dakota auf seine Zeit im College vorbereiten. Die Vereinbarung mit den Wildcats der Uni of New Hampshire aus der College-Liga NCAA steht eigentlich. In der Realität wohnt der 20-Jährige in einer WG der Starbulls Rosenheim mit mehreren jungen Mitspielern. Und ihm brummt der Schädel.

Was bringt die Zukunft? Timo Bakos (links) vor dem Spiel. Rechts Alexander Biberger.

Viele Unwägbarkeiten und Unsicherheiten

Und das nicht nur aufgrund des Checks, den Bakos am Sonntag bei der Partie der Starbulls in der Eishockey-Oberliga Süd beim SC Riessersee hinnehmen musste. Danach war für ihn die Partie vorzeitig beendet. Der Schädel brummt Bakos vor allem aufgrund der vielen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, die ihm die Pandemie beschert hat. Corona sorgte dafür, dass die Saison 2019/20 vor den Play-offs in der USHL abgebrochen wurde.

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„Das war schon ein Schock“, so Bakos, der die Saison dort genossen und sich auf eine weitere Spielzeit gefreut hatte. „Ich hatte viel Spaß, es war mein bislang bestes Jahr. Das war wie ein guter Traum.“ Aber mit dem neuerlichen Engagement in den USA wird es nichts. „Ich hatte mich in Augsburg darauf vorbereitet und dann bis in den November hinein gehofft, dass es mit der Rückkehr klappt“, erzählt Bakos, „es war ein hin und her, ob ich noch rüberfliegen kann“. Aber wieder macht die Pandemie einen Strich durch die Rechnung – und für den 20-Jährigen muss eine Lösung her.

Vater war deutscher Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer

Im Oktober spielt der Mittelstürmer für den EHC Königsbrunn in der Bayernliga, „weil ich wegen der NCAA nicht als Profi spielen darf“. Doch wieder kam – Corona. Deutschland beschließt den Lockdown mit Beginn des Novembers. Und: „In der Bayernliga war Schicht im Schacht.“ Die Rosenheimer Anfrage kam da wie gerufen. „Das war für mich eine gute Option.“ Aber: Die Oberliga spielt als Profiliga. Und Bakos plagen Gedanken über die eigentlich schon fixe Zukunft. Und wieder brummt der Schädel.

Konzentriert an der Scheibe: Der 20-jährige Starbulls-Stürmer Timo Bakos.

Bakos spricht von einer „Achterbahnfahrt“ und einer „großen Belastung“

Der aufgeschlossene junge Mann spricht von einer „Achterbahnfahrt“ und einer „großen Belastung“. Aktuell ist nämlich immer noch nicht klar, ob die ausgehandelte Vereinbarung mit der Uni of New Hampshire von der NCAA anerkannt wird. „Es wird gerade noch alles abgeklärt und es wäre mein großer Wunsch, dass das noch klappt.“ Immerhin hat Bakos nun digital alle Englisch-Tests erfüllt, die er für die Aufnahme aufs College machen musste. Nun hofft er auf eine positive Antwort aus den USA. Vor allem wünscht sich der gebürtige Augsburger – dessen Vater Michael über 750 Spiele in der Deutschen Eishockey-Liga bestritt, Deutscher Meister und Nationalspieler wurde und an den Olympischen Spielen teilnahm – Klarheit über seine Zukunft: „In den letzten Monaten war ich immer irgendwo zwischendrin.“

Eine schnelle Antwort könnte bei Bakos auch die Fesseln lösen, die ihn in seinem Spiel verständlicherweise noch etwas bremsen. In 27 Begegnungen für die Starbulls stehen lediglich vier Assists zu Buche, ein eigener Treffer fehlt noch komplett. Und das verwundert, wenn man auf die bisherigen Statistiken des Centers schaut, in denen sich Tore und Vorlagen die Waage halten.

Ein Kaltstart bei den Starbulls Rosenheim

„Das kannte ich bislang noch nicht, dass ich ewig kein Tor schieße“, hadert Bakos, „aber das ist wohl so, wenn der Kopf nicht immer frei ist“. Zumal der Angreifer nach mehreren Wochen ohne Eistraining bei den Starbulls einen Kaltstart hinlegen musste und aufgrund der vielen Wochentagsspiele weniger Trainingseinheiten hatte, um den Rückstand aufzuholen.

„Ich hoffe, dass ich zu den Play-offs 100 Prozent abrufen kann und dann auch einer mal reinrutscht und der Bann gebrochen ist.“ Bakos ist selbstreflektiert, aber auch lernwillig. Mehr als die Hälfte seiner Anspiele konnte er für sich entscheiden, von den erfahrenen Starbulls-Akteuren schaut er sich da einiges ab: „Curtis Leinweber und Michael Baindl sind coole Bullyspieler“, sagt er. „Im Training geht man dann schon mal hin und fragt, ob man ein paar Bullys machen kann – und dann zeigen die einem auch was.“

Immer einen Blick für den Mitspieler: Timo Bakos.

„Wir sind eins der besten Oberliga-Teams“

Auf die Frage, was er aus Rosenheim mitnehmen würde, antwortet er: „Freunde – und dass ich in Deutschland und im Herrenbereich spielen konnte.“ Vielleicht nimmt er ja auch einen Titel mit. Auch da helfen Bakos positive Gedanken: „Wenn wir unser Top-Level erreichen, dann können wir das schaffen.

In der Mannschaft ist großes Talent, wir sind eines der besten Teams der Oberliga.“ Das habe man auch bei den Siegen über Selb und Regensburg bewiesen. „Das sind starke Gegner, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken. Dazu haben wir auch keinen Grund.“

Trotz aller Widrigkeiten der letzten Monate positiv

Auch das macht den 20-Jährigen aus: Er denkt trotz aller Widrigkeiten der letzten Wochen und Monate positiv. Dass er nun in der Oberliga eine Saison gespielt hat, würde ihn auch in der NCAA weiterbringen. „Da sind die Spieler im Endjahrgang auch schon 24, 25 Jahre. Das Jahr hilft mir in jedem Fall weiter, gar keine Frage.“

Seine Ziele für die USA sind gesteckt: „Erfahrungen mitnehmen, das Studium schaffen und im Eishockey weiterkommen. Eishockey, das Campus-Leben – vielleicht habe ich sogar die vier Jahre meines Lebens!“ Wenn er denn darf. Aber diesmal soll Corona Timo Bakos nicht mehr im Weg stehen.

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