LEICHTATHLETIK

Plötzliches Karriereende bei Benedikt Huber aus Palling: Den Traum von Olympia und der WM aufgegeben

Das Skitourengehen ist neben dem Langlaufen die bevorzugte Wintersportart von Benedikt Huber. Auch dafür wird er nach seinem Karriereende nun mehr Zeit haben.
+
Das Skitourengehen ist neben dem Langlaufen die bevorzugte Wintersportart von Benedikt Huber. Auch dafür wird er nach seinem Karriereende nun mehr Zeit haben.

Der Leichtathlet Benedikt Huber aus Palling hat überraschend seine Karriere beendet. Der Wahl-Vachendorfer war dreimal deutscher Meister über 800 Meter und hatte die Olympia-Teilnahme als großen Traum. Verletzungsprobleme, Corona, berufliche Überschneidungen und der Wunsch nach mehr Freizeit haben diesen Traum nun vorzeitig platzen lassen.

Palling/Vachendorf– Alle Benedikt-Huber-Fans müssen jetzt ganz stark sein, denn der 31-jährige Pallinger beziehungsweise Wahl-Vachendorfer beendet seine erfolgreiche Leichtathletik-Karriere überraschend mit sofortiger Wirkung. Noch vor wenigen Monaten war der einst schnellste deutsche 800-Meter-Läufer fest entschlossen, in der anstehenden Hallensaison möglichst viele Punkte zu sammeln, um sich erstmals in seiner Paradedisziplin für Olympia zu qualifizieren.

Zur Erinnerung: Eigentlich hätten die Olympischen Spiele bereits im vergangenen Sommer in der japanischen Hauptstadt Tokio stattfinden sollen, doch coronabedingt wurden sie um ein Jahr verschoben. Im Zuge der Corona-Krise verschob der Leichtathletik-Weltverband IAAF zudem die eigentlich im Vorjahr im US-amerikanischen Eugene angesetzten Weltmeisterschaften ins Jahr 2022. Dies wäre auch das Jahr gewesen, in dem der vierfache deutsche und zwölffache bayerische Meister Huber bisher sein Wunsch-Karriereende anvisiert hatte: Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften vom 15. bis 21. August 2022 in München wollte er sich von der großen Bühne verabschieden. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Lesen Sie auch:

Transfers bei Fußballvereinen aus der Region wohl erst im Sommer 2021

Mühldorfer Volleyball-Coach will Siegesserie fortsetzen

Die Pandemie hat Kraft und Nerven gekostet

Dass Huber sein Karriereende in Absprache mit seinem Regensburger Trainer und engen Vertrauten Kurt Ring nun um rund eineinhalb Jahre vorzog und seine lang gehegten Träume von den ersten Olympia- und ersten WM-Teilnahme aus freien Stücken platzen ließ, hat seine Gründe. Zum einen habe das vergangene Leichtathletikjahr, das stark von Corona geprägt war, viel Kraft und auch Nerven gekostet, so der heimische Ausnahmeläufer. Viele Wettkämpfe konnten nicht stattfinden und wenn, dann nur unter strengen Auflagen und auch das Training und die Wettkampfvorbereitung waren alles andere einfach.

Benedikt Huber beim Athletics World Cup 2018 in London, eines der Highlights in seiner Karriere.

„Ende letzten Jahres habe ich gehofft, dass die Saison 2021 relativ normal verlaufen würde, doch diese Hoffnungen lösten sich schnell in Luft auf“, bedauert Huber. Zudem hätten ihn in den Wochen vor Weihnachten hartnäckige Oberschenkelprobleme zu schaffen gemacht, die ihn ziemlich frustriert und auch ein wenig demotiviert hätten. „Ich war immer wieder in der Physiotherapie, manchmal ging es wieder besser, dann musste ich das Sprinttraining wieder wegen Schmerzen für paar Tage aussetzen und konnte nur Dauerläufe machen“, so Huber. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für die angestrebte Olympia-Qualifikation. Ihm lief am Ende die Zeit davon.

Im Gegensatz zur Konkurrenz beruflich tätig

Auch dass die Fitnessstudios pandemiebedingt immer wieder geschlossen waren und er die heimischen Leichtathletikanlagen teilweise nicht wie gewohnt nutzen konnte, sei für den Formaufbau nicht positiv gewesen. Erschwerend sei hinzugekommen, so Huber, dass er im Gegensatz zu vielen seiner Hauptkonkurrenten auf nationaler und internationaler Ebene seinen Sport nie hauptberuflich ausgeübt habe. „Ich arbeitete ja seit einigen Jahren neben dem intensiven Leistungssport als Ingenieur bei der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut – 26 Stunden beziehungsweise seit 2020 wegen der angepeilten Olympia-Quali noch 21 Stunden in der Woche“, so der dreifache Deutsche Meister über 800 Meter (2016, 2017 und 2018). Auch die Freizeit ist in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen.

Erst einmal „professionell abtrainieren“

Ganz auf das geliebte Laufen verzichten wird er auch in den kommenden Jahren nicht, denn zum einen muss er nun erst einmal „professionell abtrainieren“, um sein Herz- und Kreislaufsystem stabil zu halten und gesund zu bleiben, zum anderen wird er es sich nicht auch nehmen lassen, weiterhin gut trainiert bei regionalen Läufen zu starten, sofern es die Corona-Pandemie wieder zulässt. „Ich denke dabei besonders an mein Heimrennen, den Traunreuter Stadtlauf, den ich dreimal gewinnen konnte“, so Huber.

Seit 2015 für Regensburg im Einsatz

Als kleiner Bub kam Huber einst zum TSV Palling. In der Leichtathletikabteilung hat er dann unter seinem im Vorjahr verstorbenen Jugendtrainer und Mentor Rupp Rambichler seine Liebe für das Laufen entdeckt und sich stetig verbessert. 2015 wechselte Huber dann zur LG Telis Finanz Regensburg, wo ihn sein dortiger Trainer Kurt Ring noch einmal auf ein höheres Leistungsniveau brachte. Beratend zur Seite gestanden hat ihm lange Zeit auch der frühere sportliche Leiter des Traunreuter Stadtlaufes, Werner Oberauer aus Altenmarkt. „Diese drei Trainer und Vertrauten sind für mich und meine sportliche Laufbahn ganz wichtig gewesen“, lobt Huber. Sein Dank gelte zudem seinen Eltern Konrad und Gabi Huber, die ihn immer unterstützt hätten, und seinen Sponsoren. Auch dass er regelmäßig die Eishalle in Inzell und die Laufbahnen in Traunreut und Traunstein für sein Training nutzen habe dürfen, sei nicht selbstverständlich gewesen, so Huber. mmü

Kommentare