Mit der Polizei in die Weltspitze: „Wenn von zehn Sportlern einer durchkommt, ist es gut“

Die Biathleten der bayerischen Landespolizeiam Stützpunkt Ruhpolding: Stefanie Scherer, Selina Kastl, Hannah Schlickhum, Lara Vogl, Franziska Pfnür, Lisa Spark, Trainer Tobias Reiter (vorne von links), Martin Jabinger, Johannes Donhauser, Philipp Nawrath, Florian Arsan und Raphael Lankes (hinten von links). Wukits
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Die Biathleten der bayerischen Landespolizeiam Stützpunkt Ruhpolding: Stefanie Scherer, Selina Kastl, Hannah Schlickhum, Lara Vogl, Franziska Pfnür, Lisa Spark, Trainer Tobias Reiter (vorne von links), Martin Jabinger, Johannes Donhauser, Philipp Nawrath, Florian Arsan und Raphael Lankes (hinten von links). Wukits

Sie gelten als die Förderer im Spitzensport: Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll. Seit 2012 unterstützt auch die bayerische Polizei Sportler auf ihren Weg. Der soll möglichst viele davon in die Weltspitze führen. Die Wintersportler finden am Ausbildungsstandort Ainring beste Voraussetzungen.

Ruhpolding– Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll und seit 2012 auch die bayerische Polizei: Sie unterstützen Sportler auf ihren Weg. Am Ausbildungsstandort Ainring finden Wintersportler aus verschiedenden Bereichen beste Voraussetzungen.

Tobias Reiter trainiert die elf Biathleten

Die Gruppe der Biathleten umfasst elf Sportler, trainiert wird diese von Tobias Reiter vom ASV Oberwössen. Der 34-jährige war bis nach den Olympischen Spielen 2018 Disziplintrainer im deutschen Damenteam. Nach seinem Rückzug aus der Nationalmannschaft wurde er Trainer und Ausbilder in der Spitzensportförderung für die Biathleten in Ainring. „Das ist für mich eine große Herausforderung und Verantwortung. Ich muss die gesamte Bandbreite von Sportlern abdecken, was Alter und Geschlecht betrifft. Wichtig ist eine individuelle Betreuung, für jeden muss ich das richtige Konzept finden“, erklärt Reiter.

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Das Stichwort heißt duale Karriere

Der Großteil seiner Schützlinge ist noch relativ jung. Das Stichwort heißt „Duale Karriere“. Vier Monate im Jahr werden polizeifachliche Inhalte vermittelt. Dazu kann parallel in dieser Zeit auch zweimal am Tag trainiert werden. Die Unterrichtspläne sind darauf genau abgestimmt. Die restlichen acht Monate im Jahr stehen für Training und Wettkämpfe zur Verfügung. Vor Ort in Ainring fehlt es den Biathleten an nichts. Kraftraum, Sporthalle, eine Höhenkammer mit Laufband, auch einen Schießstand gibt es. Das überwiegende Training findet allerdings am Stützpunkt Ruhpolding statt.

Eine bunte Mischung in der Gruppe

Tobias Reiter hat in seiner Gruppe vom Talent bis zum gestandenen Weltcup-Athleten eine bunte Mischung. So zum Beispiel Philipp Nawrath vom SK Nesselwang, der bereits an der Weltmeisterschaft 2019 in Östersund und an diversen Weltcups teilgenommen hat. Zuletzt ist der 26-Jährige an der Seite von Laura Dahlmeier beim Biathlon auf Schalke gelaufen. Im IBU-Cup konnte zuletzt Steffi Scherer vom SC Wall mit einem Einzelsieg überzeugen. Erfolge gab es auch für Lisa Spark (SC Traunstein) und Franziska Pfnür (SK Ramsau) im IBU-Juniorcup. „Meine Aufgabe ist es, nicht nur einen guten Sportler, sondern auch einen guten Polizisten zu entwickeln. Die Eigenschaften als guter Athlet helfen, dass er auch ein hervorragender Polizist wird“, beschreibt Reiter seine Tätigkeit.

Während der Ausbildung eine hohe Doppelbelastung

Nawrath hat gerade seine fünfjährige Ausbildung zum Polizeiobermeister abgeschlossen. „Während meiner Ausbildung hatte ich eine hohe Doppelbelastung, um mich etwa auf die Schiene Weltcup-Niveau vorzubereiten“, so der 26-Jährige, „durch das Engagement vom Tobi konnte ich diesen großen Sprung beruflich und sportlich machen“. Nachdem er in der vergangenen Saison Weltcup-Luft schnuppern konnte, begann dieser Winter für ihn im IBU-Cup. „Da habe ich ein paar Spitzenplätze erreicht. Das war für mich einer der besten Einstiege in eine Saison“, freut sich Nawrath.

Irgendwann den Sprung in den Weltcup schaffen

Steffi Scherer hatte im Dezember einen gelungenen Saisoneinstand. Nach Spitzenplätzen im Alpencup und Deutschlandpokal gewann sie auch ein Einzelrennen im IBU-Cup. „Dafür trainiert man sehr hart und viel. Schön, wenn dann so etwas dabei herauskommt“, sagt sie. Angefangen hat Scherer mit Biathlon, als sie am CJD in Berchtesgaden zur Schule gegangen ist und das Abitur gemacht hat. Danach ist sie an den Stützpunkt Ruhpolding gewechselt und hat sich bei der bayerischen Landespolizei beworben. Mittlerweile ist sie Polizeioberwachtmeisterin. Irgendwann will sie den Sprung in den Weltcup schaffen, allerdings ohne alles zu überstürzen. „Wichtig ist, konstante Leistungen zu bringen und läuferisch an die internationale Spitze herankommen. Das ist mir teilweise schon gelungen“, sagt Scherer. Auch sie spricht von einer sehr anspruchsvollen Ausbildung, die sie in Ainring absolvieren muss. „Dank unserem tollen Trainer schafft man das“, ist sie überzeugt.

An einigen Stellschrauben intensiv drehen

„Beide werden ihren Weg machen, davon bin ich überzeugt“, sagt Tobias Reiter. „Wir müssen an einigen Stellschrauben intensiv drehen, große Baustellen sind bei den Beiden aber nicht zu erkennen“, meint er. Immer im Blick hat Reiter auch den gesamten Nachwuchs am heimischen Stützpunkt. „Wir haben eine ganze Reihe guter junger Biathleten, wir brauchen halt Geduld mit ihnen. Schwierig ist immer der Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich. Da kommt der Führerschein, die eigene Wohnung, ein anderer Trainer ist plötzlich da. Da passiert so viel, oft stagniert die Entwicklung. Das kann der Trainer nicht beeinflussen“, beschreibt er die Probleme und fügt hinzu: „Wenn du zehn Sportler hast und einer kommt durch, dann ist es gut.“ shu

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