Regionalliga-Kicker wird Schiri: „Für mich ist es wichtig, etwas zurückzugeben“

Hart im Zweikampf: Ob das ein Foul war, kann Korbinian Linner (links) in Zukunft selbst entscheiden.
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Hart im Zweikampf: Ob das ein Foul war, kann Korbinian Linner (links) in Zukunft selbst entscheiden.

Korbinian Linner spielt seit fünf Jahren in der Fußball-Regionalliga beim TSV 1860 Rosenheim. Der 26-Jährige hat jetzt am Schiedsrichterlehrgang der Schiedsrichtergruppe Chiem teilgenommen und diesen erfolgreich abgeschlossen.

Rosenheim – Die OVB-Sportredaktion hat bei dem Flügelstürmer, der über 100 Regionalliga-Spiele für die Sechziger bestritten hat, nachgefragt, wie es dazu gekommen ist – und den Neu-Schiri gleich mal getestet:

Eine Regelfrage: Nach einem Zweikampf im Torraum rutscht der Angreifer über die Torlinie neben dem Tor ins Aus. Der Verteidiger bleibt in Ballbesitz und spielt den Ball zu seinem Torwart. Der Angreifer läuft wieder auf das Spielfeld, erreicht den Ball vor dem Torwart und erzielt ein Tor. Wie entscheidet der Referee?

Der Schiedsrichter muss auf Tor entscheiden. Der Angreifer hat gegen keine Regel verstoßen, nur weil er im Aus war. Aber bei der Frage ist bestimmt ein Trick dabei (lacht).

„Das mache ich jetzt einfach mal“ Kein Trick, Test bestanden! Wieso wollten Sie Schiedsrichter werden?

Das war eine sehr spontane Entscheidung. Ich habe gehört, dass der Aufwand sehr gering sei, Schiedsrichter zu werden. Daraufhin dachte ich: Das mache ich jetzt einfach mal. Außerdem gibt es eine Regelung, dass jeder Verein eine gewisse Anzahl an Schiedsrichtern stellen muss, ansonsten droht eine Geldstrafe. Daher bin ich über meinen Heimatverein DJK SV Griesstätt angemeldet, um diesem eine mögliche Strafe zu ersparen. Ich habe vor, nur Jugendspiele zu pfeifen. Ich war auch schon Jugendtrainer und finde, dass man den jungen Spielern Werte vermitteln kann. Für mich ist es wichtig, etwas zurückzugeben und für den Jugendbereich da zu sein.

Sie sind ja schon genug auf dem Fußballplatz, wird Ihnen das nicht zu viel?

Das stimmt, ich werde demnächst vermutlich erst einmal keine Spiele pfeifen. Aber die Zeit wird auf jeden Fall kommen, ich kann ja schließlich auch nicht für immer Fußball spielen.

„Bin keiner, der ständig gegen den Referee schimpft“ Jeder schimpft mal gegen den Schiedsrichter. Sie auch?

Ich bin ein sehr umgänglicher Spieler, ich quatsche während den Spielen auch oft mit den Assistenten auf der Außenbahn (lacht). Natürlich sage ich auch mal was, wenn der Schiri falsch liegt. Aber was er entscheidet, kann man sowieso nicht rückgängig machen. Meine Aufgabe ist es zu spielen und nicht zu urteilen, welche Schiedsrichterentscheidung richtig oder falsch ist. Ich bin keiner, der ständig gegen den Referee schimpft, da bin ich nicht der Typ für.

Jetzt kennen Sie die vielen verschiedenen Aufgaben eines Schiedsrichters. Werden Sie in Zukunft mehr Verständnis haben?

Ich habe allgemein viel Verständnis für die Schiedsrichter, ihre Arbeit hat mich schon immer interessiert. Es sind zwei komplett andere Sichtweisen ob du als Spieler oder als Schiedsrichter auf dem Platz stehst und über Entscheidungen urteilen musst.

„Meiner Meinung nach wäre ich ein guter Schiri-Typ“ Wie werden Sie reagieren, wenn gegen Sie als Schiedsrichter geschimpft wird?

So wie immer, ich bin nicht der Streittyp. Ich sage immer klar meine Meinung und bin überhaupt nicht nachtragend. Wenn ich falsch liegen sollte, kann ich die Entscheidung – leider – nicht zurücknehmen, da muss man halt drüberstehen. Meiner Meinung nach wäre ich ein guter Schiri-Typ.

Wie ist die Ausbildung dann abgelaufen?

Sie war eigentlich relativ simpel. Natürlich wird einem auch nichts hinterhergeschmissen, aber ich dachte, es wäre schwieriger. Es waren drei oder vier Seminare, die jeweils eine Stunde dauerten. Dann haben wir die vielen Fragen bekommen, die wir für die Prüfung lernen sollten. Ich habe ehrlich gesagt nicht wirklich was dafür gelernt, ich dachte mir: Entweder ich schaffe es oder befasse mich wann anders richtig damit. Dann hat es aber gut hingehauen und ich habe die Prüfung bestanden. Interview: Leon Simeth

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