Weltklasse-Skispringerin Carina Vogt trainiert in Bad Endorf für ihr Comeback nach einem Jahr

Kampf ums Comeback: Mit Skisprungtrainer Christian Bruder schuftet Carina Vogt im Endorfer Kraftraum.
  • Thomas Neumeier
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Carina Vogt ist eine der erfolgreichsten Skispringerinnen der Welt. Die 28-Jährige ist Olympiasiegerin und gewann fünf WM-Titel. Für die Schwäbin ist es stets aufwärts gegangen, doch seit knapp einem Jahr ist Vogt nicht mehr gesprungen.

Bad Endorf– Ihr halbes Leben lang springt Carina Vogt auf Skiern von internationalen Schanzen und fliegt durch die Lüfte. Die 28-Jährige ist einer der erfolgreichsten Skispringerinnen der Welt, der Olympiasieg von 2014 und fünf WM-Titel zeugen davon. Seit knapp einem Jahr ist Vogt aber nicht mehr gesprungen: Kein Absprung, keine Flugphase, kein Telemark. Die Polizeiobermeisterin aus Bernau kämpft sich nach einem Kreuzbandriss wieder zurück.

Landung - Sturz - Kreuzbandriss

Für die Schwäbin war es stets aufwärts gegangen: 2006, mit 14 Jahren das erste Mal beim Continental-Cup, 2008 die erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft (Silber im Team mit ihrer Bundespolizei-Teamkollegin Svenja Würth), 2012 das Debüt im Weltcup, 2013 die erste WM-Medaille (Bronze im Mixed-Team, unter anderem mit Bundespolizei-Kollegin Ulrike Gräßler)), 2014 dann der Olympiasieg und in den weiteren Jahren fünfmal Gold bei den Weltmeisterschaften in Falun (2015), Lahti (2017) und Seefeld (2019). Und dann der Schock im Training: Auf der Schanze in Stams geht bei der Landung das Knie weg, Vogt stürzt – Kreuzbandriss! Die gesamte Saison ist frühzeitig beendet.

„Anfangs habe ich das locker genommen“

Und Vogt muss erst einmal damit zurechtkommen. „Ich habe sehr unterschiedliche Phasen durchlebt“, bekennt sie. „Anfangs habe ich das locker genommen, aber nach der Operation ist mir bewusst geworden, was das heißt.“ Zumal sie „höllische Schmerzen“ gehabt hätte, wie Vogt erzählt. Das legte sich erst wieder, als sie richtig in die Reha mit einer intensiven Betreuung des Physio-Teams der Sportschule einsteigen konnte.

Der größte Erfolg: 2014 wurde Carina Vogt Olympiasiegerin in Sotchi.

„Mit dem Training war der Alltag dann wieder strukturierter“, sagt sie. Nach gemischten Gefühlen während der ersten Springen besuchte sie später dann auch wieder Wettbewerbe vor Ort. „Ich war bei der Vierschanzentournee in Innsbruck und auch beim Weltcup in Oberstdorf“, berichtet Vogt. Aus dem Unfall hat sie ihre Lehren daraus gezogen. „Ich habe den Tag Revue passieren lassen und denke, dass ich in Zukunft besser auf den Körper hören werde. Da waren einige Signale, die ich missachtet hatte“, meint sie.

Mit der Motivation erst kein Problem

Auch während der Corona-Phase hat die Skispringerin diese unterschiedlichen Phasen durchlebt: „Ich habe beim Reha-Training täglich zwei Programme mit unserem Bundespolizei-Sportwissenschaftler Manuel Behr durchgezogen, hatte mit der Motivation kein Problem. Nach sechs oder sieben Wochen ging‘s mir dann aber richtig auf den Zeiger.“ Seitdem sie aber wieder im Kraftraum der Bundespolizeisportschule in Bad Endorf arbeiten könne, sei sie erleichtert, berichtet Vogt.

