Nachwuchsarbeit im Fokus

20 Jahre Starbulls: Auch nach dem Rückzug stets hochklassig

Neugierig lugen diese Starbulls-Nachwuchsspieler über die Bande aufs Eis: Welche Entwicklung werden sie in den nächsten Jahren nehmen?Ziegler, Ruprecht (2)
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Neugierig lugen diese Starbulls-Nachwuchsspieler über die Bande aufs Eis: Welche Entwicklung werden sie in den nächsten Jahren nehmen?Ziegler, Ruprecht (2)
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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  • Thomas Neumeier
    Thomas Neumeier
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Die Nachwuchsarbeit im Rosenheimer Eishockey hat einen sehr guten Ruf. So richtig begründet wurde dieser mit dem Einstieg der Familie März Ende der 1970er-Jahre. Der Hauptsponsor setzte nicht nur auf namhafte Akteure, sondern legte sein Augenmerk auch auf die Jugend.

Rosenheim– Die Nachwuchsarbeit im Rosenheimer Eishockey hat einen sehr guten Ruf. So richtig begründet wurde dieser mit dem Einstieg der Familie März Ende der 1970er-Jahre. Der Hauptsponsor setzte nicht nur auf namhafte Akteure, sondern legte sein Augenmerk auch auf die Jugend. So entsprangen nicht nur zahlreiche Nationalspieler aus dem Rosenheimer Nachwuchs, die sehr gute Arbeit zeigte sich auch in der Bilanz an deutschen Meistertiteln: 1985 die Jugend, 1986 Junioren und Schüler, 1987 die Jugend, 1988 Jugend und Schüler, 1989 Junioren und Schüler, 1990 Junioren und Jugend, 1991 Jugend, 1994 Junioren, 1997 Schüler und 2000 erneut die Schüler.

Final-Enttäuschung: Torhüter Timo Herden wird nach dem verlorenen Penaltyschießen im DNL-Play-off-Finale gegen Landshut von den Mitspielern getröstet.

Jugendmannschaften blieben trotz Neubeginn der Herrenmannschaft in den höchsten Spielklassen

Vielleicht war der letzte Meistertitel der alten Rosenheimer Ära – errungen unter Trainer Heini Renner mit den Spielern Michael Fröhlich, Thomas Schenkel, Andreas und Herbert Geisberger, Maxi Huff, Florian Busch und Viona Harrer, die später in der Starbulls-„Ersten“, der DEL oder gar in der Nationalmannschaft landeten – auch Ansporn für die Entscheidungsträger des nur kurze Zeit später neu gegründeten Vereins, dem Nachwuchs besondere Beachtung zu geben. Mit Erfolg, denn auch nach dem Neubeginn der Herrenmannschaft in der untersten Liga blieben die Jugendteams in den höchsten Spielklassen. Und nur so konnten sich wieder Spieler für die erste Mannschaft, die DEL und die Nationalmannschaft entwickeln – aus ihnen wurden sogar Deutsche Meister und Stanley-Cup-Sieger, und sie standen im Finale der Olympischen Spiele.

Vorbilder haben sich um den Nachwuchs gekümmert

Nachwuchstrainer des Jahres 2019 in Deutschland: Oliver Häusler, aktuell Nachwuchs-Chefcoach der Starbulls.

Dass sich aus diesen Zeiten Vorbilder entwickelt haben, ist sicher das eine Erfolgsrezept. Das andere ist, dass sich diese Vorbilder dann auch eindringlich um den Nachwuchs gekümmert haben. Anfangs mit Gerhard Baldauf, danach unter anderem Edi Riedl oder Heini Renner sowie Gerhard Graf. Dies übernahmen auch die Vorstände der Starbulls ab dem Jahr 2000 – und so sind bis heute ehemalige Erstliga- und Nationalspieler für die Nachwuchsteams verantwortlich. Über ein Jahrzehnt war Thomas Schädler, Meisterkapitän von 2004, als DNL- und Cheftrainer für den kompletten Rosenheimer Nachwuchs verantwortlich, sein Nachfolger als Cheftrainer ist Oliver Häusler, Rekord-Torhüter bei den Starbulls. Ein wichtiger Baustein ist Martin Reichel, ehemaliger Nationalspieler und Meisterkapitän von 2010, der dem Nachwuchs im goldenen Lernalter das Rüstzeug mit auf dem Weg gibt. Sie wurden und werden von vielen weiteren früheren Rosenheimer Cracks – ehemals Max Deisenberger, Andi Schneider oder Frank Hohenadl, aktuell Bernd Kühnhauser – begleitet, mit Rick Boehm und Derek Mayer stehen derzeit auch zwei weitere ehemalige Nationalspieler an der Bande. Zudem hat man in Sigi Harrer einen famosen Torwarttrainer und bereits bei den jüngsten Kufencracks vermitteln Spieler aus der ersten Mannschaft, aktuell Dominik Daxlberger und Simon Heidenreich, Ehrgeiz und Freude am Teamsport.

