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BAYERISCHER AMATEURFUßBALL

Quotientenregel bei Saisonabbruch: Amateurfußball-Vereine schwanken zwischen Akzeptanz und Klagedrohung

Wenn abgebrochen würde, dann bleibt Pang in der Kreisliga, während Kolbermoor absteigt.
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Wenn abgebrochen würde, dann bleibt Pang in der Kreisliga, während Kolbermoor absteigt.

Eine Entscheidung rückt näher im bayerischen Amateurfußball. Dass bis zum 9. Mai kein Trainingsbetrieb möglich ist, lässt das Szenario des Saisonabbruchs unter Einbezug der Quotientenregelung immer deutlicher werden. Die Regelung würde Gewinner und Verlierer unter den heimischen Vereinen bringen. Die Meinung schwankt zwischen Akzeptanz und Klagedrohung.

Rosenheim/Mühldorf– Noch ist die Zeit des Wartens nicht beendet. Die Verlängerung des bayerischen Lockdowns bis zum 9. Mai hat den Amateurfußball näher an den Saisonabbruch herangeführt. Für diesen Fall hatte sich der Bayerische Fußball-Verband (BFV) im vergangenen Jahr mit einem neuen Paragrafen in der Spielordnung abgesichert.

Kommt es tatsächlich zum Saisonende, ohne dass alle Partien ausgetragen werden, dann entscheidet die Quotientenregelung (erreichte Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) über die Endplatzierung. Je näher diese Entscheidung rückt, desto mehr Widerstand regt sich unter den Vereinen. Immerhin gibt es bei dieser Regelung einige Härtefälle, zudem fällt die Relegation ins Wasser. Die OVB-Sportredaktion hat sich in den verschiedenen Spielklassen umgehört und einige besondere Fälle herausgegriffen.

Bild mit Symbolcharakter: Siegsdorf ist in der Kreisliga gegenüber Tüßling-Teising obenauf.

„Bei jedem Vorschlag verliert irgendjemand“

Bayernliga: Der Abbruch und die Quotientenregelung würde für den TSV Wasserburg den Traum von einer möglichen Relegation um den Regionalliga-Aufstieg beenden. „Grundsätzlich würde ich es sehr schade finden. Wir haben einen starken Lauf gehabt und es ist nicht so leicht, in diese Ausgangssituation zu kommen, in der wir sind“, sagt Abteilungsleiter Kevin Klammer. Er meint aber auch, dass es keinen besseren Alternativvorschlag gebe. „Es hat viele verschiedene Lösungsvorschläge gegeben, und bei jedem verliert irgendjemand. Die einzig faire Möglichkeit ist, alle Spiele auf dem Rasen auszuspielen“, findet Klammer.

Landesliga: Der Saisonabbruch würde den SB Rosenheim und den TSV Ampfing vor der Abstiegsrelegation bewahren. „Für uns wäre das natürlich positiv“, sagt Ampfings Sportlicher Leiter Adrian Malec. Er hatte sich aber schon letztes Jahr dafür ausgesprochen, die Saison zu beenden. Deshalb hält er auch nichts davon, im Juni vielleicht noch ein paar Spiele auszutragen. „Da spielt man dann gegen Mannschaften, die mit den Gedanken schon in der neuen Saison sind.

Das ist dann noch mehr Roulette.“ Auch Rosenheim-Coach Harry Mandl fordert Klarheit: „Das ist doch jetzt wie ein Marathon ohne Ziel. Wie sollst du so etwas jetzt noch zu Ende bringen?“ Er spricht sich dafür aus, Teams aufsteigen, aber keine Mannschaft absteigen zu lassen. „Wenn du einen belohnen kannst, dann musst du es machen.“ Ampfings Malec ist auch dafür, keinen absteigen zu lassen: „Da würde ich mich solidarisch erklären.“

Bezirksliga: Ein Abbruch würde den ersten Rang des SV Bruckmühl bestätigen, obgleich Verfolger VfB Forstinning die Quotientenregelung beklagt. „Ich bin mir sicher, dass wir den Aufstieg auch so geschafft hätten. Wir sind seit viele Spieltagen Erster, deshalb fände ich es aus unserer Sicht gerecht, wenn wir aufsteigen würden. Und da schon viele Spiele absolviert sind, würde auch eine Annullierung keinen Sinn machen“, meint SVB-Coach Maik Blankenhorn.

