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Interview mit dem WM-Medaillenträger

Benjamin Werndl holt WM-Bronze im Team: Welche drei Momente für ihn besonders herausragen

Benedikt Werndl kehrte mit einer Team-Medaille von der Weltmeisterschaft aus Dänemark nach Aubenhausen zurück.
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Benedikt Werndl kehrte mit einer Team-Medaille von der Weltmeisterschaft aus Dänemark nach Aubenhausen zurück.

17 Jahre lang musste Benjamin Werndl auf eine Berufung für ein deutsches Dressurteam warten, bei der WM in Dänemark war es endlich so weit und der Aubenhausener zeigte auch gleich sein ganzes Können. Nun spricht er im Interview über die WM und das Onkelwerden.

Aubenhausen – Als Junior und junger Reiter war Benjamin Werndl mit seiner Schwester Jessica hoch erfolgreich. Danach dauerte es 17 lange Jahre, bis der Aubenhausener wieder in ein deutsches Dressurteam berufen wurde. Bei den Weltmeisterschaften in Herning/Dänemark wurde der 38-jährige Olympiakader-Reiter mit seinem Spitzenpferd Famoso OLD und neuem persönlichen Bestergebnis im Grand Prix (77,003 Prozent) Sechster von 93 Starterpaaren. Im Special (78,237 Prozent) und in der Kür (85,893 Prozent) steigerte das Duo sein Bestergebnis erneut und verpasste das Edelmetall nur knapp.

Glückwunsch zur Bronzemedaille mit der Mannschaft. Wie fühlen Sie sich?

Benjamin Werndl:Sehr, sehr gut! Es ist meine erste Medaille überhaupt bei den „Großen“. Gerade deswegen haben wir drei Neuen im deutschen Team, Ingrid Klimke, Frederic Wandres und ich, uns natürlich besonders gefreut. Es war nicht ganz sicher, dass wir überhaupt eine Medaille gewinnen würden, weil die Schweden auch sehr stark waren. Andererseits: Wenn bei uns alles optimal gelaufen wäre und bei den anderen nicht, hätte noch mehr drin sein können. Aber es war nun mal so. Die Freude überwiegt.

„Ich habe mich frei gemacht vom Ergebnis“

Auf ihrem ersten Championat haben Sie in allen drei Prüfungen mit Famoso ein neues persönliches Bestergebnis aufgestellt. Wie haben Sie das geschafft?

Werndl:Ich habe mich frei gemacht vom Ergebnis und mich immer auf den nächsten Meter und die nächste Lektion konzentriert. Vorher habe ich mir genau überlegt, wie ich die Aufgabe von Lektion zu Lektion reiten will und mir das immer wieder vorgestellt. Aber ich habe mich nicht nur damit beschäftigt, sondern auch mit anderen Dingen. Wenn man nur noch die nächste Prüfung im Kopf hat, ist es auch nicht gut.

Geht es grundsätzlich darum, das richtige Maß zu finden? Auch im Training und in der Prüfungsvorbereitung?

Werndl:Ja. Das ist immer eine Gratwanderung. Wenn man zu viel macht, ermüdet man die Pferde und nimmt ihnen die Lust. Macht man zu wenig und reitet in ein Stadion mit 12 000 Zuschauern ein, ist es auch nicht gut. Wir hatten vorher ein Trainingslager und waren insgesamt zwei Wochen quasi im Wettkampfmodus. Ich hatte vorher ein bisschen Bedenken, dass es zu viel werden könnte. Deshalb habe ich sehr gezielt trainiert und bin Teile der Aufgabe geritten. Zwischendurch habe ich immer wieder einen Tag Pause gemacht. Das war mir sehr wichtig, um ein energiegeladenes Pferd zu haben. Unser Vorteil war, dass wir am ersten Prüfungstag dran waren und es nach dem Grand Prix und nach dem Special jeweils einen Tag etwas ruhiger angehen konnten. Das war ein guter Rhythmus.

Welcher Moment der Weltmeisterschaft war für Sie am schönsten?

Werndl:Es gab viele schöne Momente, aber für mich ragen eigentlich drei heraus. Meine 77,003 Prozent mit Famoso am ersten Tag waren sehr wichtig für die Mannschaft. Ich weiß nicht, ob mir alle zugetraut haben, dass ich das schaffe. Nach dem Grand Prix sind mir dann alle um den Hals gefallen. Ein tolles Gefühl! Ganz besonders war auch der Moment mit Bronze auf dem Treppchen. Und der Ausritt aus dem Stadion nach der Kür. Famoso und ich standen als Führende auf der Anzeigetafel und einige Weltklassepaare hinter uns.

Im Grand Prix Special und in der Kür fehlten Ihnen und Famoso nur wenige Punkte zu einer Einzelmedaille. Waren Sie enttäuscht?

Werndl:Im allerersten Moment schon ganz kurz. Man muss einmal schlucken und dann besinnt man sich auf das, was man geschafft hat. Meine Team-Bronzemedaille in die Hand zu nehmen, hat mir dann geholfen. Die kann mir niemand mehr nehmen. Außerdem war mein Ritt nicht fehler- und makellos. Ich bin Vierter und werde daran wachsen.

Dennoch, die Richterurteile wichen zum Teil erheblich voneinander ab und es war sehr knapp.

Werndl:Richterurteile sind begründet. Dass sie voneinander abweichen, liegt zum Beispiel an den unterschiedlichen Sitzpositionen und der entsprechenden Perspektive. Deshalb gibt es bei großen Championaten sieben Richter. Ich arrangiere mich mit den Noten, auch wenn sie nicht immer meinem persönlichen Gefühl entsprechen. In der Summe passt es meistens.

Ihre Schwester Jessica von Bredow-Werndl lag im Kreißsaal, als Sie Ihre Kür ritten. Hat Sie das beeinflusst?

Werndl:Nein. Ich wusste nur, dass Jessi schon im Krankenhaus ist. Wir hatten am Vormittag telefoniert und ich habe ihr alles Gute gewünscht. Danach hatten wir keinen Kontakt mehr. Ich bin davon ausgegangen, dass alles gut geht, und habe mich dann auf mich konzentriert.

„Mentale Komponente ist ein entscheidender Teil des Erfolgs“

Das hört sich leichter an, als es wohl ist!

Werndl:Ja, das klappt nicht immer. Aber die mentale Komponente ist ein entscheidender Teil des Erfolgs. Der Geist ist ebenso trainierbar wie der Körper. Man kann sich vorbereiten. Vielleicht nicht auf alles. Das Gefühl, in ein so großes Stadion einzureiten, hatte ich vorher noch nie gespürt. Andererseits ist die Weltmeisterschaft auch nur ein Turnier. Das relativiert sich dann wieder.

Wie war Ihre Rückkehr und wie geht’s weiter?

Werndl:Unser Team Aubi hat Famoso und mich toll empfangen und wir haben gefeiert. In den ersten beiden Tagen habe ich alle Pferde zu Hause geritten. Ich freue mich, dass so tolle Pferde nachkommen! Jetzt mache ich mit meiner Familie ein paar Tage Urlaub. Danach werde ich in Ruhe für Herbst und Winter planen. Bis jetzt war alles auf die Weltmeisterschaft ausgerichtet.

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