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Rosenheim nimmt mit vielen Top-Spielern als Nachwuchstrainer Vorreiterrolle ein

Diese Ansammlung an Top-Spielern als hauptamtliche Nachwuchstrainer ist im deutschen Eishockey eine Seltenheit und Rosenheim nimmt damit als Oberligist eine Vorreiterrolle ein. Auch dadurch haben sich alte Erfolge wieder eingestellt: 2011 standen die Starbulls im Finale der DNL, 2017 und 2018 holte man sich die deutschen Meistertitel bei den Schülern. Und auch Rosenheimer Trainer wurden dekoriert: Thomas Schädler ist mittlerweile hauptamtlicher Nachwuchs-Nationaltrainer, Oliver Häusler wurde 2019 zum „Nachwuchstrainer des Jahres“ in Deutschland ausgezeichnet.

Corona-Test vor jedem Spieltag – einheimische Profisportvereine dürfen weiterhin spielen

Nachwuchsarbeit ist ein ständiger Kampf

Bei aller Freude: Nachwuchsarbeit ist ein ständiger Kampf, auch für die Starbulls-Verantwortlichen: Die Lücke, die der Absturz in die unterste Herrenklasse bei der Rekrutierung von Jugendspielern gerissen hatte, zog sich durch – und so musste die DNL-Mannschaft 2018 in die Division 2 runter. Am fünften Stern des Nachwuchsprogramms vom Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) schrammen die Starbulls regelmäßig vorbei, weil ihnen keine zweite Eisfläche zur Verfügung steht – da helfen dann auch die anderen Top-Benotungen nicht! Und nun also Corona und die Frage, ob sich Jugendliche danach wieder fürs Eishockey begeistern? Die Starbulls haben aber einige Pfunde dagegen: Hohe Spielklassen, herausragende Trainer und einen hervorragenden Ruf!

Wenn der Trainer spricht, dann hört man schon ganz genau hin.

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Dass die Deutsche Nachwuchsliga (DNL) als Eliteliga für den deutschen Eishockey-Nachwuchs gegründet wurde, lag auch an einem Rosenheimer: Andreas Peters, bei der Gründung 1. Vorstand der Starbulls, hatte entscheidend am Konzept mitgewirkt. Und es wäre fatal gewesen, hätte gerade eine Rosenheimer Eishockey-Mannschaft bei der Einführung der Liga gefehlt, weil sich die Profitruppe zurückgezogen hatte und der neue Verein ganz unten anfangen musste. Der Nachwuchs blieb aber erstklassig – und stellte dies auch in den zwei Jahrzehnten Starbulls Rosenheim unter Beweis.

U20 in 17 Spielzeiten in der DNL

Über ein Jahrzehnt DNL-Coach der Starbulls: Thomas Schädler, jetzt Nachwuchs-Bundestrainer.

In 17 Spielzeiten agierte der älteste Rosenheimer Nachwuchs in der obersten DNL-Klasse. In fünf Saisonen kamen die Starbulls bis ins Viertelfinale, drei weitere Spielzeiten endeten im Halbfinale – und zweimal schaffte man es sogar bis ins Play-off-Finale. 2006 war dort Seriensieger Jungadler Mannheim Endstation, 2011 scheiterte man äußerst knapp am EV Landshut. Nach einer 4:5-Niederlage in Niederbayern und einem 7:3-Erfolg daheim fand das entscheidende Spiel in Rosenheim statt. Dabei lagen die Starbulls schon mit 2:0 vorne, gerieten dann aber in Rückstand und erzielten noch den 3:3-Ausgleich, sodass das Penaltyschießen die Deutsche Meisterschaft entschied. Dort hatten die Landshuter dann das glücklichere Ende für sich. Immerhin schafften aus dieser Rosenheimer Mannschaft mit Timo Herden, Max Meirandres, Max Renner, Dominik Daxlberger und Marius Möchel gleich fünf Spieler den Sprung in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL).

Zwei Meisterschaften für die Starbulls in den Jahren 2017 und 2018

Meisterjubel: Die Rosenheimer Schüler-Mannschaft holte sich 2018 den deutschen Meistertitel.

Die größten Erfolge für den Starbulls-Nachwuchs waren sicherlich die Deutschen Meisterschaften der Schüler in den Jahren 2017 und 2018. Marinus Schunda, Maximilian Agerer, Tobias Beck, Marc Bosecker, Michael Druckmüller, Johannes Hoose, Marco Koller, Lukas Krumpe, Maximilian Mayer, Marcel Mayer, Lukas Reichel, Lars Stelzmann und Robin Thalmeier steuerten ihre Leistung zu beiden Triumphen bei. Im Aufgebot des Teams von 2017 standen mit Schunda, Benedikt Dietrich, Enrico Henriquez-Morales, Florian Maierhofer, Sebastian Stanik und Kilian Steinmann Akteure, die dem aktuellen Oberliga-Kader der Starbulls angehören, aus dem 2018er-Meisterteam kommt noch Michael Gottwald hinzu. Neben Enrico Henriquez, der bereits einen Fördervertrag von DEL-Club Ingolstadt vorweisen kann, spielten 2017 Goalie Christopher Kolarz (in der Akademie von Red Bull Salzburg), Verteidiger Christian Obu (bei den Löwen Frankfurt in der DEL2 unter Vertrag) und natürlich NHL-Erstrundendraft Lukas Reichel (bei den Eisbären Berlin in der DEL) für die Starbulls-Schüler.

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