Relegationsanwärter würden gerne weiterspielen

Kreisliga 1: Der SV Westerndorf hat seit vielen Spielen die Tabellenführung inne und würde auch bei einem Saisonabbruch an der Spitze stehen. „Es ist im letzten Jahr gesagt worden, dass bei einem Abbruch einer aufsteigt und einer absteigt. Warum soll das nun wieder geändert werden?“, fragt SVW-Abteilungsleiter Matthias Rahm, der auch nichts davon hält, noch ein paar Spieltage bis Ende Juni auszutragen: „Was ist, wenn dann wieder Corona-Fälle auftauchen? Solange nicht mehr geimpft sind, werden wir keinen ordentlichen Spielbetrieb hinbekommen.“

Hinter Westerndorf hatten der TuS Prien, TSV Emmering und SV Ostermünchen noch auf ihre Chance gelauert – oder sie hätten sich zumindest einen heißen Kampf um den Relegationsplatz geliefert. Das fällt nun wohl flach, was den Verantwortlichen sauer aufstößt. „Wir sind nun Leidtragender eine Regelung, die der BFV still und heimlich hinzugefügt hat“, sagt Priens Abteilungsleiterin Andrea Fischer.

Dass sich Westerndorf als Erster bei einem Abbruch den Aufstieg verdient hätte, darüber sind sich die Verfolger einig: „Es darf nicht passieren, dass deren gute Arbeit nach zwei Jahren annulliert wird“, sagt Fischer. Dass die Relegation wegfallen würde, wäre „eine bittere Pille“, meint die Chiemgauerin. Auch Emmerings Trainer Hans Weiß würde der Relegation nachtrauern. „Ganz Emmering würde sich wünschen, das Erlebnis Relegationsspiele noch einmal zu haben“, so Weiß. Er würde es „cool finden, wenn doch noch gespielt würde und man Einfluss auf die Quotientenregelung nehmen könnte“.

Auch Ostermünchens Coach Harald Melnik wäre fürs Weiterspielen, „auch über den Juni hinaus. Wir wissen ja nicht, ob im August wieder alles normal ist.“ Sein Vorschlag: „Die Saison bis in den Herbst fertigspielen und dann im Frühjahr in kleineren Gruppen eine neue Saison starten.“

Im Abstiegskampf der Kreisliga 1 würde es den SV-DJK Kolbermoor treffen, der im Winter noch Anstrengungen unternommen hat, um mit neuen Spielern den Klassenerhalt zu schaffen. „Meine Rechtsauffassung ist, dass man während des Spiels nicht die Regeln ändert“, sagt Abteilungsleiter Robert Straub. Auch deshalb kündigt er rechtliche Schritte für den Fall des Abbruchs und der Herbeiführung der Quotientenregelung. Straub: „Für mich ist die einzige Lösung ein Abbruch ohne Wertung – oder ich ziehe die Saison bis zum Schluss durch!“

Kreisliga 2:Der Titelkampf würde den TSV Siegsdorf vor der SG Tüßling-Teising sehen. Die Quotientenregelung würde dabei den aktuellen Tabellenstand bestätigen. „Aus meiner Sicht wäre das gerecht. Wir stehen da oben und deshalb würden wir nicht unverdient aufsteigen. Am Ende hat sich der BFV das Leben auch selber schwer gemacht, weil die Ligapokal-Spiele im Herbst nicht notwendig waren.

