Interview zum Saisonfinale

Samerberger Radprofi Burghardt: „Teilerfolg für das Team, aber persönlich nicht zufrieden“

Marcus Burghardt bei der Deutschen Meisterschaft im Straßenrennen über 168 Kilometer am Sachsenring.
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Marcus Burghardt (vorne) bei der Deutschen Meisterschaft im Straßenrennen über 168 Kilometer am Sachsenring. Rechts Bora-Teamkollege Michael Schwarzmann
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Kaum hat die Rennsaison für Marcus Burghardt begonnen, war sie auch schon wieder beendet. Mit der Flandern-Rundfahrt (43. Platz) und dem Rennen „Drei Tage von De Panne“ (42. Platz) in Belgien hatte der Radprofi vom Samerberg sein Saisonfinale.

Samerberg – Das war eine relativ kurze Rennsaison für den Samerberger Radprofi Marcus Bughardt. Mittlerweile ist der Fahrer des Raublinger Rennstalls Bora-hansgrohe wieder in der Heimat und zieht Bilanz seiner kurzen Saison mit nur 16 Renntagen.

Herr Burghardt, Ihre letzten Rennen in dieser Saison sind vorbei. Wie lautet Ihre Analyse?

Marcus Burghardt: Bei der Flandern-Rundfahrt ist es insgesamt gut gelaufen, nur hat mir an einem Berg die Überzeugung gefehlt. Ich weiß nicht, was das los war, da bin ich irgendwie nicht zurechtgekommen. An allen anderen Bergen war ich nämlich mit der Stärkste. Ohne Zuschauer war es da schon ein sehr komisches Gefühl. Ansonsten ist es dort an gewissen Stellen brutal laut und diesmal hast du nur das Rattern der Räder auf dem Kopfsteinpflaster gehört. Beim Rennen von De Panne bin ich in einer Gruppe bis auf 25 Sekunden an die vordere Gruppe herangekommen, dann sind die aber wieder weg. Es hat ein brutaler Wind geherrscht, da war dann kein Aufholen mehr drin.

Marcus Burghardts Saison war mit 16 Renntagen so kurz wie nie.

Wie sehr bedauern Sie es, dass Paris-Roubaix nicht mehr gefahren werden konnte?

Burghardt: Das ist natürlich schon schade, weil das Rennen etwas Besonderes ist. Zumal ich glaube, dass wir dort eine gute Rolle gespielt hätten. Es war vom Veranstalter auch ein sehr gutes Hygienekonzept da, aber man muss auch das Land verstehen. Dort gibt es immer mehr Corona-Fälle, dann müssen wir da nicht auch noch durchfahren. Wir sind dort schließlich nur Gäste.

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Nicht bei der Tour de France dabei

Wie lautet Ihr Fazit in diesem besonderen Jahr?

Burghardt: Wir müssen dankbar dafür sein, dass wir noch so viele Rennen fahren konnten. Das war für die Teams und die Sponsoren schon noch ein Teilerfolg. Es wäre schon schlimm gewesen, wenn die Tour de France, der Giro d‘Italia oder die Vuelta komplett ausgefallen wären. Und bis auf Paris-Roubaix sind auch alle Monumente ausgetragen worden. Persönlich war ich natürlich nicht damit zufrieden, dass ich für keine Grand Tour nominiert worden bin. Ich verstehe die Sicht des Teams, dass auch die jüngeren Fahrer reinwachsen sollen, ich habe aber auch meinen Anspruch. Aber ich habe das auch mit der sportlichen Leitung schon durchgesprochen. Es ist sehr wichtig, dass man dann viel kommuniziert.

Kaum hat die Saison begonnen, ist schon wieder Schluss: Wie gehen Körper und Geist damit um?

Burghardt: Für den Körper ist das diesmal keine so große Umstellung. Mental war es aber sehr anstrengend, weil keine Gewissheit da war, ob etwas stattfindet oder nicht – und wenn ja, dann musst du gleich bei 110 Prozent sein. Für mich war das aber kein Problem. Vielleicht hat mir da ja geholfen, dass mir das Radfahren immer noch so viel Spaß macht.

Wie trainieren Sie jetzt ab?

Burghardt: Ich werde die nächsten Wochen nicht sehr oft aufs Rennrad steigen, es sei denn, meine Frau oder die Kinder wollen ein bisschen fahren. Das wird dann aber nicht trainingstechnisch gesteuert sein. Vielleicht gehe ich ein bisschen Mountainbiken, auch die ein oder andere Skitour habe ich mir vorgenommen.

Und wie starten Sie die Vorbereitung auf die neue Saison?

Die Pause wird nicht so lange sein. Normal habe ich immer Ende Oktober mit der Vorbereitung begonnen, weil die alte Saison aber aufgrund der Verschiebungen so spät geendet hat, verzögert sich alles. Ich werde im November anfangen zu trainieren, zunächst auch viel zuhause machen. Ich habe hier ja die Möglichkeit, bei Skitouren oder beim Skilanglauf etwas abwechslungsreiches für die Kondition zu machen. Ansonsten waren wir im Winter desöfteren auf Mallorca, da muss man aber erst einmal die Hotel- und Flugsituation beobachten.

Ihr Wohltätigkeitsrennen für den Sport-Nachwuchs mussten Sie schweren Herzens absagen.

Burghardt: Ja, das schmerzt wirklich, ist aber aufgrund der ansteigenden Corona-Fallzahlen die richtige Entscheidung. Wir werden nächstes Jahr einen neuen Versuch starten. Für mich ist es wichtig, den Nachwuchs zu unterstützen. Der Nachwuchs ist das Grundelement für den Erfolg im Profisport und deshalb ist es für mich eine Herzensangelegenheit, dort zu helfen. Die Corona-Zeit zeigt, was wichtig ist und was nicht. Und vielleicht denkt der ein oder andere daran, den Nachwuchs im Sport, in der Kultur oder in der Gesellschaft zu unterstützen, als sich ein x-beliebiges Statussymbol zu leisten! Interview: Thomas Neumeier

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