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Dort wird penibel genau darauf geachtet, dass das Hygienekonzept eingehalten wird. „Wir müssen viel desinfizieren, es gibt feste Zeiten zur Benutzung des Kraftraumes, dazu darf nur eine gewisse Anzahl an Personen im Raum sein“, erzählt die 28-Jährige – und stellt fest: „Jeder muss sich halt anpassen.“. Aber die Freude, wieder in Bad Endorf trainieren zu können, überwiegt deutlich: „Jeder ist froh, dass wir die Genehmigung dafür haben.“

2011 sechs Monate lang Pause gemacht

Und so schuftet Carina Vogt fürs Comeback mit ihrem Bundespolizei-Skisprungtrainer Christian Bruder. Noch nie war sie so lange von den Schanzen abstinent. 2011 hatte sie mal sechs Monate lang Pause gemacht, wollte vom Skispringen nichts mehr wissen. „Ich hatte keinen Bock mehr“, bekannte sie frank und frei. Und nach dem Olympiasieg pausierte sie wegen Knieproblemen auch für einige Monate – in der Saison darauf gab‘s Doppel-Gold bei der WM in Schweden.

In der Spur: Ihr halbes Leben springt Carina Vogt auf internationaler Bühne von Schanzen.

Und genau darin liegt der große Anreiz für Vogt für die Rückkehr in den Weltcup. Im kommenden Februar ist die nordische Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf – und Vogt will bei der Heim-WM „natürlich mit dabei sein“. Von Doppel-Gold wie damals in Falun will sie nicht träumen. „Eine WM-Medaille hätte schon einen extrem großen Wert, das wäre ein i-Tüpfelchen“, meint sie, ist allerdings auch realistisch: „Das wird schon sehr schwer.“ Sollte es nicht klappen, dann würde auch keine Welt zusammenbrechen, „weil ich persönlich mit dem Sport keine Rechnung offen habe. Ich habe schon so viel erreicht.“

Skispringen bei den Frauen hat sich massiv verändert

Gerade sie kann die Entwicklung des Skispringens bei den Frauen genau einschätzen. „Das hat sich gegenüber meinen Anfängen massiv verändert. Mit zwölf oder 13 Jahren war ich bei meiner ersten Deutschen Meisterschaft. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal bei Weltcups springen würde. Es gab noch relativ wenig Mädels. Danach wurden es immer mehr und es wurden sukzessive Bewerbe eingeführt. Die Entwicklung ging regelmäßig voran“, bilanziert Vogt.

Beruf und Leidenschaft: Carina Vogt in Bad Endorf mit Sprungskiern vor dem Dienstgefährt.Bundespolizei (2)

Bei der WM in Oberstdorf springen die Frauen erstmals von der Großschanze, bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking gibt es erstmalig den Teambewerb im Mixed. „Es fehlt nicht mehr viel“, sagt Vogt – und nennt eine Vierschanzentournee und das Skifliegen. „Jede von uns will bei einer Vierschanzentournee springen“, so die 28-Jährige, „die Frage ist, wie man es in den Zeitplan eingliedern kann“. Und das Skifliegen bleibt „ein Traum“. Ein Ziel sei es gewesen, „einmal 200 Meter zu springen“. Momentan beträgt ihre Bestweite im Wettkampf 137,5 Meter. „Die besten zehn bis 15 Springerinnen im Weltcup könnte man schon mal probieren“, sagt Vogt.

In Bad Endorf Ausbildung in der Bundespolizeisportschule

Die Olympiasiegerin ist in Schwäbisch Gmünd beheimatet, fühlt sich aber im Chiemgau pudelwohl. In Bad Endorf hat sie ihre Ausbildung in der Bundespolizeisportschule („eine außergewöhnliche Einrichtung und ein ziemlich gelungenes System“) absolviert, seit knapp zwei Jahren wohnt sie in Bernau.

„Es gab zwei Aspekte, warum ich hergezogen bin. Es ist eine sehr schöne Gegend, dazu war es für mich eine enorme Erleichterung, in Bad Endorf trainieren zu können.“ Die Polizeiobermeisterin schwärmt sogar von der Sportschule im Kurort: „Wenn man dort hinkommt und sich heimisch fühlt, dann ist das für eine Bundeseinrichtung eher außergewöhnlich.“ Aber gerade richtig, um sich wieder in WM-Form zu bringen.

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