Dann hätten wir drei Spiele mehr auf dem Konto und die Tabelle wäre noch aussagekräftiger“, sagt Siegsdorfs Abteilungsleiter Hans Geiger. „Mich stört aber, dass keine Relegationsspiele stattfinden und der Zweite keine Chance hätte noch aufzusteigen.“ SG-Abteilungsleiter Franz Holzlechner meint, „dass es keinen Sinn macht, die Saison noch zu Ende zu spielen. Deshalb bin ich für den Abbruch und für die Quotientenregel. Wir würden die Entscheidung des Verbandes akzeptieren.“

Alternativvorschlag: Keine Absteiger

Kreisklasse 1: Im Abstiegskampf hat sich der TuS Großkarolinenfeld durch einen Sieg im letzten Spiel im Herbst vor den TV Feldkirchen gesetzt und würde deshalb aufgrund der Quotientenregelung den Klassenerhalt schaffen. „Wir wären gesichert und da spricht es sich lockerer, aber vor allem aus der Sicht von Feldkirchen ist es meiner Meinung nach nicht fair. Die haben wahrscheinlich auch Vollgas gegeben und sich bestimmt was ausgerechnet.

Mein einziger Alternativvorschlag wäre, dass es keine Absteiger gibt“, meint Großkaro-Trainer Marijo Sokic. In die gleiche Kerbe schlägt auch Feldkirchens Abteilungsleiter Tobias Meier: „Wenn es nach uns geht, würde ich sagen keine Absteiger, aber das würde natürlich jeder in unserer Situation sagen. Wir müssen mit dem leben und hätten es auch vorher selbst richten können.“

Bruckmühl-Trainer Maik Blankenhorn könnte sich bei der Quotientenregel über den Titel freuen.

Kreisklasse 2: Aktuell führt der TV Obing das Klassement vor dem SV Amerang, dem FC Maitenbeth und dem DJK-SV Edling an. Bei einem Abbruch und unter Einbezug der Quotientenregel wäre Amerang der große Gewinner, Edling würde als Zweitem die Relegation entgehen. „Für uns ist das natürlich unfassbar bitter“, sagt Edlings Trainer Michael Maier. Denn sein Team hat bislang noch kein direktes Duell gegen Amerang ausgetragen.

„Wir haben nach dem Re-Start alle Spiele gewonnen. Am Ende fehlt uns jetzt ein Spiel.“ Maier betont aber auch: „Niemand kann etwas dafür. Der Verband nicht, die Ameranger nicht und auch wir nicht.“ Amerangs Coach Slaven Jokic gibt zu: „Wir profitieren.“ Er fügt aber auch an: „Dass wir aufsteigen, ist sportlich nicht unverdient. Wir haben uns diese Position über die Saison hinweg hart erarbeitet.“ Dennoch hätte er die Saison am liebsten regulär zu Ende gespielt.

Im Abstiegskampf würde es den ASV Rott erwischen: „Für uns wäre die Quotientenregel zum Nachteil, aber wir sind an der aktuellen Situation auch selbst schuld“, sagt ASV-Coach Edin Burek. „Der Abbruch der Saison macht Sinn und am Ende kann man es nicht jedem Verein recht machen.“

Kreisklasse 3: Sollte die Quotientenregelung zum Einsatz kommen, dann wird der TSV Neumarkt-St. Veit den Aufstieg verpassen. „Ich war seit Ausbruch der Pandemie für einen Abbruch ohne Auf- und Absteiger. Jetzt ist es aber eine blöde Situation und mit der Quotientenregel wird es keine Gerechtigkeit für alle geben. Bei uns sorgt das schon für Ärger und Frust, weil die Mannschaft wirklich motiviert war und aufsteigen wollte“, so TSV-Coach Franz Berger.

Ebenfalls ein Verlierer dieser Regelung wäre die TuS Mettenheim, die deshalb auch absteigen müsste: „Wir müssen es nehmen, wie es kommt, wir stehen auch zurecht da unten. Wir würden keine rechtlichen Schritte einleiten, auch wenn ich mir wünschen würde, dass keiner von einem Saisonabbruch benachteiligt wird“, so Abteilungsleiter Ambros Seelos.

In der Kreisklasse würde der Abbruch Amerang (rechts Johannes Linhuber) Rang eins bringen.

„Das wäre den Jungs schwer zu vermitteln“

A-Klassen: Kurios wird es in der A1, wo der Tabellendritte ASV Kiefersfelden die beiden aktuell vor ihm stehenden Teams vom ASV Au II und TSV Hohenthann überholen würde. „In unserem Fall ist die Anwendung der Quotientenregel natürlich gut. Aber wir hätten uns trotzdem gewünscht, dass wir weiterspielen und den Aufstieg sportlich schaffen können. Mir ist auch klar, dass diese Regelung nicht für alle fair ist.

Ich wüsste jetzt auch nicht, was der Verband anders machen sollte“, meint Kiefersfeldens Trainer Christian Müllauer. Aber eine gerechte Lösung wird es am Ende nicht geben, egal ob es um Auf- oder Absteiger geht. Wir werden es nicht ändern können und akzeptieren die dann getroffene Entscheidung“, sagt der Auer Trainer Josef Menhofer. Hohenthanns Trainer Andreas Schunko sagt dazu: „Wir wären natürlich nicht glücklich mit der Regelung, da sie uns gleich zweimal betreffen würde. Zum einem würde unsere erste Mannschaft nicht aufsteigen, zum anderen, unsere ,Zweite‘ in die C-Klasse absteigen. Das tut schon extrem weh und ist den Jungs schwer zu vermitteln.“ Schunkos Lösung: „Deshalb wäre ich eher für die Annullierung der Saison oder dass es zumindest keine Absteiger gibt.“

Dass bei einem Abbruch die Relegation ausfallen würde, betrifft den SV Forsting-Pfaffing und den SV Waldhausen in der A-Klasse 3. Geht es nach den Resultaten vor dem ersten Lockdown, dann wären die Forstinger aufgestiegen: „Wir sind uns als Verein noch nicht einig, wie wir abstimmen werden. Ich sehe es jedoch als alternativlos, dass abgebrochen wird“, meint Forstings Abteilungsleiter Josef Daberger. Waldhausens Fußball-Chef Robert Pichler glaubt, „dass es keine Lösung gibt, die für alle gerecht ist. Man wird kein einheitliches Bild finden. Wir müssen es so hinnehmen, die Situation lässt es nicht anders zu.“ Pichler schätzt aber, „dass es Vereine gibt, die klagen werden“.

„Die Enttäuschung in der Mannschaft ist groß“

B-Klassen:Die spannendste Konstellation gibt es zwischen dem TSV Eiselfing II und dem TSV Bad Endorf II. Beide kommen auf den gleichen Quotienten, der direkte Vergleich würde Eiselfing den Aufstiegsplatz bescheren. „Es wäre besser gewesen, wenn man letztes Jahr abgebrochen hätte. So wie es jetzt ist, ist es kein Zustand mehr“, sagt Eiselfings Trainer Marco Schuierer. Er meint, „dass es immer Härtefälle bei dieser Regelung geben wird“, denkt aber, dass sein Team den Aufstieg verdient hat.

„Wir haben nach dem Lockdown alles gewonnen.“ Endorfs Abteilungsleiter Philipp Kleinekathöfer kann „nicht verstehen, dass man nicht schon längst abgebrochen hat. Meiner Meinung nach sollte man die Saison komplett annullieren.“ Sollte doch noch gespielt werden, dann würde der auf ein mögliches Entscheidungsspiel hoffen.

Auch den SV/DJK Heufeld würde der Nichtaufstieg treffen. Trainer Engelbert Wolf meint: „Die Enttäuschung in der Mannschaft ist natürlich groß. Wenn man sich die ganzen anderen Vorschläge anschaut, finde ich die Quotientenregel noch am besten, auch wenn es für viele Vereine bitter ist.“

Den Abstieg würde die DJK Otting und die SG Erharting/Niederbergkirchen treffen. „Ganz gerecht ist es nicht“, sagt Ottings Abteilungsleiter Thomas Mayer. Otting wäre aktuell Tabellenachter – und müsste runter. Ein Abbruch wäre Mayer zu früh: „Man kann doch in den Juni reinspielen. Schließlich hat jeder Verein sein Hygienekonzept.“ Erhartings Abteilungsleiter Georg Hans hätte „vor einem Jahr schon abgebrochen. Das wäre gerechter gewesen. Für uns wäre ein Abstieg bitter, weil der Quotient im Bereich der zweiten Stelle nach dem Komma gegen uns spricht.“ Hans schlägt vor, dass es „zumindest in den Klassen bis zur Kreisklasse keine Auf- und Absteiger“ geben sollte.

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